Das Déjà-vu der AfD: Eisiger Machtkampf auf offener Bühne

Lächeln für die Kameras in der Bundespressekonferenz: Jörg Meuthen, Tino Chrupalla und Alice Weidel.

Lächeln für die Kameras in der Bundespressekonferenz: Jörg Meuthen, Tino Chrupalla und Alice Weidel.

Berlin. 2017 hat sich nicht wiederholt. Vor vier Jahren, nach dem ersten Einzug der AfD in den Bundestag, saß die damalige Parteichefin Frauke Petry am Rand in der Bundespressekonferenz. Sie verließ nach acht Minuten den Saal – und in der Folge auch die AfD.

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Jörg Meuthen, damals wie heute AfD-Chef, blickte ihr wortlos hinterher. Der Streit in der Rechtspartei war auf offener Bühne eskaliert.

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2021 ist es Meuthen, der am Rand sitzt. Er steht nicht auf und geht, aber ansonsten beginnt sich die Geschichte zu wiederholen. Der Streit in der AfD eskaliert nach dem mäßigen Wahlergebnis erneut in aller Öffentlichkeit.

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Meuthen spricht von „erheblichen Stimmenverlusten“, die die AfD zu verzeichnen hatte. „Unter dem Strich wird man das als Erfolg nicht vermelden können“, sagte Meuthen, der selbst nicht für den Bundestag kandidiert hatte. Die AfD sei mit dem Slogan „Mut zur Wahrheit“ angetreten, dazu gehöre auch, „die Dinge nicht schön zu reden wie die Altparteien“. Das Wahlprogramm und das Spitzenduo hätten die „Kernklientel bedient“, aber keine neuen Wählerschichten erschließen können.

Die auf dem Dresdner Parteitag beschlossene Forderung nach einem EU-Austritt Deutschlands, dem „Dexit“, habe „für ein erhebliches Akzeptanzproblem außerhalb der Blase“ gesorgt.

Die einzige Partei, die Wähler an die AfD abgab, war die Linke. SPD, Union und FDP und sogar die Grünen konnten Wähler gewinnen, die bei der letzten Bundestagswahl den Rechtspopulisten ihre Stimme gegeben hatten. Mit 10,3 Prozent blieb die AfD zwar knapp zweistellig, büßte aber gegenüber 2017 mehr als zwei Prozent der Wählerstimmen ein. Nur in Thüringen konnte sie in absoluten Zahlen hinzugewinnen. In Sachsen wurde die AfD trotz Verlusten erneut stärkste Kraft und profitierte dort vom Absturz der Union.

Das Spitzenduo Alice Weidel und Tino Chrupalla saß mit gefrorenen Mienen neben Meuthen. Die beiden dankten einander für den Einsatz im Wahlkampf. Bei Meuthen bedankten sie sich nicht. „Ich lasse mir das Ergebnis nicht schlecht reden, von niemandem“, gab Weidel bekannt. „Wir haben uns etabliert, ein stabiles Ergebnis eingefahren.“

Chrupalla, der in Görlitz sein Direktmandat verteidigen konnte, ergänzte, ihm habe kein Wähler gesagt, er könne wegen des „Dexit“-Beschlusses die AfD nicht wählen. Meuthen konterte: „Mir haben das viele Wähler gesagt.“

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So ging es weiter: Weidel erhob den Anspruch, im Duo mit Chrupalla erneut Fraktionsvorsitzende zu werden und die Spitze im Doppelpack wählen zu lassen. Meuthen empfahl auf Nachfrage, dass beide lieber getrennt antreten sollten. Weidel hat in der Fraktion, die am Mittwoch entscheiden soll, eine Reihe von Gegnern.

Ob er selbst noch einmal Parteichef werden will, ließ Meuthen offen. Im Dezember steht die turnusmäßige Vorstandswahl an. Abschließend nannte Weidel Meuthen einen „Charakterkopf“. Es ist ein mit Bedacht gewähltes Wort. Man nutzt es gerne für einen politischen Nachruf auf innerparteiliche Gegner.

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