Der Abschied von der Führung

US-Präsident Donald Trump kündigte am Donnerstagabend den Rückzug der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen an.

US-Präsident Donald Trump kündigte am Donnerstagabend den Rückzug der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen an.

Washington. Donald Trump kann der Gelegenheit nicht widerstehen. Ganz ohne den Kongress einbinden zu müssen, greift der frühere Geschäftsmann in den Lauf der Geschichte ein. Nach all seinen Niederlagen und Peinlichkeiten scheint endlich der Moment gekommen zu sein, eine neue Richtung vorgeben zu können.

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Die Inszenierung der Macht ist teuer erkauft: Mit der Kündigung des Klimaschutzvertrags nehmen die Vereinigten Staaten nicht nur in einem bedeutenden internationalen Vorhaben eine Außenseiterrolle ein. Die USA lassen auch ernsthafte Zweifel aufkommen, ob sie sich weiterhin als Führungsmacht der freien Welt verstehen.

194 Staaten stehen zu ihrer Verpflichtung, den Anstieg der Treibhausgase auf Dauer zu reduzieren. Nur drei Länder sind im Abseits: Nicaragua, Syrien und nun auch die USA. Es ist ein geradezu peinlicher Moment für jeden, der Amerika zu schätzen weiß. Ausgerechnet das Land, das die Fackel der Freiheit und der Verantwortung durch äußerst dunkle Zeiten der Geschichte führte, setzt wieder auf Isolationismus.

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Schadenfreude in Deutschland und China

Die Erklärungen, die Trump am Mittwoch im Rosengarten des Weißen Hauses lieferte, sind hinlänglich bekannt. Der Präsident spricht von „America first“ - und vergisst zu erwähnen, dass die Industrie der alternativen Energien zu den am stärksten wachsenden Branchen des Landes gehören. Kein Wort verliert der 70-Jährige über den Protest all der US-Unternehmen, die vor einem Ausstieg eindringlich gewarnt hatten - vorneweg Prestigeunternehmen der Rohstoffindustrie.

Nach Meinung von Trump-Kritikern in Washington herrsche nunmehr Schadenfreude in China und Deutschland, da sich diese beiden Industrienationen den Markt der Ökoindustrie künftig untereinander aufteilen würden.

Doch das Gegenteil ist richtig: Der 1. Juni 2017 geht als ein schlechter Tag für den Klimaschutz in die Geschichte ein, da das gemeinsame Handeln angesichts der globalen Herausforderungen dringender denn je ist.

Ohnehin wird Amerikas Industrie weiterhin um Marktanteile bei den alternativen Energien kämpfen. Aber ein festgelegter Rahmen wie das Pariser Abkommen hätte es den Konzernen vereinfacht, auf Forschung und zukunftsträchtige Technologien zu setzen. Dass in den kommenden Monaten einige Kohlekraftwerke in Kentucky, Pennsylvania und West Virginia wieder in Betrieb gehen, ist für die US-Wirtschaft auf Dauer nur ein schwacher Trost. Trump setzt auf die Rezepte von gestern und verliert das Morgen aus dem Blick.

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Von Stefan Koch/RND

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