Die Bundesregierung sollte den Sommerurlaub nicht als unnötige Nebensache abtun

Was wird aus dem Sommerurlaub? Die Politik muss eine Lösung finden.

Was wird aus dem Sommerurlaub? Die Politik muss eine Lösung finden.

Berlin. Wenn der Satz stimmt, dass der Urlaub die schönste Zeit des Jahres ist, dann droht das Jahr 2020 ein sehr unschönes zu werden. Der Frust über den abgesagten Osterurlaub ist gerade erst verflogen, da steht bereits die Reise in den Sommerferien auf der Kippe. Außenminister Heiko Maas (SPD) wiederholt inzwischen beinahe täglich seinen Satz, dass es einen „normalen Urlaub“ in diesem Jahr nicht geben werde, und zwar nirgendwo auf der Welt. Es ist so gut wie sicher, dass der Minister die bis Sonntagabend geltende weltweite Reisewarnung um einige Wochen verlängern wird.

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Millionen Familien, Paare und Singles stehen dann vor der Frage, was sie mit ihren Buchungen tun sollen. Stornieren? Umbuchen? Abwarten? Hoffen? Diese Entscheidung kann ihnen gerade niemand abnehmen.

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Sie ist auch keine leichte, denn Tourismus-Branche und Reiseländer senden gleichzeitig ganz andere Signale aus. Österreich etwa wirbt inzwischen offen um deutsche Touristen. Hotels und Pensionen dürfen ab Ende Mai wieder öffnen, Restaurants und Cafés sogar zwei Wochen früher. Kroatien träumt von Gesundheitszeugnissen, Luftbrücken und Einreise-Korridoren durch Drittstaaten. Und die süditalienische Region Sizilien denkt sogar darüber nach, Urlaubern die Hälfte der Flugkosten und jede dritte Übernachtung im Hotel zu bezahlen.

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Mittelwege suchen, Regionen definieren, Regeln aufstellen

Angesichts der Dynamik wundert es nicht, dass die Nervosität in der Bundesregierung wächst. Eine Viertelmillion Menschen hat das Auswärtige Amt zu Beginn der Corona-Krise nach Deutschland fliegen müssen, es war die größte Rückholaktion in der Geschichte der Bundesrepublik. Dass Minister Maas und seine Beamten keinerlei Interesse an einer Neuauflage haben, ist verständlich. Und es ist die Erklärung dafür, dass der Minister nun lautstark vor „unvertretbaren Risiken“, im Falle eines europäischen Tourismus-Wettlaufs warnt.

Die Debatte um den Urlaub hat einen Punkt erreicht, der typisch für viele Themen ist, die gerade im Zusammenhang mit der Corona-Krise diskutiert werden. Es gibt nur noch Zuspitzung, schwarz oder weiß, Ballermann oder Balkonien. Dabei sind doch – gerade beim Urlaub mit all seinen Facetten – Mittelwege denkbar. Europa ist groß, es gibt Regionen, in denen sich angesichts der dünnen Besiedlung weitgehend gefahrlos die freie Zeit verbringen lässt. In den kommenden Wochen wird es darum gehen, diese Regionen zu definieren und Regeln aufzustellen, die eine Reise dorthin möglich machen. Kreativität ist gefragt und unkonventionelles Denken.

Natürlich muss am Ende die Sicherheit der Reisenden Vorrang haben. Aber den Urlaub als nicht notwendige Nebensache abzutun, wäre keine kluge Entscheidung. Die Menschen haben sich die schönste Zeit des Jahres verdient. Auch und gerade in der Corona-Krise.

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