EKD-Ratsvorsitzende

Die Glaubensfrage: Kurschus begrüßt Waffenlieferungen an die Ukraine

Annette Kurschus ist seit November 2021 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche.

Annette Kurschus ist seit November 2021 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche.

Berlin. Mit dem Einsatz von Panzern, Flugabwehrwaffen und anderen militärischen Gerätschaften beschäftigen sich die Führungsebenen der katholischen und evangelischen Kirche Deutschland in der Regel selten.

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Doch seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine geht es den Bischöfen wie den einfachen Gläubigen und dem konfessionslosen Volk: Sie reden über Waffen und die Sinnhaftigkeit ihrer Lieferung in die Kampfzone.

Besonders die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) tat sich schwer mit der Beantwortung dieser Frage. Ende März hatte die Kirchenkonferenz der EKD vom Dilemma zwischen dem grundsätzlichen Wunsch nach einer gewaltfreien Konfliktlösung und dem Impuls, angesichts eines brutalen Aggressors die Ukraine mit Waffen zu unterstützen, gesprochen. „Unbestritten ist das Selbstverteidigungsrecht der Ukraine im Blick auf die gegen sie gerichteten Aggressionen“, hieß es. Doch kein Wort zu den umstrittenen Waffenlieferungen.

Unterstützung im Überlebenskampf

Die EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus wird nun deutlicher. Die Ukrainer, die rohe Gewalt und blankes Unrecht erfahren würden, hätten nicht nur alles Recht, sich zu verteidigen, sondern auch um Hilfe zur Selbstverteidigung zu bitten.

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„Ich habe höchsten Respekt vor allen, die auch dann noch für sich selbst auf die Option der Gewaltlosigkeit setzen“, sagte Kurschus dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Aber ich erkenne die jetzt beschlossenen Waffenlieferungen als Mittel an, die Ukraine bei ihrem Überlebenskampf zu unterstützen.“

Die katholischen Bischöfe hatten sich bereits Anfang März klar positioniert. „Rüstungslieferungen an die Ukraine, die dazu dienen, dass das angegriffene Land sein völkerrechtlich verbrieftes und auch von der kirchlichen Friedensethik bejahtes Recht auf Selbstverteidigung wahrnehmen kann, halten wir für grundsätzlich legitim“, hieß es in einer Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz. „Es ist denjenigen, die die Entscheidung zu treffen haben, aber aufgetragen, präzise zu bedenken, was sie damit aus- und möglicherweise auch anrichten. Dies gilt gleichermaßen für die Befürworter wie für die Gegner von Waffenlieferungen.“

Waffen als letztes Mittel

Auch die EKD-Ratsvorsitzende sagt: „Waffen können und dürfen als letztes Mittel helfen, Leiden und Sterben zu verhindern. Aber sie können auch eine Eskalation vorantreiben, die am Ende noch viel mehr Menschenleben fordert“, so Kurschus. „Das Recht wiederherzustellen und echten Frieden zu gewinnen: Das vermögen Waffen allein nicht. Ohne eine politische Strategie, die den Einsatz der Waffen begleitet, wird es kein Danach geben, in dem wir wieder gut miteinander leben können.“

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Sergej Lawrow: „Reale Gefahr“ für den Ausbruch eines dritten Weltkriegs

Die Gefahr dafür sei „ernst, sie ist real“, sagte Lawrow in dem Interview, das das Außenministerium am Montagabend in seinem Telegram-Kanal teilte.

Mit diesen Abwägungen treffen die Kirchen übrigens den Nerv der Mehrheit der Deutschen, wie eine aktuelle Forsa-Erhebung im Auftrag von RTL/N-TV ergab. Demnach befürchten 56 Prozent der Deutschen, dass immer mehr Waffenlieferungen an die Ukraine zu einer Ausweitung des Krieges führen könnten. Nur 26 Prozent befürworten ein härteres Vorgehen und die Lieferung immer weiterer Waffen. 63 Prozent glauben, dass der Krieg nur auf diplomatischen Wegen beendet werden kann.

Annette Kurschus ist überzeugt, dass Putins Krieg weltweite Solidarität ganz neu zur Frage mache, die jedoch nicht militärisch beantwortet werden könne.

„Um nur zwei Beispiele zu nennen: Die Klimakrise pausiert nicht, aber die internationale Arbeit an diesem Menschheitsproblem derzeit anscheinend schon. Und in vielen Ländern werden Menschenleben sehr bald nicht von Panzern und Gewehren, sondern von leeren Tellern bedroht sein.“

Gerade hier würden Aufmerksamkeit, Debatten und Antworten benötigt. „Und wir brauchen sie jetzt“, so Kurschus.

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