Vor dem Parteitag Ende Juni

„Wir brauchen neue Köpfe und neue Ideen“ – Warum Heidi Reichinnek Parteichefin der Linken werden will

Heidi Reichinek

Heidi Reichinnek (34) kandidiert Ende Juni auf dem Parteitag in Erfurt als Bundesvorsitzende der Linken.

Berlin. Ein großes Rosa-Luxemburg-Tattoo ziert den Unterarm von Heidi Reichinnek. Unter dem Bildnis der Satz: „Ich war, ich bin, ich werde sein“. Luxemburg schrieb das nach dem gescheiterten Januar-Aufstand 1919 und meinte damit die Revolution.

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Heute, über 100 Jahre später, könnte es die Mutmacherlosung für den Parteitag der Linken Ende Juni in Erfurt sein, denn die Partei befindet sich in einer existenzbedrohenden Krise. Reichinnek ist mit 34 Jahren die Jüngste in der 39-köpfigen Bundestagsfraktion der Linken und will sich mit dem Zustand nicht abfinden, greift auf dem Parteitag nach dem Parteivorsitz.

Reichinnek: „Wir müssen raus aus dieser Krise“

Die Satzung sieht eine Doppelspitze vor, die mindestens mit einer Frau besetzt sein muss. Reichinnek tritt gegen die amtierende Parteichefin Janine Wissler an, die sich erneut zur Wahl stellt. „Es darf kein Weiter-so geben“, findet Reichinnek und sagt im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): „Wir müssen raus aus dieser Krise, wir brauchen neue Köpfe, neue Ideen und auch eine neue Form der Zusammenarbeit.“

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Reichinnek, die im Ehrenamt Landesvorsitzende ihrer Partei in Niedersachsen ist, kommt von der Basis, hat lange Zeit in Belm im Landkreis Osnabrück in der ökumenischen Jugendarbeit Erfahrung gesammelt. Sie weiß aus eigener Anschauung, wie es ist, wenn Kinder ohne Pausenbrot in die Schule kommen oder zu Hause keinen Rechner haben, um in der Corona-Pandemie am digitalen Unterricht teilzunehmen.

Aus ihrer Sicht hat die Bundespartei für solche Dinge die Sicht verloren, muss wieder mehr „in die Fläche gehen“ und „die Selbstbeschäftigung im Apparat“ muss aufhören. Für Reichinnek steht das Thema „Soziale Gerechtigkeit“ ganz oben, „deshalb bin ich 2015 Mitglied der Linken geworden“.

Die studierte Politikwissenschaftlerin hat das Gefühl, dass die Partei es nicht mehr richtig schafft, zu transportieren, was sie eigentlich sagen will. Reichinnek ist selbst seit 17 Jahren Vegetarierin, findet aber, dass es wenig Sinn macht, individuellen Verzicht zu predigen statt strukturelle Probleme zu benennen. „Wir müssen anprangern, dass mit Millionensubventionen aus Brüssel hier bei uns Betriebe gestützt werden, die eine unsägliche Massentierhaltung praktizieren“, sagt die Politikerin.

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Bundeskanzler Olaf Scholz will die „Belastung für die Haushalte mindern“. Die großen Gewerkschaften reagieren auf den Vorschlag des Bundeskanzlers einer „konzertierten Aktion“ eher mit Zurückhaltung.

Wagenknecht-Aufruf für Reichinnek keine Kampfansage

Die junge Frau, die in Osnabrück in einer Beziehung lebt, wurde in Merseburg in Sachen-Anhalt geboren und hält weiter Kontakt in die Region, in der auch ihre Eltern im 1800-Seelen-Ort Obhausen wohnen. Zwar lebt und arbeitet sie schon seit sieben Jahren in Westen, aber den „Ost-West-Unterschied“ hat sie nicht aus dem Blick verloren. „Da bleibt noch viel zu tun, nicht nur bei der Angleichung von Löhnen und Renten.“

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Den vor ein paar Tagen veröffentlichten „Aufruf für eine populäre Linke“ von einer Gruppe um Sahra Wagenknecht empfindet sie nicht als Kampfansage, meint aber, man sollte vielleicht nicht so viele Papiere schreiben und sich lieber mehr vernetzen. In einem Statement dazu heißt es: „Mein Ziel ist, Vorsitzende für die gesamte Partei zu sein. Ich freue mich grundsätzlich über alle Initiativen von Genossinnen und Genossen, die gemeinsam für einen Aufschwung kämpfen wollen.“

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