Ein Jahrhundertereignis

London verneigt sich vor der Queen

Polizisten versammeln sich entlang der Mall vor der feierlichen Prozession des Sarges von Königin Elizabeth II. vom Buckingham Palace zur Westminster Hall.

Polizisten versammeln sich entlang der Mall vor der feierlichen Prozession des Sarges von Königin Elizabeth II. vom Buckingham Palace zur Westminster Hall.

London. Als der von mehreren Pferden gezogene Sarg von Queen Elizabeth II. an den wartenden Menschen vor dem Buckingham-Palast vorbeizieht, wird es ganz still in der Menge. Bedächtig und zum stetigen Takt der großen Trommel begleiten King Charles III., seine Geschwister und die Prinzen William und Harry sowie Hunderte Gardesoldaten - darunter allein 101 Soldaten der königlichen Leibgarde - den Leichnam der Königin über die Prachtstraße The Mall in Richtung Parlament. Immer wieder donnern Kanonenschüsse aus Richtung Hyde Park herüber. Als die Prozession weitergezogen ist, brandet Applaus auf.

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+++ Die Queen ist tot alle Entwicklungen im Newsblog +++

Mitglieder der Streitkräfte helfen beim Tragen des Sarges von Königin Elizabeth II., der mit einer königlichen Standarte und der kaiserlichen Staatskrone geschmückt ist und von einer Kanonenlafette der Königlichen Pferdeartillerie gezogen wird.

Mitglieder der Streitkräfte helfen beim Tragen des Sarges von Königin Elizabeth II., der mit einer königlichen Standarte und der kaiserlichen Staatskrone geschmückt ist und von einer Kanonenlafette der Königlichen Pferdeartillerie gezogen wird.

Als „friedlich“ und doch „ganz gewaltig“, beschreibt Kate Peers, die in der Menge steht, die Trauerprozession kurze Zeit später und fügt hinzu: „Es war sehr bewegend“. Wie viele andere ist die Mittvierzigerin schon Stunden vorher gekommen, um der toten Monarchin „Respekt zu zollen“. „Auch im Namen meiner Mutter, die nicht hierherkommen konnte“, wie sie sagt.

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„Überwältigend“ fand Chloe Bumpass das Ereignis. Die 21-Jährige ist mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen aus Oxford angereist, um die ein Jahr und vier Wochen alten Jungs daran teilnehmen zu lassen. „Nicht, dass sie sich einmal daran erinnern würden, aber eines Tages werden sie die Fotos ansehen und wissen, dass sie hier waren und können es ihren Enkelkindern erzählen“, sagt sie.

Die Prozession führte über die Mall zum Exerzierplatz Horse Guards Parade und von dort ins Regierungsviertel White Hall bis ins Parlament. Für die Queen war es ein bekannter Weg. Es sind diese Straßen, auf denen sich die spätere Königin Elizabeth als 19-Jährige unerkannt unter die jubelnde Menge mischte, tanzte, lachte, ausgelassen den Sieg über Hitler-Deutschland feierte.

Hier beging sie in den vergangenen sieben Jahrzehnten beinahe jedes Jahr mit den Menschen ihren offiziellen Geburtstag bei der farbenprächtigen Militärparade Trooping the Colour - zuletzt in diesem Jahr den 70. Jahrestag der Thronbesteigung.

In früheren Jahren saß sie dabei noch selbst auf dem Rücken eines Pferdes. Einmal wurde dabei sogar auf sie geschossen, als sie ihre Gardesoldaten mit den roten Uniformen und den Bärenfellmützen anführte. Doch die Kugel verfehlte ihr Ziel. Pferden galt schon immer ihre besondere Liebe. Schon als kleines Kind saß sie im Sattel. Noch wenige Monate vor ihrem Tod soll sie zuletzt auf einem Pferd gesessen haben.

„Ein Ereignis, das nur einmal im Leben vorkommt“

Viele Menschen, die gekommen sind, haben ihre ganz persönlichen Erinnerungen zu royalen Ereignissen aus der langen Regentschaft Elizabeths. Ann und John Cooper haben die ganze Nacht in der Innenstadt ausgeharrt. Das Paar aus der Grafschaft Gloucestershire hat vor beinahe 40 Jahren schon einmal im St.-James-Park vor dem Palast gecampt, da waren sie gerade frisch verliebt. Es war der Hochzeitstag von Charles und Diana. „Es ist ein Ereignis, das nur einmal im Leben vorkommt, und es ist einfach richtig, hier zu sein“, sagte die 69 Jahre alte Ann zu der Trauerprozession. Jetzt schließe sich ein Kreis, finden die beiden.

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Die 69 Jahre alte Ann Cooper und ihr Mann John Cooper (72) haben schon zur Hochzeit von Charles und Diana im St.-James-Park gecampt und haben jetzt wieder die Nacht in der Londoner Innenstadt verbracht, um den Trauerzug zu beobachten.

Die 69 Jahre alte Ann Cooper und ihr Mann John Cooper (72) haben schon zur Hochzeit von Charles und Diana im St.-James-Park gecampt und haben jetzt wieder die Nacht in der Londoner Innenstadt verbracht, um den Trauerzug zu beobachten.

„Ich kann mir gar nichts Vergleichbares vorstellen“

Auch die beiden Freundinnen Ann Leo und Alison Harper aus der Grafschaft Kent waren schon Stunden vorher da. „Das ist nichts, was wir in unserem Leben noch einmal sehen werden“, sagt die 66 Jahre alte Ann und fügt hinzu: „Ich kann mir gar nichts Vergleichbares vorstellen. Vielleicht eine Marslandung?“ Es sei ein trauriger und ein froher Moment zugleich, findet Alison. Sie war schon beim Leichenzug für Prinzessin Diana dabei. Doch jetzt fühle es sich anders an. „Die Leute waren damals geschockt, die Leute haben getrauert und geweint“, erinnert sie sich. Jetzt sei es zwar unglaublich traurig. „Aber man hat auch die Vorfreude auf Charles.“

Die 68-Jährige Ann Leo (links) und die 66 Jahre alte Alison Harper sind bereits in den frühen Morgenstunden aus der Grafschaft Kent angereist, um den Trauerzug zu sehen.

Die 68-Jährige Ann Leo (links) und die 66 Jahre alte Alison Harper sind bereits in den frühen Morgenstunden aus der Grafschaft Kent angereist, um den Trauerzug zu sehen.

Queen ein „Vorbild für die Menschheit“

Die 30-jährige Lidia Belaloui, die seit 2 Uhr morgens ganz vorn am Kreisverkehr vor dem Palast gewartet hatte, um einen Blick auf den Sarg der Queen und die Royals zu werfen, ist einfach nur glücklich. „Es war zwar nur eine Minute, aber es war sehr emotional und hat sich auf jeden Fall gelohnt“, sagt sie. Für sie ist die Queen ein „Vorbild für die Menschheit“ gewesen, für die sie „eine Menge Respekt“ und „sogar Liebe“ empfindet.

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Die französische Studentin Lidia Belaloui (30) harrte seit 2 Uhr morgens vor dem Palast aus um den Trauerzug zu sehen.

Die französische Studentin Lidia Belaloui (30) harrte seit 2 Uhr morgens vor dem Palast aus um den Trauerzug zu sehen.

Auch für William und Harry dürfte der Trauerzug Erinnerungen daran hervorrufen haben, wie sie als Jungen dem Sarg Dianas hinterhertrotteten. Die Erfahrung vom Verlust ihrer Mutter hatte sie einst zusammengeschweißt. Ob der Tod ihrer Großmutter eine ähnliche Wirkung haben wird, muss sich herausstellen.

Ziel des Trauerzugs war die altehrwürdige Westminster Hall des Parlaments. Für die Briten, die dort zu Hunderttausenden erwartet werden, um von ihrer Königin Abschied zu nehmen, wird ihr Sarg dort mehrere Tage aufgebahrt sein. Das Motto der Queen lautete: „Ich muss gesehen werden, damit man an mich glaubt“ - nicht wenige Trauernde dürften an diesem Tag das Gefühl haben, dass sie selbst nach ihrem Tod noch für die Untertanen da ist.

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RND/dpa

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