35 Jahre nach Tschernobyl: Experten aus Deutschland messen Strahlung

Das Pilotenteam der Bundespolizei vor ihrem Einsatz zur Strahlungsmessung in der Sperrzone um das Kernkraftwerk Tschernobyl.

Das Pilotenteam der Bundespolizei vor ihrem Einsatz zur Strahlungsmessung in der Sperrzone um das Kernkraftwerk Tschernobyl.

Tschernobyl. 35 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl messen deutsche Spezialisten die Strahlung an dem Unglücksreaktor in der Ukraine. Sie seien gemeinsam mit einheimischen Experten noch mindestens bis diesen Freitag im Einsatz, sagte Christopher Strobl vom Bundesamt für Strahlenschutz in der Sperrzone, die etwa 100 Kilometer von der Hauptstadt Kiew entfernt liegt. Die Ergebnisse sollen im April 2022 bei einer Konferenz vorgelegt werden.

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Die Stadt Prypjat und das Atomkraftwerk Tschernobyl sind seit der Katastrophe von 1986 Sperrgebiet – aber für Touristen freigegeben.

Die Stadt Prypjat und das Atomkraftwerk Tschernobyl sind seit der Katastrophe von 1986 Sperrgebiet – aber für Touristen freigegeben.

Auch eine weitere deutsche Behörde ist an der Aktion beteiligt. „Wir haben zwei Hubschrauber der Bundespolizei mit jeweils 120 genehmigten Flugstunden“, erklärte Klaus-Jürgen Jess von der Bundespolizei vor Ort. Die Helikopter messen demnach in 100 Metern Höhe. Damit können aus der Entfernung eventuelle Strahlungsschwerpunkte festgestellt werden. Direkt am Sarkophag über dem Unglücksreaktor dürfen die Fachleute aber nicht fliegen und messen.

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Dem Bundesamt zufolge ist es das erste Mal, dass deutsche Hubschrauber dabei eingesetzt werden. Gemeinsame Messungen in Tschernobyl habe es bereits zweimal gegeben.

Ziel ist es den Angaben zufolge, eine neue Karte zu erstellen, die die radioaktive Belastung in der Sperrzone zeigt. Zuletzt sei eine solche vollständige Kartierung in den 1980er-Jahren erfolgt.

Strobl zufolge gibt es etwa 200 Messpunkte am Boden, die von den insgesamt 100 Experten kontrolliert würden. „Drohnen sind ebenfalls im Einsatz“, sagte der Strahlenschutz-Fachmann. Er lobte zugleich die Kooperation mit der Ukraine: „Das ist eine ganz enge Zusammenarbeit, und so ein Erfahrungsaustausch ist ganz wichtig.“

Die Explosion im Jahr 1986 im damals noch sowjetischen Kraftwerk Tschernobyl gilt als die größte Katastrophe bei der zivilen Nutzung der Kernkraft. Es gab Tausende Tote und Verletzte. In der Folge wurden radioaktiv verstrahlte Landstriche um die Atomruine gesperrt. Zehntausende Menschen wurden zwangsumgesiedelt. Die Ukraine will das Sperrgebiet verstärkt wirtschaftlich nutzen. Es ist außerdem für Touristen wieder zugänglich.

RND/dpa

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