Deutschlands Warninfrastruktur

Wie bei Katastrophen warnen? Grüne wollen Sirenenalarm auch ohne Stromnetz

Eine Alarmsirene steht auf einem Hausdach.

Eine Alarmsirene steht auf einem Hausdach.

Berlin. Bei künftigen Katastrophen soll die Bevölkerung rechtzeitig, verlässlich und verständlich gewarnt werden - doch dafür muss nach Einschätzung von Politikern der Grünen noch viel passieren. „Es bedarf umfangreicher Finanzmittel zur Resilienzsteigerung, um die lange vernachlässigte Warninfrastruktur auf einen zukunftsfähigen Stand zu bringen“, heißt es in einem Zehn-Punkte-Plan, den der Bundestagsabgeordnete Leon Eckert und die Vorsitzende der bayerischen Grünen-Landtagsfraktion, Katharina Schulze, erarbeitet haben.

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Einige der Kernforderungen des Plans, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, decken sich mit bereits veröffentlichten Plänen von Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD). Dazu gehört etwa die Einführung eines bundesweiten „Bevölkerungsschutztages“.

Grüne unzufrieden mit Kleinstaaterei

Unzufrieden sind die Grünen-Politiker dagegen mit dem Wirrwarr und der Kleinstaaterei, die in puncto Warnsignale herrscht. „Der 2019 von der Innenministerkonferenz gefasste Beschluss für einheitliche Sirenensignale im Ernstfall war ein Minimalkonsens und wurde bisher nicht vollumfänglich umgesetzt.“

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Sie fordern: Mittelfristig solle die mancherorts übliche Nutzung der Sirenen für die Alarmierung der Feuerwehr wegfallen. Die Sirenensignale für Warnung, Entwarnung und Tests sowie das Datum von Tests sollten deutschlandweit vereinheitlicht werden. „Beim Sirenentest im Mai 2022 in Bayern hat man deutlich gemerkt, dass es Investitionen in die Sireneninfrastruktur braucht“, sagte Schulze.

Viele Sirenen und Warnmittel auf Strom angewiesen

Eine weitere Schwachstelle ist aus Sicht von Eckert und Schulze, dass viele Sirenen, aber auch andere Warnmittel, auf Strom angewiesen sind. Der kann jedoch während einer Naturkatastrophe oder auch als Folge eines Hackerangriffs ausfallen. Warnmittel sollten deshalb so konzipiert werden, dass sie energieeffizient sind und auch bei geringer Verfügbarkeit von Strom oder bei einem vollständigen Ausfall funktionsfähig bleiben. „Wir müssen in Deutschland auch einen Blackout mitdenken und bei allen relevanten Warnmitteln die Akkupufferung verstärken“, forderte Eckert.

Das 2021 aufgelegte Programm des Bundes zur Ertüchtigung des Sirenennetzes mit 88 Millionen Euro sieht als Mindestanforderung vor, dass eine Sirene einen Akku haben muss, der dafür sorgt, dass sie nach einem Stromausfall noch jeweils vier Warnungen und Entwarnungen absetzen kann. Mehrere Länder haben kritisiert, dass zwar der Zeitraum für den Abruf der Fördermittel aus diesem Programm verlängert, bisher aber keine neuen Mittel im Bundeshaushalt 2023 vorgesehen sind. „Viele Kommunen sind bislang leer ausgegangen, würden aber gerne Sirenen installieren“, sagte Eckert der dpa. Er schlug eine hälftige Kostenteilung zwischen Bund und Ländern vor.

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Länder für den Katastrophenschutz zuständig

Für den Katastrophenschutz sind laut Grundgesetz die Länder zuständig. Der Bund trägt die Verantwortung für den Schutz der Bevölkerung im Kriegs- oder Spannungsfall. Einige Fachleute halten diese Trennung für nicht mehr zeitgemäß.

Am 8. Dezember soll es einen bundesweiten Warntag geben, wo die verschiedenen Warnkanäle getestet werden - dazu gehört erstmals auch das Cell-Broadcast-System, bei dem alle Handynutzer, die sich zu einer bestimmten Zeit im Bereich einer Funkzelle aufhalten, eine Mitteilung erhalten, die wie eine SMS aussieht. Anders als bei den Warn-Apps Nina und Katwarn werden damit auch Menschen erreicht, die kein Smartphone verwenden.

Blick auf Flutkatastrophe 2021

Auch mit Blick auf die Probleme bei der Warnung der Bevölkerung während der Flutkatastrophe in Westdeutschland im Sommer 2021 sagte Eckert: „Läuft der Ausbau der Warninfrastruktur in diesem langsamen Tempo weiter, werden wir einen Warntag voller Mängel erleben und in einer echten Katastrophe wieder nicht alle Menschen warnen können.“

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Damit nicht nur technisch jeder erreicht werde, müsse auch über Warnungen in Gebärdensprache und in leicht verständlicher Sprache nachgedacht werden, heißt es in dem Zehn-Punkte-Plan. Für Menschen, die kein Deutsch sprechen, müsse man mehrsprachige Warnbotschaften anbieten. Über das Cell-Broadcast-System werde auf Deutsch und Englisch gewarnt, teilte eine Sprecherin des Bundesinnenministerium auf Anfrage mit. Die Warn-App Nina stelle alle Menü-Elemente sowie wichtige Inhalte von Warnmeldungen in sieben zusätzlichen Sprachen zur Verfügung, darunter Arabisch, Russisch und Türkisch.

RND/dpa

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