Kommentar

Holodomor-Resolution stärkt der Ukraine moralisch den Rücken

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (Mitte) besichtigt beschädigte Gebäude. Die Infrastruktur in der Ukraine ist durch die russischen Angriffe stark beschädigt – auch die Stromversorgung ist nicht mehr überall sichergestellt

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (Mitte) besichtigt beschädigte Gebäude. Die Infrastruktur in der Ukraine ist durch die russischen Angriffe stark beschädigt – auch die Stromversorgung ist nicht mehr überall sichergestellt

Berlin. Anfang der 1930er-Jahren setzte Sowjetdiktator Josef Stalin zum großen Abschluss der Zwangskollektivierung in der ukrainischen Landwirtschaft an. Bauern, die nicht bereit waren, Acker und Vieh in die Kolchose einzubringen, wurden inhaftiert oder umgebracht.

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Doch es ging nicht nur um die Kollektivwirtschaft, sondern auch um das Überleben des Systems. Um ehrgeizige Moskauer Wirtschaftspläne zu erfüllen, wurde die ukrainische Sowjetrepublik gezwungen, mehr Getreide abzuliefern, als sie überhaupt anbaute.

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Im Winter und Frühjahr 1932 setzte durch die brutale Beschlagnahme von Getreide, Nutztieren und Lebensmitteln eine Hungersnot mit Massensterben ein, dem schließlich bis Ende 1933 etwa vier Millionen Ukrainer zum Opfer fielen.

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Der Holodomor, wie der „Mord durch Hunger“ auf ukrainisch genannt wird, hinterließ eine schwer traumatisierte Gesellschaft, die nicht mehr in der Lage war, dem stalinistischen Regime offen Widerstand zu leisten. Alljährlich am letzten Samstag im November gedenkt die Ukraine der Opfer.

Die Hungersnot traf damals auch andere Teile der Sowjetunion, wie den Nordkaukasus, die Wolgaregion und Kasachstan. Aber nur in der Ukraine zielte sie darauf ab, ein Volk brutal zu unterwerfen und für den Kommunismus gefügig zu machen.

Jetzt, 90 Jahre später, will der deutsche Bundestag am Mittwoch eine Resolution verabschieden, die den Holodomor als Völkermord anerkennt. Deutschland ist damit keineswegs Vorreiter, sondern folgt Ländern, wie Ungarn, Polen und den USA, die das schon vor Jahren getan haben.

Die Benennung des Holodomor als Genozid hilft der Ukraine nicht direkt in ihrem heutigen Kampf um Souveränität. Aber sie ist ein starkes politisches Signal, dass begangenes Unrecht irgendwann doch gebrandmarkt wird. Und sie stärkt den Ukrainern moralisch den Rücken.

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