Einstige Bürgerrechtler wollen Petra Morawe als SED-Opferbeauftragte

Eine Stasi-Akte mit der Aufschrift OPK-Akte (Operative Personenkontrolle) steckt in der BStU-Außenstelle in Gera (Thüringen) in einem Regal. An die Stelle des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen soll nun ein Opferbeauftragter treten.

Eine Stasi-Akte mit der Aufschrift OPK-Akte (Operative Personenkontrolle) steckt in der BStU-Außenstelle in Gera (Thüringen) in einem Regal. An die Stelle des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen soll nun ein Opferbeauftragter treten.

Berlin. Die ehemalige Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, die brandenburgische Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, Maria Nooke, der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk und weitere frühere Bürgerrechtler haben die in Sachsen lebende Petra Morawe als künftige SED-Opferbeauftragte des Bundestages vorgeschlagen.

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Der oder die Opferbeauftragte soll im Juni an die Stelle des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, treten. Die ihm unterstehende Behörde geht dann ins Bundesarchiv über. Die 67-jährige Morawe war bis 2019 Mitarbeiterin Nookes sowie ihrer Vorgängerin Ulrike Poppe.

Petra Morawe

Petra Morawe

„Wir würden gern eine Frau als Beauftragte sehen, die bislang noch nicht in der Diskussion genannt wurde: Petra Morawe, die sich seit Jahrzehnten mit diesen Fragen befasst und eine besonders hervorragende und geeignete Kandidatin ist”, sagte Kowalczuk dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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Morawe selbst erklärte ihre Bereitschaft. „Ich traue mir das Amt zu“, sagte sie dem RND. „Ich habe mich wie kaum jemand sonst mit dem Thema befasst und sähe mich für das Amt gut gerüstet.” Morawe fügte hinzu: „Das Ziel sollte sein, den Opfern der Repression ein würdiges Altern zu ermöglichen. Denn selbst die jüngsten von ihnen sind heute im Vorfeld der Rente. Außerdem sollten wir junge Menschen zu demokratischem Engagement ermutigen und ihnen vorleben, dass es Anerkennung und Unterstützung findet und nicht mit Altersarmut bestraft wird.”

Sie regte einen bundesweiten Härtefallfonds an. Dieser würde auch vielen ehemaligen Opfern zugutekommen, die heute in Westdeutschland lebten, betonte Morawe. Hier fehle es oft an Expertise zu den gesundheitlichen Folgen politischer Haft, woraufhin Entschädigungen ausblieben. Bisher existierten Härtefallfonds lediglich in Berlin, Brandenburg und Sachsen. „Die Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur ist nicht beendet”, sagte sie. „Sie treibt viele Menschen nach wie vor um, auch wenn das nicht immer offenliegt. Und es wirkt sich negativ aus, wenn solche Themen unbearbeitet bleiben.”

Vorschlag im Januar

Die Mutter von drei Kindern studierte zu DDR-Zeiten Theaterwissenschaften und Schauspielregie und wurde Anfang der 1980er-Jahre aus politischen Gründen exmatrikuliert. Später erhielt sie Berufs- und Arbeitsverbot, gründete im Herbst 1989 das Neue Forum mit, war an der Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit beteiligt und seither in der DDR-Aufarbeitung aktiv, unter anderem in der Gedenkstätte Bernauer Straße, in der Stiftung Berliner Mauer sowie im Beirat der Stasi-Unterlagen-Behörde.

Morawe verweist überdies auf internationale Erfahrungen. So nahm sie an Aufarbeitungsveranstaltungen in der Mongolei, Kolumbien und Japan teil.

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Mittlerweile sind mehrere Kandidaten für das Amt des SED-Opferbeauftragten im Gespräch: der einstige Leipziger Dissident Uwe Schwabe, die Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen in Sachsen-Anhalt, Birgit Neumann-Becker, und der Vorsitzende der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG), Dieter Dombrowski. Union und SPD wollen im Januar einen gemeinsamen Personalvorschlag machen.

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