Russische Gräueltaten

Kriegsverbrechen in Butscha: Journalisten entlarven Täter

Ein Priester segnet drei während der russischen Besatzung Verstorbene, die aus provisorischen Gräbern in Butscha exhumiert wurden.

Ein Priester segnet drei während der russischen Besatzung Verstorbene, die aus provisorischen Gräbern in Butscha exhumiert wurden.

Butscha. Massengräber, Folterspuren, Hunderte ermordete Zivilistinnen und Zivilisten – die Bilder aus der verwüsteten Kleinstadt Butscha schockierten die Welt. Zahlreiche Kriegsverbrechen wurden nach dem Abzug der russischen Truppen am 31. März dokumentiert. Doch die Verantwortlichen haben auch viele Hinweise auf ihre Identität hinterlassen – Journalistinnen und Journalisten haben einige davon aufgedeckt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Ein Team der Nachrichtenagentur Reuters hat drei Wochen vor Ort recherchiert und Spuren von Befehlshabern und einzelnen Soldaten gefunden. Anhand von Augenzeugenberichten, weggeworfenen Dokumenten und Posts in den sozialen Medien lassen sich demnach auch Details über die Befehlsketten bei der Besetzung der Stadt rekonstruieren. Die Recherchen zeigen zudem direkte Verbindungen zwischen Verantwortlichen und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.

+++ Alle aktuellen News und Entwicklungen zum Krieg in der Ukraine lesen Sie in unserem Liveblog. +++

Spezialeinheit mit direkter Verbindung zu Putin

Die russische Armee brachte Butscha um den 5. März unter ihre Kontrolle. Der Vorort der Hauptstadt Kiew zählte vor dem Krieg etwa 37.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Zum Zeitpunkt der Besatzung sollen sich noch etwa 4000 Menschen in der Stadt aufgehalten haben.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Nach dem Abzug der russischen Truppen sprachen Reuters-Journalistinnen und ‑Journalisten mit mehr als 90 Überlebenden. Zudem besuchten sie verschiedene Tatorte und sammelten Foto- und Videobeweise sowie zurückgelassene Dokumente der russischen Soldaten.

Schwere Waffen: Deutschland liefert der Ukraine Panzerhaubitzen

Die Ukraine wird mit insgesamt zwölf Panzerhaubitzen ausgerüstet, um gegen die russischen Angreifer bestehen zu können. Davon kommen sieben aus Deutschland.

Nach ihren Recherchen belegt unter anderen ein gefundenes Ausweisdokument, dass an der Besatzung auch die Spezialeinheit Witjas beteiligt war. Witjas untersteht dem Kommando der russischen Nationalgarde (Rosgwardija). Deren Leiter, Wiktor Wassiljewitsch Solotow, ist der ehemalige Chef des Sicherheitsdienstes von Putin und untersteht direkt dem russischen Präsidenten.

Offenbar auch tschetschenische Einheiten beteiligt

Einen anderen Hinweis liefert ein Liebesbrief, den offenbar ein russischer Soldat in einem Haus zurückgelassen hat. Laut Reuters belegt das Schriftstück, neben anderen Dokumenten, die Beteiligung der 76. Garde-Luftsturmdevision aus Pskow im Nordwesten Russlands. Die Fallschirmjägertruppe untersteht Verteidigungsminister Sergej Shoigu und nahm bereits 2014 an Kampfeinsätzen in der Ostukraine teil.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Gerhard Schröder / +++ Nur für die Story von Matthias Koch verwenden +++

„Gerd braucht Hilfe“

Gerhard Schröder ist isoliert wie nie. Weggefährten und alte Freunde des früheren Kanzlers sind mittlerweile verzweifelt und sorgen sich zunehmend: „Man spürt ganz genau: Man erreicht ihn nicht mehr.“

Anhand verschiedener Quellen und Zeugenaussagen fand das Reuters-Team zudem heraus, dass auch mindestens drei tschetschenische Einheiten mit Verbindungen zu dem tschetschenischen Staatschef Ramsan Kadyrow an den Massakern beteiligt waren. Kadyrow gilt als besonders brutal und hatte die Beteiligung seiner Kämpfer auf seinem Telegram-Kanal verkündet. Seinen Einheiten werden zahlreiche Menschenrechts­verletzungen vorgeworfen.

Ein ukrainischer Augenzeuge, der sich mit seiner Tochter in einem Kellerraum vor den russischen Truppen über ihnen versteckt hielt, berichtetet gegenüber Reuters von Schreien und von Geräuschen von Schlägen und brechenden Knochen.

Mehr als 400 Leichen gefunden

Insgesamt wurden in Butscha mehr als 400 Leichen gefunden, teilweise mit auf den Rücken gebundenen Händen. Die Ukraine spricht von einem Massaker an Zivilistinnen und Zivilisten und wirft Russland Kriegsverbrechen vor. Kremlchef Wladimir Putin hatte hingegen unter anderen bei einem Gespräch mit UN-Generalsekretär António Guterres behauptet, die russische Armee habe damit nichts zu tun. Putin ehrte nach dem Abzug Soldaten, die in Butscha im Einsatz waren.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Menschenrechts­organisation Amnesty International stellte am Freitag einen Bericht über russische Kriegsverbrechen nahe der ukrainischen Hauptstadt Kiew vor. Amnesty dokumentierte mehr als 40 durch Luftangriffe getötete Zivilisten in Borodjanka und 22 Fälle von gesetzeswidrigen Tötungen in und bei Butscha.

Russland hat die Ukraine vor knapp zweieinhalb Monaten angegriffen. Gebiete nördlich und nordwestlich von Kiew waren knapp einen Monat lang russisch besetzt. Ukrainischen Angaben nach sind im Gebiet Kiew mehr als 1200 Zivilistinnen und Zivilisten getötet worden, davon etwa ein Drittel allein in Butscha.

RND/ar/dpa/epd

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen