UN-Flüchtlingsreport

Erstmals weltweit mehr als 100 Millionen Menschen auf der Flucht vor Gewalt, Hunger und Klimakrise

Lateinamerikanische Migranten, die Teil einer Karawane Richtung USA sind, gehen im November 2021 in Richtung Loma Bonita im mexikanischen Bundesstaat Veracruz.

Lateinamerikanische Migranten, die Teil einer Karawane Richtung USA sind, gehen im November 2021 in Richtung Loma Bonita im mexikanischen Bundesstaat Veracruz.

Berlin. In diesem Jahr sind weltweit erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg mehr als 100 Millionen Menschen auf der Flucht oder wurden aus ihrer Heimat gewaltsam vertrieben. Das geht aus dem jährlich erscheinenden Weltflüchtlingsreport „Global Trends“ des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) hervor, der an diesem Donnerstag veröffentlicht wurde.

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Demnach lag die Zahl der durch Krieg, Gewalt, Verfolgung und Menschenrechtsverletzungen vertriebenen Menschen Ende vergangenen Jahres bei 89,3 Millionen. Das waren 7 Prozent mehr als 2020 und mehr als doppelt so viele wie vor zehn Jahren, heißt es in dem Bericht.

Russland hat laut UNHCR vor 15 Wochen durch seine Invasion in der Ukraine eine der größten und die am schnellsten wachsende Vertreibungskrise seit dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst – mit mehr als sieben Millionen Binnenvertriebenen innerhalb der Ukraine und mehr als sechs Millionen Menschen, die über die Landesgrenze flüchteten. Damit werde der Meilenstein von mehr als 100 Millionen Vertriebenen erreicht.

UNHCR-Bericht: Über 100 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht

Weltweit werden immer mehr Menschen in die Flucht getrieben, und ein Ende des Trends ist nicht in Sicht.

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„Wenn die internationale Gemeinschaft nicht zusammenkommt, um etwas gegen diese menschliche Tragödie zu unternehmen, Konflikte zu beenden und dauerhafte Lösungen zu finden, dann wird dieser schreckliche Trend anhalten“, sagte der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge, Filippo Grandi. Nahrungsmittelknappheit, Inflation und Klimakrise verschlimmerten die Not der Menschen und belasteten die humanitäre Hilfe, die unterfinanziert sei.

83 Prozent aller Geflüchteten fanden Schutz in Ländern mit geringem und mittlerem Einkommen, 27 Prozent wurden von den am wenigsten entwickelten Ländern aufgenommen. Die Türkei nahm im Weltmaßstab mit 3,8 Millionen Menschen die meisten Geflüchteten auf, gefolgt von Uganda (1,5 Millionen), Pakistan (1,5 Millionen) und Deutschland (1,3 Millionen). Kolumbien beherbergte 1,8 Millionen ins Ausland geflüchtete Venezolanerinnen und Venezolaner.

UN rechnet mit drei Millionen weiteren Geflüchteten aus der Ukraine

Die Vereinten Nationen stellen sich auf drei Millionen weitere Geflüchtete durch den russischen Krieg gegen die Ukraine ein.

Mehr als zwei Drittel (69 Prozent) aller Geflüchteten kamen Ende 2021 aus lediglich fünf Ländern: aus Syrien (6,8 Millionen), Venezuela (4,6 Millionen), Afghanistan (2,7 Millionen), Südsudan (2,4 Millionen) und Myanmar (1,2 Millionen).

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David Miliband, Präsident des International Rescue Committee (IRC) bezeichnet den diesjährigen Weltflüchtlingstag am 20. Juni als historisch. „Nicht nur weil es sich um die größte Zahl an Vertriebenen seit dem Zweiten Weltkrieg handelt, und auch nicht wegen der beispiellosen Geschwindigkeit, mit der die Welt diese erschreckende Zahl erreicht hat. Der diesjährige Weltflüchtlingstag ist historisch, weil er das Ausmaß des globalen Systemversagens anhand von 100 Millionen Schicksalen aufzeigt: ein Versagen der Staaten, der Diplomatie und der regelbasierten internationalen Ordnung.“

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