Tod in den Alpen: Vierfachmord von Chevaline bleibt mysteriös

Ermittler stehen vor dem Wohnwagen, in dem die Familienmitglieder auf einem Campingplatz in Saint Jorioz in der Nähe von Annecy in den französischen Alpen Urlaub machten. (Archivfoto)

Ermittler stehen vor dem Wohnwagen, in dem die Familienmitglieder auf einem Campingplatz in Saint Jorioz in der Nähe von Annecy in den französischen Alpen Urlaub machten. (Archivfoto)

Paris. Es war ein angenehmer Spätsommertag im September 2012, an dem der Brite William Brett Martin einen Radausflug in der Gegend um das Örtchen Chevaline am See von Annecy machte. Ein anderer Radfahrer überholte ihn, dann ein BMW mit britischem Autokennzeichen, gefolgt von einem Motorrad – flüchtige Beobachtungen, die später wichtig werden sollten. Denn kurz darauf kam William Brett Martin an einen Waldparkplatz, wo der BMW mit etlichen Einschüssen und laufendem Motor stand. Daneben lag der Radfahrer tot auf dem Boden. Ein blutüberströmtes Mädchen machte noch ein paar Schritte und brach zusammen. Im Auto lagen drei Menschen, jeweils ermordet durch mehrere Kopfschüsse.

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Bei den Opfern handelte es sich um den Briten irakischer Abstammung Saad al-Hilli, seine Frau Iqbal und deren Mutter Suhaila al-Allaf. Erst acht Stunden später wurde ein zweites Kind, die vierjährige Zeena, unter den Beinen ihrer toten Mutter entdeckt – körperlich unversehrt, aber traumatisiert. Ihre Schwester, die siebenjährige Zainab, kam mit einer Schussverletzung an der Schulter und einem Schädelbruch, der ihr vermutlich mit dem Griff der Waffe zugefügt worden war, ins Krankenhaus. Die Familie hatte zum dritten Mal in Folge Urlaub in den französischen Alpen gemacht.

Ist es der gesuchte Motorradfahrer?

Der Vierfachmord vor mehr als neun Jahren gehört zu den ungelösten, mysteriösen Fälle der französischen Kriminalgeschichte. Trotz langwieriger Untersuchungen wurde der Täter nicht gefunden. Auch die Aussagen der beiden Mädchen ergaben nichts. Am Mittwoch aber wurde ein Mann festgenommen. Französischen Medien zufolge könnte er der gesuchte Motorradfahrer sein, an den sich der Radler Brett Martin erinnert hatte.

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Das Verhör des Mannes ergab nach Angaben der Ermittler aber keine neue Spur. Er sei am Donnerstagnachmittag aus dem Gewahrsam entlassen worden, ohne dass sich irgendwelche Vorwürfe gegen ihn ergeben hätten, teilte Staatsanwältin Line Bonnet in Annecy mit.

Zuvor hatte der Anwalt des Verdächtigen, Jean-Christophe Basson-Larbi, gesagt, sein Mandant habe „das Gefühl, vielleicht zu Unrecht, für nichts in Untersuchungshaft zu sitzen“. Es liege ihm „am Herzen, zur Aufdeckung der Wahrheit beizutragen“.

Noch ist das Rätsel von Chevaline nicht gelöst

Die Frage nach einem möglichen Motiv stellt sich weiterhin. Bei den al-Hillis handelte es sich um eine gutbürgerliche Familie, die seit Jahren in einem wohlhabenden Viertel Londons gelebt hatte. Saad al-Hillis Vater war einst vor dem Regime Saddam Husseins aus Bagdad geflohen. Nahestehende hatten ausgesagt, dass er seit mehreren Monaten unruhig und sorgenvoll gewirkt hatte. Lag es an dem Erbschaftsstreit mit seinem Bruder nach dem Tod des wohlhabenden Vaters? Dieser stand zeitweise unter richterlicher Kontrolle in Großbritannien. Gab es eine Verbindung mit al-Hillis Job als Ingenieur im Luftfahrtwesen und der Beteiligung am Bau ziviler Mini-Satelliten? Oder war der ebenfalls getötete Radfahrer, der dreifache Familienvater Sylvain Mollier aus der Region, das Hauptziel des Täters?

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Obwohl die Familie für eine Woche einen Campingplatz reserviert hatte, wechselte sie nach zwei Tagen auf einen anderen. Dort wollte ein Urlauber Zeuge eines „sehr heftigen“ Gesprächs zwischen al-Hilli und einem Besucher in einem Anzug geworden sein. Später kam heraus, dass der erste Ehemann von Iqbal al-Hilli, den sie bei einem zweijährigen Aufenthalt in den USA kennengelernt hatte, nur wenige Stunden nach dem Mord an einem Herzinfarkt gestorben war. Zufall oder nicht? Noch ist das Rätsel von Chevaline nicht gelöst.

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