Kommentar zu Lauterbachs Eckpunkten

Der Jugendschutz darf bei der Cannabislegalisierung nicht unter die Räder kommen

Ein Mann raucht einen Joint (Symbolbild).

Ein Mann raucht einen Joint (Symbolbild).

Eine Legalisierung von Cannabis ist Ausdruck einer Drogenpolitik, die in der Realität angekommen ist. Sie ist die Anpassung an das bereits bestehende Konsumverhalten vieler Menschen – daher ist der Plan von Gesundheitsminister Karl Lauterbach folgerichtig. Die Legalisierung darf aber nur voranschreiten, wenn gewährleistet werden kann, dass der Jugendschutz nicht unter die Räder kommt.

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Legalisierung muss mit Präventionsarbeit einhergehen

Egal, wie man es dreht oder wendet: Das Signal, das von einer Legalisierung ausgeht, ist Normalisierung. Für die Entwicklung Minderjähriger ist Cannabis aber nach wie vor gefährlich. Die Legalisierung muss deswegen immer mit Präventionsarbeit einhergehen. Wenn Minderjährige mit Cannabis erwischt werden, sind Aufklärungskurse zwingend notwendig. Schon vorher sollte es ähnliche Angebote in Schulen geben. Dafür müssen Bund und Länder die Kapazitäten schaffen, bevor das erste Cannabispäckchen legal über die Ladentheke geht.

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Ja, das würde zwar eine Ungleichbehandlung mit minderjährigen Alkoholkonsumentinnen und ‑konsumenten bedeuten. Aber nur weil Alkoholkonsum legal und in der Gesellschaft normalisiert ist, dürfen nicht die gleichen Fehler bei Cannabis gemacht werden, indem Jugendlichen vermittelt wird, dass Joints harmlos sind.

Durchsetzung der Regeln ist unklar

Grundsätzlich ist bei Lauterbachs Plänen unklar, wie Besitz- und Eigenanbaugrenzen durchgesetzt werden sollen. Ein Einfallstor ist der Eigenanbau zudem, weil durch ihn auch Minderjährige an Cannabis kommen könnten. Vermieden werden müsste auch, dass Jugendliche über Erwachsene an Cannabis kommen, indem sie ältere Freunde zum Kauf losschicken. Doch Kontrollen sind quasi unmöglich, weswegen Präventionsarbeit das wichtigste Mittel ist.

Lauterbach legt erste Eckpunkte zur Legalisierung von Cannabis vor

In Deutschland soll künftig Kauf und Besitz von 20 Gramm Cannabis ab dem Alter von 18 Jahren grundsätzlich straffrei sein.

Die Ampel will mit der Legalisierung den Dealern den Garaus machen. Doch die Zerschlagung des Schwarzmarktes und der Jugendschutz sind schwer unter einen Hut zu bekommen. Zu viele Detailregeln könnten Erwachsenen den legalen Erwerb erschweren und verteuern. Gleichzeitig sind Regeln wie THC-Stufen für verschiedene Altersklassen unausweichlich. Die Bundesregierung muss daher nochmal über die richtige Balance zwischen den beiden Polen nachdenken, sodass Regeln zum Schutz Minderjähriger und die Einfachheit des Kaufs für Erwachsene in Einklang gebracht werden können.

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Unter dem Strich muss Cannabis leicht verfügbar gemacht und kostengünstig angeboten werden, damit Konsumenten nicht den Kauf bei Dealerinnen und Dealern bevorzugen. Dabei darf die Aufklärungsarbeit nicht hinten runterfallen: Für den Verkauf sind Apotheken der richtige Ort, weil sie flächendeckend vorhanden sind, Onlineversand anbieten und Gesundheitsschutz der Kern ihrer Arbeit ist. Auf andere Verkaufsstrukturen sollte die Ampel verzichten.

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