Wer machts besser als Deutschland?

So trennt die Welt ihren Müll

Wer den Abfall richtig trennt, trägt dazu bei, dass Wertstoffe recycelt werden können.

Wer den Abfall richtig trennt, trägt dazu bei, dass Wertstoffe recycelt werden können.

Metallschrott, Pappe oder Hartplastik: Wer schon einmal Abfall auf einen Wert­stoff­hof gekarrt hat, weiß um den Stellenwert der Müll­trennung hierzulande. Und auch in deutschen Küchen reihen sich diverse Behältnisse zum Sammeln verschiedener Abfälle aneinander. Auf denen liegt jedes Jahr am 18. März ein besonders großes Augenmerk. Denn seit 2018 wird an diesem Datum der Welt­recycling­tag gefeiert.

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Ein Blick auf die Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) verrät: 79 Prozent der eingesammelten Verpackungen wurden im Jahr 2020 recycelt. Zu dieser Abfallart zählt alles, was in den Glascontainer, die blaue Tonne oder den gelben Sack gehört. Weitere 12 Prozent des Verpackungsmülls werden verbrannt.

Dieses Schicksal ereilt auch den Großteil des Abfalls in der Restmülltonne. Hier ist der Name nämlich Programm. In die schwarze Tonne gehört wirklich nur, was sich in keine andere Kategorie einteilen lässt, wie benutzte Taschentücher oder Katzenstreu. Biomüll – etwa Obstschalen oder Kaffeesatz – sollte man stets separat sammeln. Denn aus dem Inhalt der braunen Tonne entsteht wertvoller Kompost.

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Doch die Deutschen sind nicht nur Meister im Mülltrennen, sondern ebenso im Verursachen. Rund 630 Kilogramm Abfall pro Jahr produzieren jede und jeder hierzulande im Schnitt, berichtet Destatis. Zum Vergleich: Der EU-Durchschnitt liegt bei 505 Kilogramm pro Kopf.

Doch wie sortieren eigentlich andere Länder ihren Müll? Eine Übersicht.

Frankreich

Bio- und Restmüll trennen? Das gilt in den meisten französischen Städten als zu kompliziert. Im ostfranzösischen Metz hat sich jedoch ein Verein gegründet, dessen Mitglieder ehrenamtlich mit dem Rad Obst- und Gemüse­schalen bei Restaurants abholen. Der Kompost wird dann an Interessenten verteilt. „Biomüll füllt ein Drittel unserer Mülleimer und besteht zu 80 Prozent aus Wasser“, sagt Vereinsgründer Adrien Walck: Es sei „irrsinnig“, Energie für die Verbrennung von Wasser aufzuwenden. Die Nachfrage ist riesig: ein Zeichen für die Kommunen, doch Kompost­systeme einzuführen.

USA

Die USA verursachen insgesamt viel Müll in der Welt: zwei Kilo am Tag pro Bewohner. Zwar gibt es in linksliberalen Bundesstaaten ein wachsendes Umwelt­bewusstsein. Dort sind Plastik­stroh­halme, Styropor­becher und dickere Plastiktüten verboten. Aber der Bewusstseins­wandel setzt sich nur langsam im ganzen Land durch. So wird der Müll zwar getrennt, doch mangels Recycling­kapazitäten landen Dosen, Plastik und Papier aus der blauen Tonne am Ende oft doch auf der Deponie.

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Griechenland

In der griechischen Hauptstadt Athen kommt die Müllabfuhr, wenn andere schlafen – jede Nacht. So verrottet der Abfall in den heißen Sommer­monaten nicht in den Mülltonnen. Auch die Beseitigung ist ein dunkles Kapitel. Fast der gesamte Müll der Vier­millionen­stadt landet seit Jahrzehnten auf einer riesigen Deponie im Nordwesten der Metropole. Beim Abfall­management belegt Griechenland nach einer Studie des Wirtschafts­forschungs­instituts IOBE unter den 27 EU-Staaten den letzten Platz. Vor allem auf dem Land ist Recycling immer noch ein Fremdwort. Selbst auf Urlaubsinseln wie Mykonos und Santorin gibt es wilde Müllkippen am Straßenrand.

Großbritannien

Im Vereinigten Königreich werden nur rund 45 Prozent des Mülls wieder­verwertet. Die Briten führen stattdessen eine andere Statistik an. Sie sind eines der Länder, die den meisten Plastikmüll exportieren. Denn anders als in der EU ist dies auf der Insel weiterhin erlaubt, selbst wenn dieser im Ausland nicht recycelt wird. Flaschen und Behälter aus dem Königreich landen massenhaft in Indonesien, Malaysia oder der Türkei.

Neuseeland

Neuseeland gilt als grüne Insel – dabei produzieren die fünf Millionen Kiwis relativ viel Müll: Über 3,6 Kilo pro Person pro Tag. Eine Gemeinde in Neuseeland ließ sich deswegen etwas Schlaues einfallen: Sie belohnt ihre Bürger mit einem goldenen Sternchen­aufkleber für gutes Recycling. Die Mülleimer derjenigen, die wiederholt schlecht recycelt hatten, wurden dagegen beschlagnahmt. Die aus dem Kindergarten geklaute Idee funktionierte so gut, dass bald fast 80 Prozent der Recycling-Lkw direkt zu den Sortier­anlagen fahren konnten, weil der Müll gut sortiert war.

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Italien

Zuerst Neapel, dann Rom: Seit Jahren machen italienische Städte Schlagzeilen mit Müllbergen, die auch mal bis zu den Fenstern im zweiten Stock reichen. Dabei verursachen die Italiener ungefähr so viel Müll wie ein EU-Durchschnittsbürger: pro Jahr und Einwohner rund 500 Kilo. Das Hauptproblem: Die meisten Italiener haben eine ebenso panische wie irrationale Angst vor Müll­verbrennungs­anlagen. Die Öfen gelten als Teufelswerk, die über ihren Kamin todbringendes Gift in der Atmosphäre verteilen.

RND/saf/biho/doe/ghö/sue/bab/dsr

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