Einmal Pakistan und zurück

Baerbocks Corona-Infektion: Das Protokoll einer Regierungsreise

Da gab es noch keinen positiven Test: Annalena Baerbock nach ihrem Gespräch mit dem pakistanischen Außenminister, Bhutto-Zardari

Da gab es noch keinen positiven Test: Annalena Baerbock nach ihrem Gespräch mit dem pakistanischen Außenminister, Bhutto-Zardari

Islamabad. Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) sollte eigentlich erst Freitagnacht zurückkehren. Doch schon am ersten aktiven Tag ihrer Regierungsreise, die sie von Pakistan über Griechenland in die Türkei führen sollte, war klar: Bereits am Mittwoch geht es aus Islamabad zurück nach Berlin. Baerbock war positiv auf Corona getestet worden. Die Ministerin begab sich in Quarantäne in ihr Hotelzimmer. Der Rest ihres Pakistan-Programmes übernahmen eine Abteilungsleiterin und zwei andere führende Beamte. Und dann waren da noch jede Menge Absagen. Das führt zur Frage: Wie funktioniert eigentlich so eine Ministerreise?

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Mehrere Monate vorher: Annalena Baerbock hat ihr neues Amt übernommen. Und gleich am Tag nach ihrem Amtseid geht sie auf die erste Reise. Die Ziele sind symbolträchtig und sehr europäisch: Paris, Brüssel, Warschau. Die Ideen für weitere Reiseziele werden früh gesammelt, Pakistan steht bald mit auf der Liste. Das Nachbarland Afghanistans hat nach der Machtübernahme der Taliban, aber auch schon vorher, viele Geflüchtete aus Afghanistan aufgenommen. Und Baerbock will, dass die Evakuierung Schutzbedürftiger besser läuft. Aber dann greift Russland die Ukraine an. In Pakistan stürzt die Regierung. Baerbock wartet erst mal ab.

Außenministerin Baerbock positiv auf Coronavirus getestet

Außenministerin Annalena Baerbock wurde während ihres Aufenthalts in der Hauptstadt Pakistans positiv auf das Coronavirus getestet.

Reise schon Wochen vorher geplant

Etwa zwei Wochen vorher: Die Planungen werden konkreter. Es gibt Reisetermine, die Türkei und Griechenland werden mit ins Programm genommen. Auch dort stehen noch Antrittsbesuche an. Und die Türkei blockiert gerade den Nato-Beitritt Schwedens und Finnlands. Die Protokollabteilung des Hauses beginnt zu arbeiten. Sie kontaktieren die Botschaften vor Ort. Dass der Außenminister des Gastlandes getroffen wird, ist klar.

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Aber welche weiteren Programmideen gibt es? Darüber denken auch die Fachabteilungen im Auswärtigen Amt nach. Die Pressestelle wird hinzugezogen, schließlich soll eine Reise nicht im Verborgenen ablaufen, sondern auch Bilder produzieren. Es wird viel telefoniert und gemailt. Es werden Fahrtdistanzen gemessen, Räume und Autos gebucht, Hotelkontingente gesichert, ein Flugzeug der Flugbereitschaft reserviert. Und schließlich: Ein paar Tage vor Abflug bekommen auch die Journalistinnen und Journalisten Bescheid.

Der Flug: Am Abend des Pfingstmontag steht auf dem Berliner Flughafen eine Maschine mit der Aufschrift „Bundesrepublik Deutschland“. Die Außenministerin fliegt wie der Kanzler und der Wirtschaftsminister in der Regel mit der Flugbereitschaft der Bundeswehr. Zumindest von Paris nach Brüssel hat sie auch schon mal den Zug genommen.

An diesem Abend steigen Baerbocks Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein: Pressesprecherinnen und -sprecher, Sicherheitsleute, Fachleute für das Land und die Cheforganisatoren, die Protokollmitarbeiterinnen und -mitarbeiter. Ein paar Journalistinnen und Journalisten sind auch mit an Bord – und außerdem Mitarbeitende von Menschenrechtsorganisationen, die bei der Evakuierung von Afghaninnen und Afghanen geholfen haben, vier Frauen und ein Mann. Es herrscht Maskenpflicht. Die Sitzordnung ist klar geregelt: Baerbock und ihre Leute nehmen im vorderen Bereich Platz, abgetrennt durch einen Vorhang. Der Dresscode: bequem. Schließlich steht ein Nachtflug an.

Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen), Außenministerin, steigt auf dem Weg nach Islamabad (Pakistan) bei einer Zwischenlandung in Larnaka (Zypern) aus einem Flugzeug der Flugbereitschaft der Bundeswehr.

Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen), Außenministerin, steigt auf dem Weg nach Islamabad (Pakistan) bei einer Zwischenlandung in Larnaka (Zypern) aus einem Flugzeug der Flugbereitschaft der Bundeswehr.

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Die Ministerin spricht mit ihren Leuten noch mal die Reise durch. Weil die Maschine klein ist und Pakistan weit, gibt es einen Zwischenstopp auf Zypern. Zum Auftanken müssen alle das Flugzeug verlassen, auch die Ministerin. In einem VIP-Gebäude des Flughafens stehen große schwarze Sessel mit Kunststoffbezug. Auf einem Schild wird auf russisch daran erinnert, dass maximal 10.000 Euro Bargeld ausgeführt werden darf.

Baerbock nutzt die Zeit für ein Hintergrundgespräch mit der Presse, sonst passiert das meist im Flugzeug. Im Flughafen ist es deutlich leiser. Das Gespräch ist vertraulich, es kann mitgeschrieben, aber nicht gefilmt oder aufgenommen und auch nicht daraus zitiert werden – „unter drei″ heißt das der Pressesprache. Sinn ist, dass Journalistinnen und Journalisten etwas mehr erfahren als das, was in diesem Fall die Ministerin öffentlich sagt. Es geht um Einschätzungen zur Reise, Baerbock trägt Jeans und Strickjacke, ist gut gelaunt und fokussiert. Dann ist getankt, der Flug geht weiter.

Islamabad: Keine Treppe auf dem Rollfeld

Die Ankunft: Um 9 Uhr morgens landet das Flugzeug aus Deutschland in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. Es ist diesig, die nahen Berge lassen sich nur durch einen Schleier erahnen. Und auch sonst gibt es keine klassischen Ankunftsbilder: Anders als sonst gibt es keine Treppe aufs Rollfeld, sondern das Flugzeug dockt am Flughafengebäude an. Die Autokolonne aus Limousinen wartet nicht wie sonst auf dem Rollfeld, sondern vor dem Gebäude. Wer wo einsteigt, ist klar geregelt: Jedem Fahrzeug sind Delegationsmitglieder zugeordnet. Und es gibt die erste Änderung: Die Delegation hat Verspätung. Das Gespräch mit Menschenrechtsorganisationen, als erster Programmpunkt geplant, wird in den Abend verschoben. Die Botschaftsmitarbeiter telefonieren. Es hat 36 Grad, auch für Islamabad ist das ungewöhnlich heiß.

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Kolonnenfahrt: Fahrerin oder Fahrer für offizielle Fahrzeugkolonnen – wer diesen Job hat, darf nicht ängstlich sein. In hohem Tempo fährt die Autoschlange über die Autobahn, durch Vororte und die Innenstadt. Es ist eine eher ruhige Fahrt, der Verkehr ist mäßig. Das ist nicht immer so: Eskortiert von Sicherheitsfahrzeugen werden auf manchen Reisen Schlangenlinien durch den Berufsverkehr gefahren, oft wirkt es bedenklich knapp. Für schwache Mägen ist so eine Fahrt nichts. Wer in einer Kolonne mitfahren will, muss überpünktlich sein. Wenn der Kanzler oder die Kanzlerin, der Minister oder die Ministerin kommt, geht es los. Wer dann erst aus der Hoteltür schlendert, bleibt zurück. Mit dem Taxi hinterher ist nicht immer eine Alternative: Der Fahrtkorridor der Polizei, der ein schnelles Durchqueren der Stadt ermöglicht, hat sich dann bereits wieder geschlossen.

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Das erste offizielle Treffen: der Außenminister: Um kurz vor halb 12 tritt der pakistanische Außenminister vor die Tür seines Ministeriums. Bilawal Bhutto Zardari hat den Job erst vor ein paar Wochen übernommen. Er ist erst 33 Jahre alt, aber schon seit Langem in der Politik, aus tragischen Gründen: Den Parteivorsitz der Pakistanischen Volkspartei übernahm er nachdem 2007 seine Mutter Benazir Bhutto bei einem Anschlag getötet wurde.

In einer weißen Limousine fährt Baerbock vor. Sie hat sich bei einem kurzen Zwischenstopp im Hotel umgezogen und trägt jetzt ein langes rotes Kleid. Flugs wird ein roter Teppich über die Auffahrt gerollt. Über den gehen die beiden Minister vor ihrem Gespräch schnell noch in den Garten. Dort ist ein Loch gegraben, Schaufel, eine grüne Plastikkanne und eine kleine Kiefer stehen bereit. Baerbock und ihr Kollege packen irgendwie an, ein Mitarbeiter hilft. „Ich hoffe, die Erde ist gut“, sagt Bhutto Zardari.

Baerbock fragt, wo ihr Vorgänger Heiko Maas sein Bäumchen gepflanzt hat. 50 Meter weiter am Geländeeingang. Das ist zu weit, das Gespräch wartet. Zurück bleibt die Kiefer und eine Plakette auf Stein mit Baerbocks Namen.

Während die Minister konferieren, füllt sich ein Saal mit Journalisten. Sie nehmen auf weichen grünen Sesseln Platz. Mitarbeitende der deutschen Botschaft arrangieren auf einem kleinen Tisch neben einem Pult ein Wasserglas. Hier wird eine Stunde später Baerbock stehen, bei der Pressekonferenz. Bhutto Zardari strahlt sich durch seine Antworten, Baerbock blickt konzentriert. Es wird englisch gefragt und geantwortet. Baerbock hat darauf verzichtet, einen Übersetzer oder eine Übersetzerin mitzunehmen. Anschließend gehen beide Minister zum Essen.

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Die Absage: Die Journalistinnen und Journalisten fahren schon einmal in die Deutsche Botschaft. Dort ist der nächste Termin angesagt: Baerbock will sich mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern treffen, die dort die Evakuierung von Afghaninnen und Afghanen organisieren. Für Visa-Gesuche ist die Botschaft an diesem Tag geschlossen. In ihren Büros warten die Mitarbeitenden auf die Ministerin. Die Presse schreibt erste Texte.

Baerbock kommt mit etwas Verspätung gegen halb vier. Weil es eng ist, gibt es genaue Anweisungen, wer wann mit in die Räume darf. Aber dann kommt alles anders: Baerbock verschwindet im ersten Stock der Botschaft. Eine halbe Stunde später erscheint ihr Pressesprecher: Die Ministerin hat einen positiven Corona-Test und Symptome – Sie konnte das Mittagessen nicht schmecken.

Vizeadmiral Kaack, Inspekteur der Deutschen Marine.

Droht eine Eskalation von Russlands Angriffskrieg in der Ostsee, Herr Kaack?

Seit knapp 100 Tagen ist Jan Christian Kaack Inspekteur der Deutschen Marine. Im Interview spricht der Vizeadmiral ob sich Russlands Krieg gegen die Ukraine auf die Ostsee ausweiten könnte – und was er sich von Verteidigungsministerin Lambrecht wünscht.

Die Journalistinnen und Journalisten alarmieren die Redaktionen und schreiben ihre Texte um. Botschaftsmitarbeitende und Protokollbeamte fangen an zu telefonieren. Die nächsten Termine, ein Treffen mit Afghanen vor ihrer Ausreise und das verschobene Treffen mit Vertreterinnen von Menschenrechtsorganisationen, übernehmen eine Referatsleiterin und zwei weitere hohe Beamte. Die Protokollbeamten telefonieren: Termine absagen oder verschieben. Am Abend ist klar: Die Reise wird abgebrochen, die Besuche in Griechenland und der Türkei fallen aus. Über ein Dutzend Termine müssen hier abgesagt werden: Treffen mit Ministerin, Wirtschaftsvertretern, Schülern, Archäologen, Oppositionspolitikern, Flüchtlingshelfern, Vertreterinnen eines Frauenhauses.

Spät am Abend verschickt der Pressesprecher eine Nachricht an die Journalisten: Auch der PCR-Test ist positiv.

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