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Kommentar

G7-Treffen: Die idyllische Kulisse trügt

Die Außenminister der G7-Staaten bei ihrem Treffen in Weissenhaus/Schleswig-Holstein nach ihrem Gruppenfoto. In der Mitte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock im Gespräch mit ihrem ukrainischen Amtskollegen Dmytro Kuleba (3.v.l). Neben Kuleba der Franzose Jean-Yves Le Drian, dahinter als Gast Nicu Popescu aus Moldau. Rechts neben Baerbock Luigi Di Maio aus Italien, Elizabeth Truss aus Großbritannien und Hayashi Yoshimasa aus Japan. An dem Treffen nahm auch die kanadische Außenministerin Mélanie Joly teil. Der an Corona erkrankte US-Minister Antony Blinken wurde von der Diplomatin Victoria Nuland vertreten.

Berlin.Wie gut könnten alle gerade eine Auszeit brauchen: Keine Panzer mehr, keine Raketen, keine tägliche Angst der Ukrainerinnen und Ukrainer ums eigene Überleben und um das von Familie und Freunde. Und hier bei uns keine Furcht davor, dass der Konflikt sich ausweiten könnte, dass der russische Präsident aus Versehen oder in blinder Wut auch noch den Rest Europas überzieht mit Tod, Gewalt und Trauma. Der Badeort Weissenhaus an der Ostsee, an den sich die G7-Außenminister zu ihrem Treffen zurückgezogen haben, wirkt wie ein Sinnbild für diese Sehnsucht. Meer statt Krieg, die Wahl fiele wohl niemandem schwer.

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+++ Alle Entwicklungen zum Krieg gegen die Ukraine im Liveblog +++

Aber in einer Lage, in der sich eine Atommacht wie eine Wahnsinnige gebärdet, die also jederzeit entgleiten kann, ist die Hochspannung mitgereist. Wenn der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba beim Treffen mit seinen Kollegen sichtbar häufig zur Zigarette greift, ist das kein Zeichen von Ferienstimmung. Gerade erst hat Kuleba die Verbündeten aufgefordert, Kampfflugzeuge zu liefern.

G7-Außenministertreffen in Weissenhaus: Das müssen Sie wissen

Die Welt schaut zwei Tage lang auf das Schlossgut Weissenhaus an der Ostsee: Die Außenministerinnen und ‑minister der sieben größten Wirtschaftsnationen (G7) treffen sich hier in Ostholstein zu Beratungen. Das sind die Teilnehmenden und die Topthemen.

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Die Antwort zu formulieren, ist eine Herausforderung für die G7 wie für die Nato: Bisher galt die Einschätzung, dass eine Flugzeuglieferung zu nah am Kriegseintritt der Nato wäre, der zu Recht unbedingt vermieden werden soll. Sollten die Flugzeuge nicht allein von Ukrainern bedienbar sein, wäre dies mit Sicherheit der Fall. Eine Entscheidung dazu wird an der Ostsee nicht fallen. Es gilt, genau auf die Worte von Außenministerin Annalena Baerbock zu achten, die zwar in der Bundesregierung nicht die Richtlinienkompetenz innehat, aber dennoch sehr entschlossen den Weg vorzugeben scheint.

Alle müssen sich beteiligen

Sie muss sich auch versichern, dass in der G7 weiter alle an einem Strang ziehen. Je länger der Krieg dauert, umso spürbarer werden die wirtschaftlichen Auswirkungen auch in den Ländern, die sich an die Seite der Ukraine gestellt haben. Energieversorgung, steigende Preise, Lebensmittelknappheit sind nur Stichworte. Das kann die Bereitschaft schmälern, sich zu beteiligen. Sanktionen aber sind nur dann ein Druckmittel, wenn nicht ein Land nach dem anderen sich davon verabschiedet.

Baerbock: Es geht nicht nur um Getreide, sondern auch um Energieversorgung weltweit

Vor dem G7-Treffen in Weißensee schwört die Außenministerin Annalena Baerbock ihre Kolleginnen und Kollegen auf gemeinsame Lösungen ein.

Sowieso muss über die Konsequenzen des Kriegs gesprochen werden, mehr als dringend. Viele Millionen Tonnen von Getreide – insbesondere Weizen, Mais und Gerste – könnten in diesem Jahr weltweit fehlen, weil in der Ukraine nicht gesät und geerntet werden kann, weil Felder durch Minen und Geschossteile unbrauchbar geworden sind und vor allem weil Häfen angegriffen werden. Der Transport per Zug und Bahn ist weit weniger effektiv. Der Hunger auf der Welt, ohnehin schon kein geringes Problem, droht sich also auszuweiten. Nicht Deutschland steht da im Fokus, sondern Länder wie Ägypten und Bangladesh mit ihren großen Importquoten. Auch der Nachschub fürs Welternährungsprogramm der Uno ist in Gefahr.

Hungersnöte können Länder destabilisieren – die Staaten, die sich als führende Industriestaaten bezeichnen, müssen mit ihrer geballten Finanzkraft dagegen angehen. Und es würde absolut nichts schaden, sich Mechanismen gegen Nahrungsmittelspekulation zu überlegen, ganz unabhängig vom Krieg in der Ukraine.

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Özdemir sagt Ukraine Agrar-Unterstützung zu

„Ich hoffe, dass hier ein starkes Signal der G7 ausgeht – Solidarität mit der Ukraine. Jetzt, aber auch dann, wenn der Krieg beendet ist“, so Özdemir.

Eine weitere große Gefahr darf über den Krieg nicht vergessen werden: Der Klimawandel wartet nicht, bis Wladimir Putin seine Aggressionen nicht mehr an anderen Leuten und Ländern auslässt. Er lässt sich auch nicht wegverhandeln, sondern nur aufhalten, mit sehr entschiedenen Schritten. Gerade eben erst hat die Weltorganisation für Meteorologie vor neuen Hitzerekorden gewarnt. Es ist brenzlig, im wahrsten Sinne des Wortes. Sich mit Verweis auf den Krieg vor dem Klimaschutz zu drücken, ist keine Option.

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