Gassen kritisiert Corona-Politik: „Regeln nicht alle paar Wochen ändern“

Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Berlin. Der Winter naht – und mit ihm auch die Befürchtung eines erneuten Kontrollverlusts über die Corona-Pandemie. „Es gibt Anlass zur Sorge“, sagte Andreas Gassen, Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, am Dienstag in Berlin. Er ergänzte jedoch: „Wir haben viele Instrumente in der Hand, um gut und sicher durch den Winter zu kommen.“

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Unter anderem: die sogenannten Boosterimpfungen. Entscheidend sei, dass es dafür eine „geordnete Atmosphäre“ gebe, betonte Gassen. Dafür müssten die Rahmenbedingungen stimmen. „Die Politik hilft uns am besten, wenn die Regeln nicht alle paar Wochen geändert werden“, sagte der 59-Jährige. Deshalb forderte er klar kommunizierte Regeln beispielsweise im Umgang mit nicht gebrauchtem Impfstoff, der am Ende des Tages entsorgt werde – und eine Verkürzung der Bestellzeit von derzeit zwei Wochen.

Allerdings plädierte Gassen dafür, „sehr stringent an der Stiko-Empfehlung“ zu bleiben und zunächst alle über 70-Jährigen – vor allem in Alten- und Pflegeheimen – zum dritten Mal zu impfen. Dabei handele es sich um 15 Millionen Menschen. „Boosterimpfungen wahllos für alle zu empfehlen macht keinen Sinn“, mahnte er. Die genannte Gruppe müsse man „geordnet abarbeiten, das bekommen wir auch hin“.

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Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte zuletzt selbst eine Booster­impfung erhalten und die Bevölkerung ebenfalls dazu aufgerufen. Auch eine Wiedereröffnung der Impfzentren brachte er ins Gespräch, um im Winter mehr Auffrischungsimpfungen zu ermöglichen. Widerstand gegen diese Pläne regte sich aber umgehend. In einem Schreiben des Deutschen Städtetages an die Gesundheitsminister der Länder heißt es, ein Impfzentrum sei „keine Taschenlampe“, die je nach Stimmungslage aus- und wieder angeknipst werden könne.

Gassen lehnt Wiedereröffnung der Impfzentren ab

„Auch in der Pandemie braucht es ein Mindestmaß an Kalkulierbarkeit von Entscheidungen“, mahnte der Städtetag. Angesichts dynamisch steigender Infektionszahlen sei es richtig, die Frage von Auffrischungsimpfungen rechtzeitig zu thematisieren – doch bei der Organisation seien zunächst die Kassenärztlichen Vereinigungen gefordert. Diese hätten „stets signalisiert, ein Massenimpfgeschäft im Herbst und Winter ohne die kommunalen Impfzentren leisten zu können“.

Gassen hält von der Wiedereröffnung der Impfzentren nichts. „Das Dezentrale der Praxen ist das bessere Setting, um diese Impfungen durchzuführen“, sagte er. Als viel wichtiger erachtet Gassen ein gezieltes Einladungssystem. „Viele Leute wissen gar nicht, dass sie geboostert werden können.“

Ob eine Boosterimpfung auch für unter 60-Jährige zwar nicht zum individuellen Schutz, aber mit Blick auf die Weitergabe des Virus in der Bevölkerung sinnvoll sei, werde aktuell geprüft, sagte Stiko-Chef Thomas Mertens. Doch er erinnerte an die Gruppe der 18- bis 59-Jährigen, aus der sich 30 Prozent noch überhaupt nicht haben impfen lassen.

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NRW-Regierungschefs Hendrik Wüst (CDU), derzeitiger Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz, sprach sich derweil für eine rasche Bund-Länder-Runde aus, um über das weitere Vorgehen zu beraten. „Der starke Anstieg der Infektionen erfordert konzentrierte Wachsamkeit und entschlossenes Handeln aller bei der Impfstrategie“, sagte Wüst der Deutschen Presse-Agentur. „Die Pandemie der Ungeimpften kann schnell zu mehr und mehr Impfdurchbrüchen führen.“

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