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Personalnotstand wegen Omikron

75 Prozent der Krankenhäuser arbeiten nur noch eingeschränkt

Pflegerinnen und Pfleger kümmern sich auf der Intensivstation im Klinikum Offenbach um einen Patienten.

Berlin. Angesichts steigender Omikron-Infektionszahlen wird die Versorgungslage in den Kliniken nach Angaben der Deutschen Krankenhaus­gesellschaft (DKG) immer enger. „Wir haben flächendeckend ein Problem mit Personalausfällen durch Quarantäne und Isolation“, sagte der DKG-Vorstands­vorsitzende Gerald Gaß dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND).

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„Eine aktuelle Umfrage des Deutschen Krankenhaus­instituts zeigt, dass 75 Prozent der Krankenhäuser nicht mehr in der Lage sind, ihr normales Leistungsangebot anzubieten. Und ausschlaggebend dafür sind die Personalausfälle.“

„Dramatische finanzielle Folgen“

Zeitgleich registriere die DKG Höchststände von coronapositiven Patientinnen und Patienten auf den Normalstationen, auch der Aufwand wegen des Infektions­schutzes sei groß. „Und die hohen Inzidenzen lassen auch kein Durchatmen in der kommenden Woche erwarten. Einzig positiv ist, dass die Belegung auf den Intensivstationen nicht weiter ansteigt“, betonte Gaß. „In dieser Situation müssen die Krankenhäuser die Regelversorgung wegen der Personalausfälle einschränken.“

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Das habe „dramatische finanziellen Folgen“, weil die Regierung den am 20. März ausgelaufenen Corona-Rettungsschirm für Kliniken nicht fristgerecht und frühzeitig verlängert habe. Der Verbandschef kritisierte: „Hier gehen die Entscheidungen nicht zusammen. Einerseits wird bis auf den Basisschutz gelockert, selbst die Maskenpflicht im Einzelhandel wird gestrichen. Andererseits werden die Kliniken nicht abgesichert.“

Die Liquidität sei gefährdet. „Jetzt gibt es zwar Ankündigungen, die Ausgleichszahlungen bis Mitte April und den Versorgungszuschlag bis Juni zu verlängern“, sagte Gaß. „Ich kann die Politik und den Bundesgesundheits­minister nur dringend auffordern, auch über den April hinaus Klarheit zu schaffen.“ Die Krankenhäuser verlören in jedem Monat eine Milliarde Euro durch den Wegfall des Rettungsschirms.

Lage bei Feuerwehren und Polizeistellen

Anders sieht die Krankheitslage bei den Feuerwehren und Polizeistellen aus. So seien dem Deutschen Feuerwehrverband keine Situationen bekannt, die nicht etwa mit dem Einsatz von freiwilligen Feuerwehren als Ersatz bewältigt werden könnten, sagte Verbandspräsident Karl-Heinz Banse dem RND. Genaue Zahlen zur Krankenlage gebe es jedoch auf Bundesebene nicht. „Durch die persönlichen Schutzausrüstungen im Einsatz sind hohe Sicherheitsmaßnahmen vorhanden“, unterstrich Banse. „Die Feuerwehr­angehörigen können hierdurch sich und andere schützen.“

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Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) erhebt keine Krankheitsstände aller Polizeistellen, verwies aber auf die geltenden Schutzmaßnahmen. Entscheidend sei, dass die Polizeien bereits zu Beginn der Corona-Pandemie sehr umsichtig auf die möglichen Gefahren für die Beschäftigten reagiert hätten, teilte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Oliver Malchow, dem RND mit.

Nicht zu vergessen sei die bundesweit sehr hohe Impfquote. „Vor dem Hintergrund weiterer Lockerungen ist es natürlich nicht auszuschließen, dass sich Kolleginnen und Kollegen mit einer Variante des Coronavirus im Dienst oder in der Freizeit infizieren werden“, sagte Malchow. „Keinesfalls werden die Polizeien hierzulande jedoch nun alle Vorsichts­maßnahmen über Bord werfen.“

Die Ampelkoalition hatte mit der Änderung des Infektions­schutzgesetzes die Corona-Schutzauflagen gelockert. Fürs Zugfahren mit der Deutschen Bahn etwa braucht man keinen 3G-Nachweis als geimpft, genesen oder getestet mehr. Aufgehoben ist auch die Pflicht zu 3G-Zutritts­nachweisen am Arbeitsplatz – künftig können Firmen selbst Schutzkonzepte festlegen. Am Lockerungskurs der Ampelkoalition gibt es breite Kritik, vor allem weil aufgrund erhöhter Krankheitsstände die kritische Infrastruktur bedroht ist.

Am Dienstag stieg die Inzidenz in Deutschland weiter: Das RKI meldete 222.080 Corona-Neuinfektionen. Unterdessen muss Österreich die Corona-Maßnahmen nun doch wieder nachschärfen. Ab Mitte der neuen Woche müssen in öffentlichen Innenräumen wieder FFP2-Masken getragen werden.

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