Parteitag in Erfurt

Die Linke debattiert emotional über Sexismus und patriacharlische Machtstrukturen

Auf ihrem achten Bundesparteitag hat die Linke am Freitagabend in Erfurt auch über sexuelle Gewalt debattiert.

Auf ihrem achten Bundesparteitag hat die Linke am Freitagabend in Erfurt auch über sexuelle Gewalt debattiert.

Berlin. Die amtierende Parteichefin Janine Wissler hatte sich schon in ihrer Grundsatzrede am Freitag­nach­mittag auf dem Erfurter Parteitag bei allen Frauen entschuldigt, „denen Unrecht widerfahren ist“ und damit auf die Sexismus­vorwürfe in der Partei Bezug genommen, die im April bekannt geworden waren.

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Die Linke als feministische Partei müsse da einen höheren Anspruch als andere haben, sagte Wissler und verwies auf eine neu eingerichtete unabhängige Experten­kommission, an die Betroffene sich wenden könnten. Zudem kündigte sie am Rande des Parteitags neue Sanktions­möglichkeiten gegen Mitglieder der Partei an, die sich Übergriffe schuldig machten.

Mit großer Verspätung ging dann um 20.30 Uhr die Generaldebatte des Parteitags weiter mit dem Schwerpunkt „Kampf gegen patriarchalische Macht­strukturen, Gewalt und Sexismus“. Etwa 20 junge Leute der Jugend­organisation Solid trugen ein Transparent „Täterschutz zerschlagen“ auf die Bühne und lasen Berichte Betroffener vor.

„Na, du Luder, bist ja auch da“

Eine junge Frau beschreibt eine Szene aus dem Alltag im Apparat der Linken: Ihr Vorgesetzter trifft einen Kollegen. Der sagt: „Ist das deine Mitarbeiterin? Bisschen groß, aber im Liegen macht das ja nichts.“

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Bei einer Party sagt ein Genosse, wer „der da hinten als Erster an die Titten greift, der kriegt einen Schnaps.“

Ein junge Frau wird bei einem Treffen der Partei von einem Mann mit den Worten begrüßt: „Na, du Luder, bist ja auch da.“ Und dann klatscht er ihr auf den Hintern.

Berichte einer jungen Genossin von einem Sommerfest: „Ich trage ein Kleid, bin 20, er ist zehn Jahre älter und sagt: ‚Du geiles Ding bis ja auch gekommen‘.“ Alle Umstehenden lachen.

Jan Schiffer von Solid berichte, es hätten sich „unzählige Betroffene“ in den letzten Wochen und Monaten gemeldet. Hohe Funktionäre hätten das Problem mit dem Hinweis auf einen „vom Jugendverband und den Medien“ inszenierten Skandal abgebügelt.

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Die beiden Vertreterinnen des Parteivorstandes, Bettina Gutperl und Daphne Weber, kamen in ihrem gemeinsamen Redebeitrag nicht groß über Wissler hinaus. Der Parteivorstand habe längst überfällige Schritte eingeleitet, sagte Weber und nannte erneut die unabhängige Expertengruppe, an die sich Betroffene wenden könnten und die schon die Parteichefin angeführt hatte.

Gutperl kritisierte, dass die Satzung und die Schiedsordnung der Partei bislang „blind“ gewesen seien gegen die Ahndung sexualisierter Gewalt. Das müsse jetzt geändert werden. Elisabeth Kula, Co-Fraktionschefin im hessischen Landtag, deren Landesverband besonders in der Kritik steht, berichtete von neu eingerichteten Beratungsstellen und Gesprächs­angeboten für Betroffene.

Jacob Hammes von Solid war das nicht genug. Er kritisierte, dass keine prominenten Vertreter der Parteispitze an der Debatte teilnahmen. „Schaut euch um, wer hier schwänzt und wer hämisch wegguckt“, sagte er und berichtete aus eigener Erfahrung von sexualisierter Gewalt auch gegen Männer. „Die Täter sind immer noch in ihren Funktionen und die Opfer werden mit juristischen Klagen überzogen“, sagte Hammes.

RND

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