US-Außenminister in 1970ern

Kissinger zum Krieg in der Ukraine: Friedensvertrag mit Russland nötig

01.08.19: Früherer US-Außenminister Henry Kissinger. Kissinger hat Verständnis für die Schwierigkeiten Deutschlands geäußert, seine Rolle in Europa im Zuge des Ukrainekriegs zu finden.

01.08.19: Früherer US-Außenminister Henry Kissinger. Kissinger hat Verständnis für die Schwierigkeiten Deutschlands geäußert, seine Rolle in Europa im Zuge des Ukrainekriegs zu finden.

London. Der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger hat Verständnis für die Schwierigkeiten Deutschlands geäußert, seine Rolle in Europa im Zuge des Ukrainekriegs zu finden. „Angesichts der Geschichte ist es keine einfache Aufgabe für Deutschland eine Führungsrolle in Europa zu übernehmen, die darauf basiert, die stärkste militärische Macht zu sein“, sagte Kissinger am Montag vor Journalisten in London, denen er per Videokonferenz zugeschaltet war.

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„Ich fühle mit der deutschen Regierung angesichts der Aufgabe, die sie sich gesetzt hat und dass sie nicht in der Lage war, sich mit einem fertigen Plan auf etwas zu stürzen, das sich so von früheren Aufgaben unterscheidet“, sagte der inzwischen 99 Jahre alte US-Staatsmann. Deutschland werde eine sehr wichtige Rolle spielen bei der Schaffung des neuen Europas, das jetzt entstehe, so Kissinger weiter. Das gelte sowohl hinsichtlich der Sicherheit Europas gegenüber der Gefahr weiterer russischer Aggression als auch, was den Wiederaufbau der Ukraine betreffe. „Das wird eine Unterstützung in der Art des Marshall-Plans erfordern“, fügte er hinzu.

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Kissinger für weiteren Dialog mit Russland

In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Stern“ sprach sich der ehemalige US-Außenminister derweil für einen weiteren Dialog mit Russland und Präsident Wladimir Putin aus. „Eines Tages wird der Krieg beendet sein. Und nach diesem Krieg wird die Beziehung zwischen der Ukraine und Russland neu definiert werden. Auch Europa wird seine Beziehung mit Russland neu definieren müssen, denn Russland wird weiterhin ein wichtiger Faktor in den internationalen Beziehungen sein. Sollte Russland als Resultat des Krieges auseinanderbrechen, würde das zu Chaos in Zentralasien und im Mittleren Osten führen“, erklärte er.

Kissinger geht davon aus, dass ein Friedensvertrag mit Russland und dem russischen Präsidenten geschlossen werden müsse: „Sollte er gestürzt werden, würde das die Verhandlungen sicherlich erleichtern. Aber sollten alle Ziele erreicht sein, hätte eine Fortsetzung des Krieges, nur um Putin zu stürzen, sicherlich keine öffentliche Unterstützung, egal, wie unbeliebt Putin gerade ist.“

Forderung nach Widerstand gegen Atom-Drohungen

Gleichzeitig sprach sich der Politik-Experte für Widerstand gegen die russischen Drohungen eines Atomschlags aus. „Es ist eine sehr fragile Lage, wenn Atommächte sich im Konflikt befinden über ein nichtnukleares Land. Was die atomaren Drohungen Russlands angeht – da dürfen wir auf keinen Fall klein beigeben“, sagte Kissinger. Weiter mahnte er, dass ein Friedensvertrag, der unter der Drohung des Einsatzes atomarer Waffen zustande komme, undenkbar wäre. „Das würde die Welt verändern“, sagte er.

Kissinger prägte die Außenpolitik der Vereinigten Staaten von Ende der 1960er-Jahre für beinahe ein Jahrzehnt, zunächst als Nationaler Sicherheitsberater, dann als Außenminister. Er stammt aus einer deutsch-jüdischen Familie und musste 1938 aus Deutschland vor den Nazis fliehen.

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RND/dpa

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