Wird es im Ramadan noch schlimmer?

Elf Tote nach drei Anschlägen: In Israel steigt die Angst

Israelische Polizisten tragen den Sarg in die orthodoxe Verkündigungskirche während der Beerdigung des israelischen Polizisten Amir Khoury.

Israelische Polizisten tragen den Sarg in die orthodoxe Verkündigungskirche während der Beerdigung des israelischen Polizisten Amir Khoury.

Tel Aviv/Ramallah. Israel sei mit einer „mörderischen arabischen Terrorwelle konfrontiert“, sagte Bennett in einer Videobotschaft. Aber seine Regierung werde den Terrorismus „mit eiserner Hand“ bekämpfen. Das Land ist in Alarmstimmung. Wer einen Waffenschein besitze, solle seine Waffe tragen, ermahnte der Premier die Bürger und Bürgerinnen. Die Polizei beantragt 4000 neue Stellen, und Verteidigungsminister Benny Gantz will zum Schutz der Bevölkerung die Polizei mit 1000 Soldatinnen und Soldaten verstärken.

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Die einzelnen Terrorattacken scheinen zwar nicht koordiniert zu sein. Ihnen gemeinsam ist aber, dass sie durch Posts in den palästinensischen sozialen Medien initiiert sein könnten, in denen Terrorangriffe propagiert werden.

Anschläge des Islamischen Staats sorgen für Angst und Schrecken in Israel

Weil für zwei Attentate der Islamische Staat die Verantwortung übernommen hat, wurden die Sicherheitskräfte angewiesen, diejenigen mit Verbindungen zum Islamischen Staat aufzuspüren. Der dritte Anschlag wurde von einem palästinensischen Arbeiter aus der Westbank ausgeführt, der illegal auf einer Baustelle in der Tel Aviver Vorstadt Bnei Brak beschäftigt worden war.

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Blutige Gewalttaten: Israel erlebt schlimmste Anschlagswelle seit Jahren

Angesichts einer blutigen Terrorwelle in Israel sollen die Sicherheitsmaßnahmen im Land massiv verstärkt werden.

Die Anschlagserie setzte sich am Donnerstag fort. Ein Palästinenser stach mit einem Schraubenzieher auf einen Israeli ein. Nicht nur die Bevölkerung ist über die Anschlagserie beunruhigt, sondern auch die Koalitionsregierung. Sollte es weiterhin zu Terroranschlägen kommen, könnte das zum Kollaps des seit zehn Monaten bestehenden Regierungsbündnisses führen, sagen politische Beobachter.

Die persönliche Sicherheit gehört zu den zentralen Themen in der israelischen Politik. Die Koalition verfügt nur über eine knappe Mehrheit im Parlament. In der bunt zusammengesetzten Koalition sind rechte, linke und eine Zentrumspartei vertreten, zudem eine islamistische Partei. Bennett wird daran gemessen werden, ob er die unterschiedlichen Ideologien in seiner Regierung auf eine gemeinsame Linie einschwören kann. In Jerusalem wird derzeit erwogen, während des bevorstehenden Ramadan die besetzten Gebiete abzuriegeln.

Werden die besetzten Gebiete während des Ramadan abgeriegelt?

Davon wären 140.000 Palästinenserinnen und Palästinenser in den besetzten Gebieten betroffen, die einen Job in Israel haben und deren Löhne im Durchschnitt dreimal höher sind als in der Westbank. Ihre Einkünfte sind für die palästinensische Wirtschaft von größter Bedeutung und unterstützen eine halbe Million Familien.

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Mahmoud Abbas, der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, hat deshalb ein starkes Interesse, dass es nicht zu weiteren Anschlägen kommt, weil er damit rechnen muss, dass Israel die Abriegelungen der Westbank beschließt. Aber Israel befürchtet eine weitere Eskalation der Lage vor Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan am Wochenende.

Die meisten Moslems nehmen den Fastenmonat Ramadan, der dieses Jahr am Samstag beginnt, zwar ernst. Sie verzichten von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Speisen und Getränke, greifen nicht zur Zigarette und haben keinen Sex. Aber der Ramadan ist nicht nur eine Zeit der Einkehr, sondern ebenso ein Monat des Dschihad. Wer während des Fastenmonats Ungläubige umbringt, dem öffne Allah die Tore und offeriere ihm seine Barmherzigkeit, predigen fanatische Anführer.

Die Tore von Jannah (Paradies) würden den „Märtyrern“ geöffnet „und die Tore der Hölle werden geschlossen.“ Die Teufel seien in Ketten gelegt. Es sei ein „edler Monat, in dem sich die guten Taten vervielfachen und die niederen Begierden gebändigt werden“. Das „Versprechen“ an Selbstmordattentäter, dass sich der Dschihad während des Ramadan besonders lohne, geht auf den Propheten Mohammed zurück.

Im Jahr 624 errang er im Fastenmonat mit der Schlacht von Badr einen strategisch wichtigen Sieg über den mächtigsten Stamm von Mekka, seiner Heimatstadt. Seither ist der heilige Monat Ramadan für viele Moslems eine Zeit des Kriegs und des Terrors. So griff Ägypten im Oktober 1973 Israel im Fastenmonat an, und der Iran attackierte 1982 den Irak ebenfalls im Ramadan.

Während des Ramadan droht Mord und Totschlag

Im Mai 2016 riefen die Terroristen des Islamischen Staates einen „Monat des Unglücks“ für alle Ungläubigen aus, was zu Morden im Jemen, in Paris oder Bagdad führte. Zwei Jahre zuvor hatte IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi gepredigt, es gebe während des Ramadan „keine größere Tat als den heiligen Krieg.“

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Während des Ramadan droht Mord und Totschlag. Laut einem niederländischen Projekt, das Daten aus verschiedenen Onlineregierungsseiten und Datenbanken sammelt, kam es allein in Israel während des Ramadan von 2005 und 2016 zu einem Anstieg der Terroranschläge um 200 Prozent. Im vergangenen Jahr hatten im Ramadan Spannungen zwischen israelischen Streitkräften und Palästinensern an der Aksa-Moschee in Jerusalem zu einem elftägigen Krieg des israelischen Militärs mit der radikalislamischen Hamas geführt.

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