Gesundheitsexperte: Intensivpflege seit 20 Jahren auf Verschleiß

In einem Zimmer einer Intensivstation wird ein Patient mit einem schweren Covid-19 Krankheitsverlauf behandelt.

In einem Zimmer einer Intensivstation wird ein Patient mit einem schweren Covid-19 Krankheitsverlauf behandelt.

Köln, Bremen. Der Gesundheitsexperte Heinz Rothgang bemängelt eine zu wenig zielgerichtete Politik für mehr Krankenhauspersonal in der Corona-Pandemie. Die Politik habe zwar in dieser Legislaturperiode für die Pflege sehr viel mehr getan, als in den Zeiten zuvor, sagte der Gesundheitswissenschaftler der Universität Bremen am Montag im WDR-Morgenecho. Es sei „aber trotzdem zu wenig, und nicht zielgenau genug“.

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Das, was an Maßnahmen angestoßen werde, werde nicht gut kommuniziert und auch nicht gut umgesetzt. „Die Pflege wird seit 20 Jahren auf Verschleiß gefahren“, kritisierte Rothgang. „Das erleben die Pflegekräfte im täglichen Alltag.“

Pflegekräfte würden beispielsweise an ihrem freien Wochenende gerufen, weil zu wenig Personal da sei, berichtete der Gesundheitsexperte. In der Corona-Zeit müsse auf Intensivstationen oft tage- und nächtelang durchgearbeitet werden. „Das ist das, was man erlebt, und nicht das, was im Bundesgesetzblatt steht und dann vielleicht für die Zukunft wirkt.“ Ein öffentlicher Applaus für Pflegepersonal reiche nicht aus. Wenn nach der Pandemie festgestellt werde, dass Ressourcen knapp seien, „wird die Pflege der erste Bereich sein, wofür kein Geld da ist“.

Keine kurzfristigen Lösungen bei Personal

Für die angespannte Personalsituation auf Intensivstationen sieht Rothgang keine kurzfristigen Lösungen. „Intensivpflegekräfte werden gründlich ausgebildet, das dauert eine ganze Weile“, erklärte er. Daher müsse man zunächst mit dem Personal auskommen, das verfügbar sei. Wenn es knapp werde, dann würden auch andere Pflegekräfte in der Intensivstation eingesetzt.

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Das sei aber nur eine Notlösung. Das einzige, was aktuell für die Intensivbereiche getan werden könne, sei, die Infektionslast runterzubringen, mahnte Rothgang. „Wir müssen dafür sorgen, dass nicht so viele Menschen mit Corona auf die Intensivstation müssen. Das ist das einzige, was wir für die Pflegekräfte tun können.“

RND/epd

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