Das Comeback der linken Elite in Lateinamerika

Luiz Inácio „Lula“ da Silva, ehemaliger brasilianischer Präsident.

Luiz Inácio „Lula“ da Silva, ehemaliger brasilianischer Präsident.

Buenos Aires. Hollywoodregisseur Oliver Stone hat aus seiner politischen Vorliebe nie einen Hehl gemacht. In seinem besonders bei Linken sehr beliebten Interviewfilm „South oft he Border“ dokumentierte er 2009 die Gedanken der nahezu gesamten sozialistischen Prominenz aus Lateinamerika, die damals den Kontinent beherrschten.

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Der noch lebende Hugo Chávez (Venezuela) war genauso dabei wie Evo Morales (Bolivien), Cristina Fernández de Kirchner (Argentinien), Rafael Correa (Ecuador), Raúl Castro (Kuba), Fernando Lugo (Paraguay) und natürlich Lula da Silva (Brasilien).

Viele von diesen Protagonisten mussten anschließend ihre Macht abgeben – weil sie entweder des Amtes enthoben worden, die Verfassung eine weitere Kandidatur untersagte oder sie eine Wahl verloren.

Er filmt da, wo es wehtut: Oliver Stone hat sich einen Ruf als Hollywoods umstrittenster Regisseur erarbeitet.

Er filmt da, wo es wehtut: Oliver Stone hat sich einen Ruf als Hollywoods umstrittenster Regisseur erarbeitet.

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Viel Getöse und noch mehr Versprechungen

An ihre Stelle traten direkt oder einige Jahre später die Mitbewerber aus dem rechten politischen Spektrum. Mit viel Getöse und noch mehr Versprechungen. Gut elf Jahre später ist die spektakuläre Rückkehr der Oliver-Stone-Gang längst nicht mehr aufzuhalten. Denn ihre rechtskonservativen Nachfolger geben ein bisweilen erschreckend schwaches Bild ab.

  • In Brasilien irrlichtert Rechtspopulist Jair Bolsonaro so katastrophal durch die Corona-Krise, dass die Rufe nach einem Comeback von Ex-Präsident Lula da Silva immer lauter werden.
  • In Paraguay steht Ex-Präsident Fernando Lugo an der Seite einer Protestwelle, die seit Tagen durchs Land rollt und sich gegen die Korruption im Gesundheitswesen richtet.
  • In Ecuador schickt sich der junge Andres Arauz (36) an, die Stichwahlen zu gewinnen und damit seinem Mentor Rafael Correa indirekt den Weg zurück zumindest in die Nähe der Macht zu ebnen.
  • In Argentinien waren die Menschen von vier Jahren konservativer Amtszeit von Mauricio Macri so enttäuscht, dass sie lieber eine unter Korruptionsverdacht stehende Cristina Kirchner vor gut einem Jahr wieder ins Vizepräsidentinnenamt hievten.
  • Und in Bolivien wählten die Menschen nach nur wenigen verheerenden Monaten Amtszeit eine völlig überforderte rechte Interimspräsidentin Jeaninne Anez ab und kehrten zur linken Evo-Morales-Partei zurück.
  • In Chile schaffte es der konservative Präsident Sebastian Pinera, eine ganze Gesellschaft über Monate gegen sich auf die Straße zu bringen.
  • In Honduras ist die Beweislast gegen den ohnehin nur durch einen sehr zweifelhaften Wahlsieg an die Macht gekommenen Juan Orlando Hernandez erdrückend: Der Mann hat offenbar Tonnen von Kokain geschmuggelt.

Rechte Lateinamerikas vor einem Scherbenhaufen

Bis auf wenige Ausnahmen wie Uruguays erfolgreichen Präsidenten Luis Alberto Lacalle Pou steht Lateinamerikas Rechte vor einem Scherbenhaufen.

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Eine Frau nimmt an Protesten gegen Brasiliens Präsidenten Jair Bolsonaro teil.

Eine Frau nimmt an Protesten gegen Brasiliens Präsidenten Jair Bolsonaro teil.

Das liegt vor allem daran, dass viele noch an Rezepten aus dem alten Jahrhundert festhalten und auf die modernen Forderungen der Gesellschaft wie Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen, Umweltpolitik und zivilgesellschaftliche Fragen wie gleichgeschlechtliche Ehen keine modernen Antworten geben.

Es fehlt ein auf die aktuellen Herausforderungen zugeschnittener Kompass und es fehlt an charismatischen Persönlichkeiten. Also kehren die Lateinamerikaner zu dem zurück, was sie kennen. Das war zwar auch nicht immer überzeugend, aber immerhin hat die lateinamerikanische Linke eine politische DNA, die man auch so identifizieren und zuordnen kann.

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Der Rechten steht nun in vielen Ländern wieder ein Jahrzehnt der Opposition bevor. Zeit und Gelegenheit sich personell, vor allem aber inhaltlich neu aufzustellen. Übrigens: Oliver Stone arbeitet derzeit an einer Neuauflage seiner Dokumentation. Die Protagonisten sind fast wieder die gleichen.

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