Putins Propaganda

Faktencheck widerlegt Russlands Aussagen zu Leichen in Butscha

Ein ukrainischer Soldat steht neben zerstörten russischen Panzer in Butscha am Stadtrand von Kiew.

Ein ukrainischer Soldat steht neben zerstörten russischen Panzer in Butscha am Stadtrand von Kiew.

Berlin/Kiew. Die Gräueltaten in der ukrainischen Kleinstadt Butscha haben weltweit für Kritik an Russland gesorgt. Die russische Regierung hält dagegen: Die Bilder seien eine „Inszenierung“ und „Provokation“ der Ukraine. Zeitlich könne Russland gar nicht für die Taten verantwortlich sein.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Behauptung: Der Zustand der Leichen beweise, dass die Toten erst in Butscha lagen, nachdem russische Soldaten die Stadt schon verlassen hatten.

Bewertung: Falsch.

+++ Lesen Sie alle aktuellen Entwicklungen im Liveblog +++

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Fakten: Russlands Verteidigungsministerium stellt verschiedene Behauptungen über die Bilder und die zeitlichen Abläufe in Butscha auf. So heißt es, dass auf den Aufnahmen Leichenflecken fehlen würden und keine Leichenstarre erkennbar sei. Das hätte demnach aber der Fall sein müssen bei einer russischen Täterschaft, denn zwischen dem russischen Abzug und dem Auffinden seien mindestens vier Tage vergangen.

Nach Massaker in Butscha: Behörden rechnen mit mehr Opfern in anderen ukrainischen Städten

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will eine lückenlose Aufklärung der Verbrechen gegen Zivilisten in Butscha und anderen ukrainischen Städten.

Doch erste Aufnahmen aus der Jablunska-Straße in Butscha kursierten in den sozialen Netzwerken schon am 1. April. Russland behauptet, die Stadt am 30. März verlassen zu haben. Es gibt aber auch Berichte, wonach es in der Stadt noch am 1. April Kämpfe gegeben hat. So oder so liegen weniger als vier Tage zwischen dem Abzug und den ersten Aufnahmen.

Zudem widerspricht ein Experte den Behauptungen über Leichenflecken und Leichenstarre. Leichenflecken entstehen laut Benjamin Ondruschka, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) an den Körperpartien, die sich zum Zeitpunkt des Todes unten befinden. Liegt also ein Mensch auf dem Rücken, wenn er stirbt, dann bilden sich dort Leichenflecken - und nicht etwa auf dem Gesicht, das man in den Videos häufig erkennen kann.

Ondruschka hat Aufnahmen aus Butscha analysiert. Auch die Behauptung der angeblich fehlenden Leichenstarre entbehrt laut seiner Einschätzung medizinischer Logik: „Leichenstarre sieht man nicht ohne Weiteres, die kann man nur am Leichnam untersuchen.“ Wenn ein Toter nicht bewegt werde, ändere sich auch sehr lange die Lage eines Leichnams nicht. Es sei durchaus möglich, dass eine Leiche unter den örtlichen Witterungsbedingungen nach mindestens zwei Wochen so aussehe.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Mehrere hochauflösende Satellitenbilder des US-Dienstes Maxar zeigen: Viele der Leichen lagen schon mindestens seit dem 18. März an genau jenen Stellen entlang der Straße in Butscha, wo sie später gefunden wurden. Zuerst hatte die „New York Times“ über die Satellitenfotos berichtet.

USA sehen Butscha-Massaker in der Ukraine als Völkermord an

Die USA tragen Beweismaterial zusammen, um Russland und Putin wegen Kriegsverbrechen vor den Internationalen Strafgerichtshof zu bringen.

Es gibt zudem mindestens ein Video, das eine Tötung in Butscha zeigt. Auf einer Drohnenaufnahme ist ein Fahrradfahrer zu sehen, der in eine Straße einbiegt, wo mutmaßlich russische Panzer stehen. Dann wird von dort geschossen. Das Video ist bereits in den ersten Kriegswochen entstanden, wie Vergleiche mit weiteren Aufnahmen aus Butscha zeigen. Die russische Invasion in die Ukraine begann am 24. Februar. Ein weiteres Video von derselben Stelle zeigt Anfang April einen getöteten Radfahrer. Zuerst hatten die „New York Times“ und das Recherchenetzwerk Bellingcat über diesen Fall berichtet.

RND/dpa

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen