Seit Mittwochabend: Waldbrand-Einsatz in Brandenburg soll noch Tage dauern
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Waldbrand in Jüterbog breitet sich auf 150 Hektar aus, Bei dem Waldbrand bei Jüterbog verschärfte der aufkommende Wind und die warmen Temperaturen am Wochenende die Lage am Brandort. Das Feuer hatte sich bis zum Sonntagnachmittag auf ca. 150 Hektar ausgedehnt. Die Feuerwehr Jüterbog war mit zahlreichen Kräften im Einsatz und löschte vom Weg aus partiell die Brandherde ab, nach wie vor kann die Feuerwehr nur eingeschränkt vom Boden aus löschen, aufgrund der vorhandenen Munitionsverdachtsflächen auf dem gesamten Gebiet.
© Quelle: IMAGO/A. Friedrichs
Jüterbog. Flammen schlagen aus dem Wald, Rauchschwaden türmen sich auf. Den fünften Tag in Folge ist die Feuerwehr am Sonntag beim Waldbrand bei Jüterbog im Einsatz - und kann doch wenig ausrichten. Es ist der bislang größte Waldbrand in diesem Jahr in Brandenburg. Wie schon häufiger im vergangenen Jahr ist wieder ein munitionsbelastetes Gebiet betroffen. Die Feuerwehrleute können auf dem riesigen ehemaligen Truppenübungsplatz bei Jüterbog nicht nah genug an die Brandstellen heranrücken. „Es ist frustrierend für den Feuerwehrmann, der hier steht und nichts machen kann“, sagte Einsatzleiter Rico Walentin.
Brand dehnt sich weiter aus
Auch am Sonntag rechnete er damit, dass sich der Brand, der am Mittwochabend ausbrach, weiter ausdehnt. Die Rauchentwicklung nahm wieder zu. Der Einsatz werde noch Tage anhalten, meinte Walentin, der seit vielen Jahren Feuerwehrmann ist und seit Anfang 2022 Stadtbrandmeister von Jüterbog. Regen und kühleres Wetter sind vorerst nicht Sicht.
Das betroffene Gebiet umfasst laut Feuerwehr eine Fläche von rund 150 Hektar. Zum Vergleich: Die Parkfläche von Sanssouci in Potsdam hat rund 300 Hektar, der Berliner Mauerpark ist etwa 15 Hektar groß.
„Der Brand ist zu weit weg, um mit unseren Wasserwerfern was zu erreichen“, sagte Walentin. Wegen der Explosionsgefahr auf dem Gelände können die Feuerwehrleute nur von sicheren Wegen aus löschen. An einigen Flanken habe das Feuer aufgehalten werden können, sagte Walentin am Sonntagmittag.
„In der Fläche brennt es langsam vor sich hin“
Flugzeuge, Hubschrauber oder Löschpanzer seien nicht angefordert worden, sagte die Leiterin des Ordnungsamtes Jüterbog, Christiane Lindner-Klopsch. Die Zahl der am Sonntag bislang eingesetzten Feuerwehrleute gab sie mit „unter 50“ an.
„In der Fläche brennt es langsam vor sich hin“, meinte Lindner-Klopsch dann am späten Sonntagnachmittag. In der Nacht würden auch die geringer werdenden Temperaturen helfen.
Die Feuerwehr Jüterbog musste am Sonntag auch noch zu Nachlöscharbeiten wegen eines anderen Waldbrandes im Forst Zinna ausrücken. Es seien rund 4 Hektar betroffen, sagte Stadtbrandmeister Walentin. Er vermutet Brandstiftung. Von einem Fahrradweg aus habe es links und rechts immer wieder gebrannt. Menschliches Handeln verursacht nach Angaben des brandenburgischen Umweltministeriums mehr als 90 Prozent aller Waldbrände.
Brandenburg besonders anfällig für Waldbrände
Am Donnerstag und Freitag hatten Flugzeuge immer wieder tausende Liter Wasser über das Waldbrand-Gebiet abgeworfen. Das ist in Deutschland Neuland, da bislang vor allem Hubschrauber der Bundeswehr und Bundespolizei mit Löschbehältern bei großen Feuern im Einsatz sind.
Für das in Sachsen-Anhalt stationierte Löschflugzeug „Florian Harz 25“ war es der erste Einsatz, da die Maschine erst seit April im Landkreis Harz bereitsteht. „Mit Löschflugzeugen hatten wir nicht mehr den gewünschten Effekt, er war nicht massiv genug“, so der Jüterboger Einsatzleiter Walentin. Man hätte noch mehr Flugzeuge gebraucht.
Die betroffene Waldbrandfläche gehört zu einem großen Areal im Eigentum der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg. Sie sichert ehemalige Truppenübungsplätze für den Naturschutz. Der Geschäftsführer der Stiftung Naturlandschaften, Andreas Meißner, sagte der dpa, betroffen sei das „Herzstück“ der Wildnisfläche.
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Brandenburg gilt wegen sandiger Böden mit viel Kiefernwald, der schnell austrocknet, als besonders anfällig für Brände. Kein anderes Bundesland ist außerdem so stark mit Kampfmitteln belastet. Die Altlasten verrotten seit Jahrzehnten im Boden, bleiben aber gefährlich. Phosphormunition etwa gilt als leicht entflammbar.
CDU-Landespolitiker fordert Konzept für die Kampfmittel-Räumung
„Wenn die munitionsverseuchten Wälder in unserer Region nicht beräumt werden, wird es immer wieder zu Waldbränden kommen, weil sich die alte Munition, die im Boden liegt, selbst entzündet“, sagte der CDU-Landespolitiker Danny Eichelbaum, der auch Vorsitzender der Stadtverordnungsversammlung Jüterbog ist. Er forderte am Sonntag, der Bund solle ein Konzept für die Kampfmittel-Räumung vorlegen und mehr Geld bereitstellen.
Stadtbrandmeister Walentin blickt mit Sorge auf die bevorstehenden Monate: „Der Sommer geht erst richtig los. Erschreckend, wenn man überlegt, was da noch kommen könnte.“ Der Waldexperte und Professor an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, Pierre Ibisch, geht davon aus, dass mit dem Klimawandel das Brandrisiko steigt. Im vergangenen Jahr hatte es mehr als 500 Brände in Brandenburg gegeben - so viele wie seit Jahren nicht.
RND/dpa