Neue Rekordwerte

Chinas tickende Zeitbombe: Die Jugendarbeitslosigkeit steigt und steigt

Während einer Probe für eine Festlichkeit halten Menschen Fahnen in die Luft. Doch: Die Jugendarbeitslosigkeit wird immer mehr zum Problem im Land.

Während einer Probe für eine Festlichkeit halten Menschen Fahnen in die Luft. Doch: Die Jugendarbeitslosigkeit wird immer mehr zum Problem im Land.

Peking. Was den Parteikadern in Peking derzeit tiefe Falten auf die Stirn treibt, sind die 10,7 Millionen Universitätsabsolventinnen und -absolventen, die allein dieses Jahr auf den chinesischen Arbeitsmarkt strömen. Denn die derzeit kriselnde Volkswirtschaft kann den jungen Leuten kaum mehr genügend qualifizierte Jobs bereitstellen: Schon jetzt liegt die Jugendarbeitslosigkeit in China mit 18,4 Prozent auf einem Rekordwert. Bis zum Spätsommer könnte sie auf 23 Prozent ansteigen.

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Für die auf Stabilität bedachte Regierung ist dies eine tickende Zeitbombe. Chinas soziales Gefüge wird schließlich seit der wirtschaftlichen Öffnung der 80er-Jahre von einem unausgesprochenen Gesellschaftsvertrag bestimmt: Die Bevölkerung gibt bereitwillig ihr politisches Mitspracherecht ab, erwartet aber im Gegenzug eine kompetente Regierung, die für materiellen Wohlstand sorgt.

Genau das hat die Kommunistische Partei auch höchst erfolgreich getan: Von Beginn der Reformpolitik 1978 bis hin zu Xi Jinpings Machtübernahme vor etwa zehn Jahren stieg das Bruttoinlandsprodukt um mehr als das 60-Fache. Rund 800 Millionen Menschen sind extremer Armut entflohen.

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Der ökonomische Aufstieg ist ins Stocken geraten

Doch der ökonomische Aufstieg ist seit Beginn des Jahres erstmals nachhaltig ins Stocken geraten. Die radikalen Maßnahmen der Null-Covid-Strategie, allen voran flächendeckende Lockdowns, sorgten bis Mai für einen regelrechten Stillstand, der sich nur langsam entspannt. In einer Stellungnahme der Weltbank geht man zwar von einer Erholung in der zweiten Jahreshälfte aus, doch die Wachstumsvorhersage wurde auf 4,3 Prozent gedrosselt – für die Volksrepublik China ein enttäuschender Wert. Und mit jedem weiteren flächendeckenden Omikron-Ausbruch wird dieser weiter nach unten korrigiert.

China lässt dritten Flugzeugträger „Fujian“ vom Stapel

Das Land überholt damit Großbritannien, wo zwei dieser Schiffe einsetzbar sind. Nur die Vereinigten Staaten sind mit elf Flugzeugträgern besser ausgerüstet.

Der Frust innerhalb der Bevölkerung lässt sich nur schwer bemessen, schließlich gibt es längst keine unabhängigen Medien und auch die Onlineplattformen werden stark zensiert. Doch immer wieder flammen einzelne Proteste auf, zuletzt bei einem bekannten Kleidermarkt in Shanghai: Dort zogen am Montag Hunderte Händlerinnen und Händler auf die Straße, um für eine sechsmonatige Mietbefreiung zu protestieren. Die meisten von ihnen mussten nahezu drei Monate ihre Geschäfte schließen, ohne jedoch staatliche Hilfen zu erhalten. Die Polizei löste den Protest zwar rasch auf, doch etliche Videos wurden zuvor auf den sozialen Medien hochgeladen.

Null-Covid-Politik ist große Bremse

Die nach wie vor geltende Null-Covid-Politik ist derzeit die größte Bremse für eine Rückkehr zur wirtschaftlichen Normalität. Nicht nur die regelmäßigen Lockdowns verschlingen hohe Ressourcen. Auch die Infrastruktur zur Aufrechterhaltung des fragilen Alltags: So hat China seit Beginn der Pandemie nahezu zwölf Milliarden PCR-Tests durchgeführt, die meisten davon seit Beginn des Jahres. In fast allen Metropolen des Landes werden alle paar Tage die gesamte Bevölkerung auf das Coronavirus getestet. Allein in Shanghai wurden bereits 15.000 solcher Stationen errichtet, in Peking über 9000.

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Ein Long-Covid-Patient macht ein Atemtraining in einem Gymnastikraum.

Was wissen wir nun über Long Covid – und was nicht?

Viele Corona-Infizierte haben Monate später noch Symptome. Diese Spätfolgen, auch Long Covid genannt, geben Medizinerinnen und Medizinern nach wie vor viele Rätsel auf. Wen trifft die Diagnose? Wie lange ist man krank? Wo gibt es Hilfe? Sieben Dinge, die wir inzwischen wissen – und vier, hinter denen noch große Fragezeichen stehen.

Doch die immensen Kosten für solche Maßnahmen können von den hochverschuldeten Lokalregierungen nicht mehr ohne Weiteres geschultert werden. Zuletzt sorgte für Unmut, dass immer häufiger die Bevölkerung zur Kasse gebeten wird: Angestellte von Staatsunternehmen berichten etwa regelmäßig, dass sie dazu aufgefordert werden, Teile ihres Gehalts zur Corona-Prävention an die Seuchenschutzbehörde zu spenden. Dabei unterstützen sie gezwungenermaßen eine Politik, die insbesondere in den großen Städten immer weniger Leute befürworten.

Haushaltsdefizit steigt weiter

Und das Haushaltsdefizit Chinas ist in den ersten fünf Monaten des Jahres bereits auf 2,9 Billionen Yuan angestiegen, was umgerechnet über 140 Milliarden Euro entspricht. Das Minus liegt damit im direkten Vergleich höher als im Krisenjahr 2020, während dem Chinas Volkswirtschaft zu Beginn des Jahres vollständig zum Erliegen kam. Der Grund für das gestiegene Staatsdefizit sind auch die gesunkenen Steuereinnahmen.

Denn durch alle Branchen hinweg werden die Löhne in China gekürzt. Besonders betroffen ist die Techbranche, die noch 2020 als am schnellsten wachsender Wirtschaftszweig galt. Doch seit die Regierung in Peking im Sommer letzten Jahres sämtliche Internetunternehmen einer nachhaltigen Regulierungswelle unterzogen hat, wurden Zehntausende Angestellte entlassen.

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Für die Jugend des Landes sind Alibaba, Tencent und Co. längst nicht mehr die Arbeitgeber Nummer eins. Stattdessen sehnen sich immer mehr junge Chinesinnen und Chinesen nach sicheren Jobs, etwa bei Staatsunternehmen oder im öffentlichen Dienst.

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