Ex-Papst düpiert Franziskus: Benedikt pocht auf Zölibat

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. und das aktuelle Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche Papst Franziskus.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. und das aktuelle Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche Papst Franziskus.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. ist vehement gegen eine Lockerung des priesterlichen Eheverbots eingetreten und damit einem in der Zölibatsdebatte erwarteten Machtwort von Nachfolger Franziskus zuvorgekommen. Die Ehe erfordere, dass sich ein Mann völlig seiner Familie hingebe, schreibt Benedikt in einem gemeinsam mit dem erzkonservativen Kardinal Robert Sarah verfassten Buch, aus dem die französische Zeitung "Le Figaro" am Sonntag Ausschnitte veröffentlichte.

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"Da wiederum der Dienst für den Herrn die völlige Hingabe eines Mannes erfordert, scheint es nicht möglich, diese zwei Berufungen gleichzeitig fortzuführen." Daher sei die Fähigkeit der Absage an die Ehe ein Kriterium für den Priesterdienst.

Wegen Personalkrise: Papst Franziskus will Eheverbot für Priester lockern

Benedikts Appell werteten Beobachter als ungewöhnlich, zumal er nach seinem spektakulären Rücktritt 2013 Unterordnung unter Franziskus zusagte. Überhaupt kommt das Buch von Benedikt und Sarah zu einem heiklen Zeitpunkt: Franziskus will bald ein Dokument zur Frage vorlegen, ob das Priesteramt für verheiratete Männer geöffnet werden soll.

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Damit will der Papst auf das Ergebnis einer Bischofssynode zum Amazonasgebiet in Rom im Oktober 2019 reagieren. Eine Mehrheit der Teilnehmer sprach sich damals für die Priesterweihe verheirateter Männer aus, um dem Mangel an Geistlichen abzuhelfen. Inzwischen hat sich die Personalkrise im Amazonasgebiet derart verschärft, dass Gläubige monatelang keine Messe feiern können.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. (rechts) mit seinem Nachfolger Papst Franziskus.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. (rechts) mit seinem Nachfolger Papst Franziskus.

Franziskus hat Mitgefühl mit den Gläubigen in der Region geäußert. Zwar gilt er seit langem als Verfechter des Zölibats, betont aber zugleich, dass es sich um eine Tradition handele, keine Doktrin. Daher könne sie sich ändern. Zudem hat der Papst erklärt, dass es pastorale Gründe geben könne, die an einem bestimmten Ort Ausnahmen zulassen könnten.

Benedikt XVI.: Ex-Papst hält an Zölibat fest

Sein Vorgänger Benedikt lässt indes in dem neuen Buch keine Zweifel daran, dass er die Zölibatsfrage für unverhandelbar hält. In einem gemeinsam mit Sarah verfassten Schlussteil des Werks warnt er die Bischöfe, Priester und Laien davor, sich von "irregeleiteten Einwänden, theatralischem Gehabe, diabolischen Lügen und im Trend liegenden Fehlern" einschüchtern zu lassen, deren Ziel es sei, das "priesterliche Zölibat niederzumachen".

Zugleich sehen der deutsche Ex-Papst und der aus Guinea stammende Sarah das Priesteramt in einer Krise. Es sei "durch die Enthüllung so vieler Skandale verwundet". Geistliche selbst seien "durch das anhaltende Infragestellen ihres geheiligten Zölibats" verwirrt.

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Einflussnahme auf Papst wäre folgenreich

Zu kirchenpolitischen Debatten hat Benedikt weitgehend geschwiegen. Eine Ausnahme bildete ein umstrittener Aufsatz im vergangenen Jahr, in dem er den massiven sexuellen Missbrauch durch katholische Geistliche auf die sexuelle Revolution der 60er Jahre zurückführte. Dass sich Benedikt nun in die heikle Zölibatsdebatte einschaltet, könnte als öffentlicher Versuch der Einflussnahme auf Franziskus verstanden werden.

Ein solcher Vorgang wäre aus Expertensicht folgenreich - und dürfte neue Sorgen um die Machbarkeit eines beispiellosen Modells befeuern: ein emeritierter und ein amtierender Papst, die Seite an Seite in den Vatikanischen Gärten leben.

RND/cle/AP

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