Gewalt an Frauen: Wer nichts tut, ist Teil des Problems

Jeden dritten Tag wird eine Frau von ihrem Partner getötet.

Jeden dritten Tag wird eine Frau von ihrem Partner getötet.

Im täglichen Mahlstrom der Nachrichten tauchen Meldungen über häusliche Gewalt kurz auf, um gleich wieder in der Masse anderer Schreckensmeldungen unterzugehen. "Mann schlägt Frau nieder" – jeden Tag ist das in deutschen Polizeiberichten zu lesen. "Ex-Partner tötet Frau" oder "Ehemann ermordet seine Frau" taucht, statistisch gesehen, mindestens jeden dritten Tag in den Protokollen der Behörden auf. Jeden dritten Tag? Wo leben wir denn?

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Häusliche Gewalt und generell Gewalttaten an Frauen sind kein Randthema. Fast 140.000 Opfer sind bekannt, dazu auch 116.000 Tatverdächtige. Die meisten Opfer und Täter besitzen den deutschen Pass, sind zwischen 30 und 39 Jahre alt und sie kennen sich sehr gut. Fast die Hälfte der betroffenen Frauen lebt oder lebte mit dem Täter in einem Haushalt.

Wenn Experten davon ausgehen, dass in Deutschland nur 20 Prozent der Opfer ihre Peiniger überhaupt anzeigen, wird die erschreckende Dimension von Gewalt gegen Frauen deutlich. Angesichts solcher Zahlen sollte niemand behaupten, dies sei letztlich das private Problem von zwei Menschen. Nein, es stellt sich hingegen die Frage, ob wir an dieser Stelle vielleicht ein gesellschaftliches Problem haben.

Mit gutem Willen allein wird sich nichts verändern

Auf jeden Fall gibt es strukturelle Schwierigkeiten, wenn Frauen Schutz vor Beschimpfungen, Schlägen, Vergewaltigungen oder Nötigungen suchen. 6000 Plätze in bundesdeutschen Frauenhäusern reichen nicht, um alle, die Sicherheit vor Männern suchen, zu betreuen. Wie gut die Angebote sind, hängt heute letztlich davon ab, ob lokal Engagierte nicht lockerlassen oder welche Prioritäten Haushälter setzen. Das muss einfach anders laufen.

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Seit diesem Jahr sprechen Bund, Länder und Kommunen am Runden Tisch nun endlich darüber, was zu tun ist – erstmals übrigens seit Öffnung des ersten Frauenhauses in Deutschland vor nunmehr 40 Jahren. Aber besser spät als nie. Denn letztlich wird sich nichts mit gutem Willen allein verändern. Um gute Schutzstandards zu gewährleisten, muss auch Geld in die Hand genommen werden. Erst, wenn Frauen wirklich sicher sein können, dass sie Schutz finden, werden in Zukunft mehr bereit sein, aus ihrer privaten Hölle auszubrechen und die häuslichen Verbrecher anzuzeigen.

Es ist jedoch wohlfeil, sich zurückzulehnen und Politikern bei dieser Arbeit zuzuschauen. Gewalt, ob zu Hause oder auf der Straße, ist selten ohne Zeugen. Sicher, es ist nicht einfach einzugreifen, wenn sich in der Wohnung nebenan das Ehepaar wieder einmal anschreit oder die Kollegin Mühe hat, blaue Flecken zu verdecken. Aber es ist notwendig zu reagieren. Jeder ist in der Lage, Fragen zu stellen oder im Zweifel die Polizei zu rufen. Wer nichts tut, ist Teil des Problems.

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Von Thoralf Cleven / RND

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