Kampf gegen Klimakrise

Deutschland verfehlt Klimaziele wieder – weiterer Rückschlag durch Krieg befürchtet

Die erneuerbaren Energien sind in Deutschland auch im Jahr 2022 noch nicht weit genug ausgebaut – das zeigt sich gerade an der Abhängigkeit vom russischen Öl und Gas.

Die erneuerbaren Energien sind in Deutschland auch im Jahr 2022 noch nicht weit genug ausgebaut – das zeigt sich gerade an der Abhängigkeit vom russischen Öl und Gas.

Berlin. Zuletzt hatten die Lockdowns und die unterbrochene Wirtschaftstätigkeit im Zuge des weltweiten Corona-Ausbruchs Deutschland dabei geholfen, seine Klimaziele wider Erwarten doch noch zu erreichen: Als das Umweltbundesamt vor einem Jahr seine Kennzahlen der klimaschädlichen Treibhausgasemissionen für 2020 vorlegte, hatte die Pandemie den Ausstoß von CO₂ und Co. stark sinken lassen.

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In diesem Jahr hat sich der Trend jedoch – trotz anhaltender Pandemie – bereits wieder gedreht: Experten erwarten, dass die Emissionen 2021 wieder angestiegen sind.

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Zwar hatte die neue Bundesregierung angekündigt, deutlich mehr Energie aus Wind und Sonne zu gewinnen sowie für mehr Elektromobilität und eine Wärmewende zu sorgen, damit Deutschland wie geplant bis 2045 klimaneutral wird. Doch angesichts des Krieges gegen die Ukraine steigen nicht nur die Öl- und Gaspreise – es wird zugleich diskutiert, ausbleibende russische Lieferungen durch längere Kohlelaufzeiten auszugleichen: der Energieträger mit der schlimmsten Klimabilanz.

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Gebäude- und Verkehrssektor hinken hinterher

Schon vor der Veröffentlichung der deutschen CO₂-Jahresbilanz für 2021 sind Klima- und Umweltschützer deshalb alarmiert. „Wir sind noch immer viel zu abhängig von fossilen Energieträgern“, sagte der Präsident des Naturschutzbundes (Nabu), Jörg-Andreas Krüger, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Das sei insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen weltpolitischen Entwicklungen höchst problematisch.

„Auch im Jahr 2021 sind die Klimaziele in den Sektoren Gebäude und Verkehr nicht erfüllt worden“, kritisierte Krüger. „Jahrelang wurde versäumt, wirksame Klimaschutzmaßnahmen in diesen Bereichen einzuführen. Das fällt jetzt mit doppelter Wucht auf uns zurück.“ Die Bundesregierung müsse nun schnellstens nachhaltige Maßnahmen für eine klimasichere Zukunft in diesen Sektoren ergreifen, fordert der Nabu.

Greenpeace fordert Tempolimit und autofreie Sonntage

Auch Greenpeace beklagte, „die Lücke zwischen Klimaziel und aktuellen CO₂-Emissionen klafft immer weiter auseinander“: „Im Gebäudebereich heizen wir Putins Gas zum Fenster hinaus, anstatt auf energieeffiziente Wärmepumpen umzustellen“, sagte Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid dem RND. „Im Mobilitätsbereich unterlassen wir es, durch Tempolimit und Sonntagsfahrverbote die Treibhausgasemissionen und die Ölimporte aus Russland sofort zu senken.“

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Die bereits im Vorjahr gestiegenen Gaspreise hätten zu einer Verlagerung der Stromproduktion von Gaskraftwerken auf CO₂-intensive Steinkohlekraftwerke geführt, so Smid. „Durch Putins Angriffskrieg auf die Ukraine und die daraufhin explodierten Gaspreise droht in diesem Jahr der CO₂-Ausstoß nochmals sprunghaft anzusteigen“, warnte der Klimaexperte. „Energieunabhängigkeit, Versorgungssicherheit und Klimaschutz gehören zusammen.“ Nun sei ein maximaler Ausbau von erneuerbaren Energien in maximaler Geschwindigkeit nötig.

„Energiesparen das Gebot der Stunde“

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erklärte, dass angesichts der neuen Zahlen die Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor in den nächsten acht Jahren faktisch halbiert werden müssten, um die gesetzlichen Ziele zu erreichen. Deshalb sei nun vor allem „Energiesparen das Gebot der Stunde“, sagte BUND-Geschäftsführerin Antje von Broock.

Zudem müsse man „die autozentrierte Verkehrspolitik der letzten Jahrzehnte“ beenden, so die BUND-Chefin. „Menschen im ganzen Land müssen die Möglichkeit haben, ohne eigenes Auto mobil zu sein.“ Nötig seien Tempolimits statt Tankrabatten, zudem etwa ein Stopp von Kurzstreckenflügen, der kurzfristig spürbar wäre.

Die Klimadaten für 2021 werden an diesem Dienstag veröffentlicht und vom Präsidenten des Umweltbundesamtes (UBA), Dirk Messner, in Berlin vorgestellt. Für das Wirtschafts- und Klimaministerium von Robert Habeck (Grüne) soll Staatssekretär Patrick Graichen teilnehmen.

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