Tiere aus der Ukraine

Vierbeiner auf der Flucht: Was passiert mit den Haustieren der Geflüchteten in Deutschland?

Ein Geflüchteter aus der Ukraine trägt seine beiden Hunde mit sich.

Ein Geflüchteter aus der Ukraine trägt seine beiden Hunde mit sich.

Mehr als 175.000 Menschen sind bereits vor dem Krieg in der Ukraine nach Deutschland geflüchtet. Die meisten von ihnen mussten alles zurücklassen, bis auf das, was sie selbst tragen können – und ihre Haustiere. Offizielle Angaben gibt es nicht, wie viele Tiere mit ihren Besitzerinnen und Besitzern nach Deutschland geflüchtet sind, die Zahl dürfte aber in die Tausende gehen.

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+++ Alle Entwicklungen zum Krieg gegen die Ukraine im Liveblog +++

Eine Einrichtung, die sich aktuell um das Wohl der Haustiere von Geflüchteten kümmert, ist das Tierheim Berlin des Tierschutzvereins Berlin (TVB). Das Tierheim im Nordosten der Hauptstadt bezeichnet sich mit einer Fläche von 16 Hektar (etwa 22 Fußballfelder) als das größte Tierheim Europas. Die Mitarbeitenden arbeiten derzeit an der Belastungsgrenze, wie TVB-Sprecherin Annette Rost am Mittwoch gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) erklärt.

TVB-Sprecherin Annette Rost.

TVB-Sprecherin Annette Rost.

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Rost: Tiere dürfen nicht von den Menschen getrennt werden

„Sehr viele Geflüchtete bringen ihre Haustiere mit – primär Hunde und Katzen“, sagt sie. Aber auch eine Rattenfamilie oder ein Papagei seien in ihrem Tierheim schon vorstellig geworden. „Die Familie, die mit dem Papagei zu uns kam, haben wir mit einer Voliere ausgestattet. Das geht alles schnell und unbürokratisch.“

An der Auslastungsgrenze steht das Tierheim jedoch noch nicht. Das liegt vor allem daran, dass in Berlin Geflüchtete ihre Haustiere in der Regel mit in die Unterkünfte nehmen dürfen. „Das ist eine sehr gute und weise Regelung, die wir als Tierschutzverein ausdrücklich begrüßen und von den anderen Ländern und Kommunen einfordern“, lobt Rost die Entscheidung der Politik und erklärt: „Wenn man sich vorstellt, wie traumatisierend eine Kriegssituation und die Flucht sind, wie traumatisierend ist es dann auch noch, wenn man in Sicherheit angekommen ist und sich von seinem geliebten Tier trennen muss? Solche Situationen sollte es nicht geben, um den Menschen nicht den letzten Halt zu nehmen, den sie noch haben.“ Auch für die meisten Tiere sei die Flucht belastend und eine Trennung sowieso.

Im Tierheim Berlin gibt es vier große Katzenhäuser, sechs große Hundehäuser, ein Kleintierhaus, ein Vogelhaus sowie ein großes Gehege für freilebende Katzen. Hinzu kommt der Tierschutz-Bauernhof für sogenannte Nutztiere wie Schweine, Ziegen, Schafe, Gänse und Hühner sowie eine Exotenstation für Reptilien, Affen und andere exotische Tiere.

Im Tierheim Berlin gibt es vier große Katzenhäuser, sechs große Hundehäuser, ein Kleintierhaus, ein Vogelhaus sowie ein großes Gehege für freilebende Katzen. Hinzu kommt der Tierschutz-Bauernhof für sogenannte Nutztiere wie Schweine, Ziegen, Schafe, Gänse und Hühner sowie eine Exotenstation für Reptilien, Affen und andere exotische Tiere.

Auch der Deutsche Tierschutzbund appelliert an die Behörden, die Unterkünfte so auszustatten, dass Mensch und Tier zusammenbleiben können. Die Tierheime in Deutschland bereiteten sich darauf vor, Haustiere aus der Ukraine aufzunehmen und zu versorgen. Doch viele hätten nicht genügend Platz, weil in der Corona-Zeit unüberlegt Hunde angeschafft und später an Tierheime abgegeben worden seien, sagte Sprecherin Lea Schmitz der Deutschen Presse-Agentur.

„Animal Care“-Station am Flughafen Tegel „funktioniert großartig“

Am alten Flughafen Tegel betreibt das Tierheim Berlin gemeinsam mit der Berliner Tiertafel eine sogenannte „Animal Care“-Station, wo die Tiere der Geflüchteten mit Futter, mit Transportboxen, mit Leinen und auch medizinisch versorgt werden. „Wir haben eine tierärztliche Versorgung installiert, sodass täglich eine Tierärztin oder ein Tierarzt vor Ort ist“, sagt Rost. Dort werden die Tiere registriert, gechippt, erhalten den europäischen Heimtierausweis und werden geimpft. Ähnliches gilt bei einem Besuch direkt im Tierheim. „Das funktioniert großartig“, sagt Rost. Verletzte Tiere werden sofort in die Tierklinik gebracht, fügt die TVB-Sprecherin hinzu.

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In der Regel fehlt der Tollwutschutz

Anders als in Berlin dürfen in vielen Bundesländern die Tiere nicht mit in die Flüchtlingsunterkünfte. So landen sie im Tierheim, das zu einer Art „Flüchtlingsheim für Tiere“ auf unbestimmte Zeit wird, wie Iris Mathea, Leiterin des Tierschutzvereins Heidelberg, dem Evangelischen Pressedienst sagte. Sie gehen wieder, wenn ihre Besitzerinnen und Besitzer eine private Unterkunft gefunden haben.

Da die Tiere jedoch oftmals nicht den erforderlichen Impfstatus für die Einreise in die Europäische Union haben, müssen sie zunächst isoliert gehalten werden. Während der Quarantäne dürfen sie keinen Kontakt zu anderen Tieren haben. In der Regel fehle der Tollwutschutz, sagt Mathea.

Tierschützerin: „Das stabilisiert Tier und Mensch“

Dass die Tiere ohne Heimtierpass einreisen dürfen, ist eine Ausnahme. „Mit Kriegsbeginn haben alle Anrainerstaaten der Ukraine sowie andere EU-Länder wie Deutschland oder die Niederlande ihre Einreisebedingungen für Ukrainer gelockert“, sagte Sarah Ross dem Evangelischen Pressedienst. Die Heimtierexpertin bei der Tierschutzorganisation Vier Pfoten mit Deutschlandsitz in Hamburg spricht von einem „kompletten Chaos“.

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Kaum jemand wisse, welche Anlaufstellen es für die Tiere der Geflüchteten gebe, welche Voraussetzungen für die Quarantäne gelten und wohin mit den Tieren, wenn die Tierheime voll seien. Im Idealfall würden die Tiere beim Grenzübertritt gegen Tollwut geimpft und gechipt, also ihre Identität festgehalten, so Ross.

Dass dies immer klappt, darf bezweifelt werden – auch, ob alle Tiere Krieg und Flucht gut überstanden haben. „Es gibt Studien, die belegen, dass Tiere genauso empfindlich auf Stress und laute Geräusche reagieren wie Menschen“, verweist Ross auf die Angst der Tiere etwa beim Knall von Feuerwerkskörpern. Es wäre wichtig, dass sie bei ihren Besitzerinnen und Besitzern bleiben könnten, betont die Tierexpertin. „Das stabilisiert Tier und Mensch“, sagt sie. Die Spendenbereitschaft für Tierfutter sei groß.

In Hamburg und Leipzig ist die „Gesamtsituation noch entspannt“

Im Norden ist die Lage in den Tierheimen noch recht entspannt. Sven Fraaß, Sprecher des Hamburger Tierschutzvereins, spricht zwar von „noch niedrigen Zahlen“, betont gegenüber dem RND aber auch die schnell erreichte Kapazitätsgrenze. Im Fall des Tierheims des Hamburger Tierschutzvereins liegt das aber auch daran, dass eines der Katzenhäuser derzeit wegen Einsturzgefahr nicht genutzt werden kann. „Das zeigt noch einmal den Bedarf an privaten Unterkünften – idealerweise für Mensch und Tier gemeinsam“, sagt Fraaß.

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Im Tierheim Leipzig seien bis Dienstag 14 Hunde und Katzen aufgenommen worden. „Eine Überlastung droht bis jetzt nicht“, erklärt Michael Sperlich, Geschäftsführer des Ersten Freien Tierschutzvereins Leipzig und Umgebung, gegenüber dem RND. „Was aber noch auf uns zukommt, kann unmöglich vorhergesehen werden.“ Da bis jetzt nur mitreisende Tiere nach Deutschland kommen würden und es keine Transporte aus ukrainischen Tierheimen nach Deutschland gibt, sei „die Gesamtsituation wohl noch entspannt“, führt er aus.

Großer Anstieg der Spenden- und Hilfsbereitschaft

Wichtig seien nun vor allem Spenden aus der Bevölkerung, betont TVB-Sprecherin Annette Rost. Da viele Tierheime, wie auch das Tierheim Berlin, komplett spendenfinanziert arbeiten. Rost bedankt sich, denn: „Wir nehmen einen großen Anstieg der Spenden- und Hilfsbereitschaft wahr. Die Berliner und Brandenburger sehen die Not und leisten großartige Unterstützung.“ Am meisten helfen würden Geldspenden. „Es ist zwar unglaublich nett gemeint, Futter oder andere Sachspenden zu leisten. Aber das ist im Moment logistisch sehr kompliziert und anspruchsvoll. Für uns ist es einfach, wenn wir gezielt im Großmarkt einkaufen, was gerade gebraucht wird. Impfdosen gibt es schließlich nicht kostenlos.“ Dennoch helfe jede Spende, um die Tiere zu versorgen.

TVB bringt Spenden an die ukrainische Grenze

Auch außerhalb der Hauptstadt hat sich der Tierschutzverein Berlin bereits engagiert. Am ersten Wochenende des Krieges hat sich der Verein mit vier großen Transportern voller Sachspenden für Tiere auf den Weg in Richtung Polen gemacht. „Ursprünglich war geplant, die Spenden in ein polnisches Unterbringungslager einer Tierschutzorganisation zu bringen. Als die Kolleginnen und Kollegen dort ankamen, war das Lager allerdings schon gut gefüllt“, erzählt Rost. Deshalb sei dort nur ein Transporter ausgeladen worden. „Die drei weiteren Fahrzeuge haben sich dann kurzfristig entschieden, direkt an die ukrainische Grenze zu fahren und die Sachspenden dort zu verteilen.“ Der Fokus des Tierschutzvereins Berlin liege nun auf den Tieren der Geflüchteten in Berlin, da die Nachschublager in Polen aktuell noch gut gefüllt seien.

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Deutsche Tierschutzbund rettet Hunde und Katzen aus Odessa

Hilfe direkt im Kriegsgebiet leistet unter anderem der Deutsche Tierschutzbund, der am Mittwoch erneut einen Erfolg vermelden konnte: 44 Hunde und 15 Katzen, die im Tierschutzzentrum der Stadt Odessa betreut wurden, konnten in den vergangenen Tagen von der Ukraine über die Republik Moldau bis nach Rumänien gebracht werden, teilt der Tierschutzbund mit. Etwa zehn verbliebene Straßenhunde sowie ausgesetzte oder zurückgelassene Tiere würden weiter vor Ort versorgt.

Hunde aus dem Tierschutzzentrum Odessa beim Transport.

Hunde aus dem Tierschutzzentrum Odessa beim Transport.

„Alle Hunde und Katzen sind wohlbehalten in Rumänien angekommen. Wir sind erleichtert, dass sie nun endlich in Sicherheit sind“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, laut Mitteilung. „Mein Dank gilt allen Tierschützern in unserem Zentrum, die in den schweren Kriegstagen weiter für die Tiere da sind, und allen Helfern, welche die Evakuierung – die lange Zeit aussichtslos schien – am Ende doch ermöglicht haben.“

RND/nis mit dpa und epd

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