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„Gefahr einer Niederlage“ nehme zu

Ex-Geheimdienstoffizier kritisiert Moskau scharf: Kreml zu zurückhaltend gegenüber der Ukraine

Ein Mann geht an russischen Panzern vorbei, die bei einem Gefecht gegen ukrainische Soldaten in dem Dorf Dmytriwka in der Nähe von Kiew zerstört wurden (Symbolbild).

Die Unzufriedenheit innerhalb Russlands mit der Führung im Kreml scheint zu wachsen. Der ehemalige Offizier des russischen Geheimdienstes FSB, Igor Girkin, äußert scharfe Kritik an Äußerungen des russischen Außenministers Sergej Lawrow an den Zielen des russischen Krieges in der Ukraine.

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Lawrow hatte die Einnahme des Donbass als „bedingungslose Priorität“ bezeichnet. Es gehe darum, die ukrainische Armee und Bataillone aus den von Moskau als unabhängige Staaten anerkannten Gebieten Donezk und Luhansk zu drängen, sagte Lawrow dem russischen Außenamt zufolge in einem Interview mit dem französischen Sender TF1. Lawrow sprach in dem Interview erneut von einer angeblichen „Befreiung“ des Donbass vom „Kiewer Regime“.

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Dem Ex-FSB-Offizier Girkin geht das aber offenbar nicht weit genug. In einer auf dem Messengerdienst Telegram veröffentlichten Nachricht kritisiert er, dass im Kreml nun nicht mehr die Rede von „Entnazifizierung“ oder „Demilitarisierung“ sei. Nicht einmal die Legitimität der „sogenannten Ukraine“ würde in Frage gestellt, echauffiert sich Girkin. Seiner Meinung nach sei die Lage im Donbass bereits klar: Dort könnten Referenden über eine Unabhängigkeit von der Ukraine beziehungsweise einen möglichen Anschluss an Russland durchgeführt werden, die dann vom Kreml anerkannt werden würden oder nicht. Für ihn aber stelle sich die Frage nach dem Rest der Ukraine, in dem derzeit keine Offensiven durchgeführt werden – dies seien immerhin knapp 90 Prozent des Staatsgebiets.

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Girkin: Durch Russlands „Appeasement“ nimmt „Gefahr einer Niederlage“ weiter zu

Die seiner Meinung nach zu zurückhaltenden Aussagen aus dem Kreml bezeichnet Girkin deshalb als „Appeasement“ (Beschwichtigung). Als Appeasement-Politik wird auch die Haltung der britischen Regierung der 1930er-Jahre gegenüber Nazi-Deutschland bezeichnet, sie ist gekennzeichnet durch anhaltendes Nachgeben gegenüber totalitären Systemen. Wegen dieser Haltung des Kremls würde die „Gefahr einer Niederlage in diesem Krieg weiter zunehmen“, schreibt der ehemalige russische Geheimdienstler.

+++ Lesen Sie alle aktuellen News und Entwicklungen zum Krieg in der Ukraine in unserem Liveblog +++

„Girkins Dissens ist sinnbildlich für anhaltende Verschiebungen in Kreisen russischer Militärbegeisterter und ehemaliger Soldaten“, analysiert das US-amerikanische Thinktank Institute for the Study of War (ISW). Der Kreml habe wegen vieler Rückschläge wiederholt seine Zielstellungen im Krieg gegen die Ukraine angepasst, heißt es dort weiter. Dies führe zu einer großen Unzufriedenheit unter nationalistischen und militaristischen Persönlichkeiten, die Wut über die ständigen Anpassungen empfinden würden. Daneben wachse auch der Unmut des Teils der Bevölkerung, der sich ohnehin schon gegen den Krieg positioniert hatte.

Russische Offizielle seien immer weniger in der Lage, angesichts klarer Rückschläge im Krieg die ideologischen Begründungen der russischen Führung für die Invasion der Ukraine anzuwenden, schreibt das ISW. Blieben Erfolge weiterhin aus, werde das die heimische Unzufriedenheit weiter nähren.

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RND/sic/dpa

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