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Experte zur Ukraine

Militärexperte über Deutschlands Waffenlieferungen: „Wir bleiben deutlich hinter unseren Möglichkeiten“

Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr in München.

Herr Masala, wie würden Sie den Umfang deutscher Waffenlieferungen an die Ukraine klassifizieren?

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Nimmt man zum Maßstab, was man über Waffenlieferungen an die Ukraine weiß, liegt Deutschland im Mittelfeld. Das ist erst mal nicht schlecht. Wenn man berücksichtigt, dass Deutschland eine der größten Volkswirtschaften der Welt hat, dann bleiben wir aber deutlich hinter unseren Möglichkeiten.

Die ersten 15 Stück im Juli: Deutschland will insgesamt 30 ausgemusterte Flugabwehrkanonenpanzer des Typs „Gepard“ mit 60.000 Schuss an die Ukraine liefern.

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Wer liefert mehr?

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Die USA und Großbritannien liefern deutlich mehr. Das gilt auch für schwere Waffen. Die USA haben zum Beispiel massenweise Feldartillerie geliefert. Das hat damit zu tun, dass beide Länder ausschließlich auf die Ukraine blicken, während in Deutschland die Gefahr einer nuklearen Eskalation betont wird. Amerikaner und Briten negieren sie nicht. Sie warten aber auf die Reaktion aus Moskau, um dann im Zweifel zu reagieren. Wir lassen uns von vornherein abhalten. Man will in Deutschland auch offenbar keine Bilder, bei denen mit deutschen Kampfpanzern wie dem Leopard 1 oder dem Leopard 2 russische Einheiten erfolgreich beschossen oder diese von russischer Seite erbeutet werden. Beides wäre aus historischen Gründen ein propagandistischer Erfolg für Russland.

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Ist unsere Zurückhaltung kriegsentscheidend?

Was Deutschland liefert, ist nicht kriegsentscheidend. Entscheidend ist, was alle gemeinsam liefern. Da überschätzen die Kritiker den deutschen Einfluss. Wir liefern bisher sieben Panzerhaubitzen, die Niederlande fünf. Das ist okay. Aber die USA liefern ungleich mehr. Wenn Deutschland also zwölf Haubitzen liefern würde, dann wäre auch das nicht maßgeblich.

Man hat sich im Westen über die Kriegsziele noch gar nicht richtig verständigt.

Carlo Masala

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Resultieren die Unterschiede nicht auch aus den Kriegszielen?

Man hat sich im Westen über die Kriegsziele noch gar nicht richtig verständigt. In Deutschland sagt der Kanzler: Die Ukraine darf nicht verlieren. Das ist etwas anderes als, dass alle Russen aus der Ukraine raus müssen, wie es in Großbritannien heißt, oder dass Russland nie wieder so einen Krieg führen können soll, wie man aus den USA hört. Wir haben darüber keinen Konsens.

Wie bewerten Sie das Informationschaos in Deutschland?

Wir haben in diesem Bereich keine strategische Kommunikation. Das ist teilweise eine unglaubliche Kakophonie. Die Amerikaner geben immer an, was sie liefern. Die Franzosen haben anfangs geliefert, ohne darüber zu reden. Wir finden nicht einmal einen Mittelweg. Selbst ich habe mittlerweile den Überblick verloren. Ein Kollege von Ihnen hat mal mit Recht geschrieben: „Dafür, dass wir einiges machen, sehen wir öffentlich saublöd aus.“

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