Menschenhandel und Zwangsprostitution

Geflüchtete Ukrainerinnen in Gefahr? Europol warnt vor Ausbeutung durch Kriminelle

Am Berliner Hauptbahnhof kommen Kriegsflüchtlinge aus er Ukraine an. Es handelt sich fast ausschließlich um Frauen, die leichte Beute für Kriminelle sind.

Berlin/Den Haag. Flüchtlinge aus der Ukraine stehen Europol zufolge europaweit besonders im Visier von Verbrecherbanden. Ihre Notlage werde von Menschenhändlern ausgenutzt, warnte die europäische Polizeibehörde am Dienstag in Den Haag. Die Banden sähen gerade Frauen und Kinder als ideale Opfer - um sie als Arbeitskräfte oder sexuell auszubeuten oder auch zum Betteln zu zwingen. Kinder könnten auch Opfer von illegalen Adoptionen werden.

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Besonders gefährdet sind nach Angaben von Europol allein reisende Minderjährige. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen flüchteten bereits etwa eine Million Kinder aus dem Kriegsgebiet, darunter viele ohne Begleitung der Eltern. Europol mahnte zu besonderer Wachsamkeit an Grenzen, in Aufnahmezentren, Massenunterkünften sowie an Bahnhöfen. Dort hielten Verbrecher gezielt nach Opfern Ausschau.

Zahlreiche Menschenhändler-Banden in Osteuropa

Die Behörde warnte insbesondere davor, dass sich Verbrecher als hilfsbereite Bürger ausgäben und vermeintlich gratis Unterkünfte oder Transport anbieten beziehungsweise Arbeitsplätze in Aussicht stellen. Kriminelle suchten auch Kontakt über Plattformen für Flüchtlinge in den sozialen Medien. Osteuropa ist Europol zufolge seit Jahren eine Schlüsselregion für Menschenhändler. Viele Banden hätten ihre Wurzeln in Nachbarländern der Ukraine.

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Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) empfahl die Einrichtung von Schutzzonen in Bahnhöfen. Dort gingen Kriminelle gezielt auf junge Frauen und Kinder zu, bevor die Polizei auch nur in Kontakt mit ihnen komme, sagte der GdP-Vorsitzende für die Bundespolizei, Andreas Roßkopf, der „Rheinischen Post“ am Dienstag.

Fachberatungsstelle: Frauen müssen auf Pass und Handy aufpassen

Auch die Fachberatungsstelle „Jadwiga“, die Opfern von Menschenhandel und Zwangsprostitution hilft, zeigte sich angesichts der aktuellen Situation besorgt. Anders als während der Flüchtlingskrise 2015 kämen derzeit vorwiegend Frauen mit Kindern in Deutschland an. Um sie vor einer möglichen Ausbeutung zu warnen, verteile man an Bahnhöfen, in Beratungsstellen und in Unterkünften einen Flyer auf Ukrainisch, Englisch und Deutsch, sagte Jadwiga-Leiterin Monika Cissek-Evans dem Evangelischen Pressedienst (epd): „Die Frauen müssen auf ihren Pass und ihr Telefon aufpassen, Namen und Adresse von Gastgebern notieren und auch Frauen nicht blind vertrauen - Menschenhändler sind nicht nur Männer.“

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International mahnte mit Blick auf Polen: Um eine Ausbeutung geflüchteter Frauen und Kinder durch Kriminelle zu verhindern, sei es wichtig, ein „standardisiertes, institutionalisiertes Registrierungssystem zu schaffen, um den Aufenthaltsort, die Verwandtschaftsbeziehungen und den jeweiligen Zielort der Flüchtenden zu kennen, sowie die Identitäten der Menschen, die anbieten, sie zu befördern oder unterzubringen“.

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Viele Geflüchtete werden nicht erfasst

Seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine am 24. Februar hat die Bundespolizei nach Angaben des Bundesinnenministeriums die Ankunft von 232.462 Kriegsflüchtlingen in Deutschland festgestellt. Die Zahl der in Deutschland bezieht sich jedoch nicht auf die Registrierungen in Aufnahmeeinrichtungen oder bei Ausländerbehörden.

Sie beschränkt sich zudem auf Geflüchtete, die von der Bundespolizei angetroffen wurden, etwa an der österreichisch-bayerischen Grenze, an Bahnhöfen oder in Zügen. Im Regelfall gibt es keine festen Grenzkontrollen an den EU-Binnengrenzen, denn Ukrainer dürfen ohne Visum einreisen - die Zahl der Angekommenen ist daher wahrscheinlich deutlich höher. Nicht erfasst wird außerdem, wie viele der Geflüchteten womöglich von Deutschland aus weiter zu Freunden oder Verwandten in anderen Staaten reisen.

Bereits mehr als 3,5 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer geflohen

Um Engpässe bei der Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge zu vermeiden, sollten am Dienstag rund 4000 Menschen mit 77 Bussen an verschiedene Orte in Deutschland gebracht werden. Nach Angaben aus Regierungskreisen waren alleine 21 Fahrten nach Bayern vorgesehen. Eine vom Bund organisierte Fahrt war demnach von Polen nach Hessen geplant. Mehr als die Hälfte der Busfahrten sollten in Berlin starten.

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Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) wies zuletzt darauf hin, dass noch Millionen weitere Menschen vor den Kämpfen flüchten könnten. Die EU-Innenminister wollen am kommenden Montag erneut über die Aufnahme der Kriegsflüchtlinge sprechen.

Nach UN-Angaben flohen bereits mehr als 3,5 Millionen Menschen aus der Ukraine ins Ausland. Polnischen Behördenangaben zufolge brachten sich mehr als 2,14 Millionen Menschen über die Grenze des Landes in Sicherheit. Die Ukraine hatte vor Beginn des russischen Angriffs mehr als 44 Millionen Einwohner.

RND/dpa/epd

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