Um diese Städte wird gekämpft

Die Ukrainer schlagen zurück – aber nicht überall im Land

Eine Barrikade, die von Einheiten der Territorialen Verteidigung in der Innenstadt von Kiew errichtet wurde.

Eine Barrikade, die von Einheiten der Territorialen Verteidigung in der Innenstadt von Kiew errichtet wurde.

Ukrainische Erfolge in Kiew: In die Hauptstadt der Ukraine kehrte am Freitag wieder etwas Leben zurück. Zwar gibt es noch immer Artilleriefeuer und vereinzelte Angriffe, Reporter berichteten allerdings von einer leichten Entspannung der Lage. Das mag auch daran liegen, dass die ukrainischen Truppen vor den Toren der Hauptstadt einige militärische Erfolge vermeldeten. Der Bürgermeister der nahe dem Kiewer Flughafen gelegenen Stadt Boryspil rief die Bürgerinnen und Bürger seiner Stadt und die Einwohnerinnen und Einwohner der umliegenden Dörfer zuletzt zur Flucht auf – damit ukrainische Truppen leichter gegen die Einheiten des Gegners vorgehen könnten.

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Der ukrainische Generalstab spricht von großen russischen Verlusten vor Kiew, die Streitkräfte des Aggressors hätten sich teilweise zurückgezogen. Städte und Verteidigungsstellungen bis zu 35 Kilometer östlich von Kiew seien, so der britische Geheimdienst am 25. März, von ukrainischen Streitkräften zurückerobert worden. Im Nordwesten der Stadt richten sich Putins Truppen dagegen ein, errichten Verteidigungsstellungen. Moskau hatte am Donnerstagabend mitgeteilt, man habe mit seegestützten Marschflugkörpern nahe Kiew das größte Treibstofflager der ukrainischen Armee zerstört.

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Eingeschlossen in Tschernihiw: In der Großstadt 100 Kilometer nördlich von Kiew sitzen derzeit 150.000 Menschen fest, nachdem die russischen Streitkräfte sie durch Zerstörung einer Brücke von der Hauptstadt abgeschnitten haben. Der Gouverneur der Region, Wjatscheslaw Chaus, erklärte im Fernsehen, Tschernihiw würde von Flugzeugen und Artillerie beschossen. Täglich würden bei Kämpfen Dutzende Menschen getötet, die Stadt sei ohne Strom, versinke im Chaos.

Für Samstag (26. März) wird die Errichtung eines humanitären Korridors angestrebt. Wobei sich die diesbezüglichen Verhandlungen laut der ukrainischen Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk weiterhin schwierig gestalteten. Russland trachte stets danach, die Zivilistinnen und Zivilisten in russisch kontrolliertes Gebiet zu verbringen – was die Geflüchteten praktisch zu Geiseln machte.

Abwehrschlacht bei Tschernobyl: Ein erster Angriff russischer Kräfte auf Slawutytsch, den Wohnort von Arbeitern des stillgelegten Atomkraftwerks Tschernobyl, wurde von ukrainischen Militärs abgewendet, so Oleksij Arestowytsch, Berater des ukrainischen Präsidenten Selenskyj, am Freitag. Bis auf 1,5 Kilometer an den Stadtrand waren die Angreifer gekommen.

Russischer Rückzug im Nordosten: Im Nordosten sieht der ukrainische Generalstab zunehmend Rückzugsbewegungen von russischen Einheiten. Nach dem angeblichen Verlust von mehr als der Hälfte ihrer Mannstärke hätten sich Verbände hinter die russische Grenze geflüchtet, hieß es am Freitag.

Russische Truppen in der Ukraine zunehmend mit Schwierigkeiten konfrontiert

Die ukrainischen Truppen haben nach britischen Angaben Städte und Verteidigungsstellungen bis zu 35 Kilometer östlich von Kiew zurückerobert.

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Blockade in Charkiw und Sumy: Weiterhin von russischen Kräften blockiert werden die zweitgrößte Stadt der Ukraine, das stark russisch geprägte, schwer von Raketenangriffen getroffene Charkiw, und die westlich von ihr gelegene Großstadt Sumy. Aus Charkiw wurden erneut Bombardements gemeldet: Einwohner berichteten am Freitag vom Beschuss einer Poststelle, wo humanitäre Hilfe angeboten wurde. Eine Rakete habe dort eine Schlange von Menschen getroffen. Die Onlineausgabe der britischen Tageszeitung „The Guardian“ sprach vom „grimmigen Zielen der Russen auf Zivilisten – nur zwei Tage, nachdem die USA die russischen Streitkräfte offiziell beschuldigt hatten, in der Ukraine Kriegsverbrechen begangen zu haben“. Eine Offensive der Russen auf die Stadt Isjum im Gebiet Charkiw scheint in Vorbereitung zu sein.

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Russische Gewinne im Donbass: Russischen Streitkräften ist es gelungen, so das ukrainische Verteidigungsministerium am Freitag, den angestrebten Landkorridor von der Region Donezk im Donbass zur Krim zu schaffen. Die russische Nachrichtenagentur Interfax vermeldete gestern zudem, dass Russland sich auf die komplette sogenannte „Befreiung“ der ukrainischen Donbassregion fokussieren werde. Dabei wird mit der Möglichkeit gedroht, blockierte ukrainische Städte zu erstürmen.

Massengräber im eingekesselten Mariupol: Es ist die Stadt des schlimmsten und brutalsten Vorgehens im russischen Angriffskrieg. Matilda Bogner, Leiterin des UN-Menschenrechtsteams in der Ukraine, sprach per Videolink von Massengräbern von bis zu 200 Toten im eingekesselten Mariupol – Beweise hierfür stammten von Satellitenaufnahmen. Der furchtbare Angriff auf das Theater der Stadt habe mindestens 300 Menschen das Leben gekostet, so wurde gestern durch einen Sprecher der Stadtverwaltung bekannt. 1300 Menschen sollen dort Schutz vor Angriffen gesucht haben.

In einem Hilferuf auf Telegram sprach der Stadtrat am Freitag von erschütternden Folgen der langen Belagerung: „Immer mehr Hungertote. Immer mehr Menschen sind ohne Nahrungsversorgung.“ Die russische Seite „evakuiert“ Bewohner von Mariupol nach Russland – laut Stadtverwaltung bis Donnerstag 6000 Bürgerinnen und Bürger. Außerdem wurde vermeldet, man ziehe nun von Haus zu Haus, um die Anhänger des ukrainischen Regiments Asow aufzuspüren. Der paramilitärische Verband, der in den jüngst von Putin als unabhängig anerkannten Regionen Donezk und Luhansk schon seit 2014 gegen die prorussischen Aktivisten in der Ostukraine kämpft, gilt als brutal und rechtsextrem und verteidigt Mariupol seit Beginn des russischen Überfalls.

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Angriffe auf russische Schiffe in Berdjansk: Drei russische Landungsschiffe seien am Freitag in der Hafenstadt im Süden der Oblast Saporischschja, die von russischen Truppen besetzt wurde, von ukrainischen Kräften angegriffen und schwer beschädigt oder zerstört worden. Das geht aus Berichten des ukrainischen Generalstabs aus der Nacht zu Freitag hervor. Tags zuvor hatte die ukrainische Marine die Zerstörung eines großen Truppentransporters gemeldet.

Auch an Land wurden heftige Kämpfe um russische Ziele gemeldet. Das britische Verteidigungsministerium gab zu den Vorgängen eine Einschätzung via Twitter: „Dies wird das russische Militär zwingen, der Verteidigung seiner Versorgungskette Vorrang einzuräumen, und es wird ihnen den dringend benötigten Nachschub für ihre Streitkräfte vorenthalten.“ Was Offensivoperationen erschweren und die Moral senken dürfte.

Entführungen in Cherson? Die Hafenstadt am Dnepr war als erste ukrainische Stadt eingenommen, aber dann nicht administrativ besetzt worden. Die „Befreier“ wurden nicht als solche begrüßt, stattdessen zogen Einwohnerinnen und Einwohner mit ukrainischen Fahnen auf den Marktplatz. Das Bild eines Ukrainers mit wehender Landesfahne auf einem russischen Panzer ging um die Welt. Die russischen Truppen zogen dann zunächst in Richtung der nächsten Hafenstadt Mykolajiw weiter. Jüngst jedoch wurde vermeldet, dass die Besetzer das Feuer auf Demonstrantinnen und Demonstranten eröffnet hätten.

Zuvor wurde im britischen „Guardian“ ein Informant des russischen Geheimdienstes zitiert, wonach Einwohnerinnen und Einwohner über die russische Grenze gebracht würden, um einen nicht näher bezeichneten „großen Terror“ auszulösen. Moskau sei nun nicht mehr bereit, mit den Demonstranten „nett zu spielen“.

Bangen in Odessa: Vom Meer aus belagern russische Streitkräfte die größte Hafenstadt der Ukraine. Der Handel dort steht seit Wochen still, die Zufahrt zum Hafen ist, so berichten Medien, mit Seeminen bestückt. Russische Schiffsartillerie versucht, diese Minen zur Detonation zu bringen. Befürchtet wurde und wird weiterhin eine Landung russischer Streitkräfte vom Meer aus.

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