Spanischer Nationalpark kämpft mit Wasserknappheit – wegen Erdbeeranbau für deutsche Supermärkte

Die Saison geht los: Frisch geerntete Erdbeeren sind von nächster Woche an im Verkauf.

Die Erdbeeren werden später oft in deutschen Supermärkten verkauft (Symbolbild).

Geht das zusammen: Intensivlandbau gleich neben einem Nationalpark? „Das geht“, sagt Felipe Fuentelsaz vom spanischen WWF. „Aber es können nicht noch mehr Hektar hinzukommen.“ Doch genau das soll nach dem Willen des andalusischen Regionalparlaments geschehen: Die 9340 Hektar legale Anbaufläche für Erdbeeren und Heidelbeeren im Umland des Nationalparks Doñana sollen noch einmal um 800 Hektar (sagt ein Anbauverband) oder bis zu 2000 Hektar (fürchtet der WWF) erweitert werden. „Das wird dramatische Folgen für das Grundwasserreservoir haben“, sagt Fuentelsaz.

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Die andalusische Provinz Huelva ist einer der Obstgärten Europas. Von hier kommen die Erdbeeren und Heidelbeeren, die zurzeit in deutschen Supermärkten zum Verkauf ausliegen. Die Böden und das Klima sind hier ideal für den Anbau der Früchte. Der Boom begann in den 1990er-Jahren. Den Bauern brachte er Arbeit und Wohlstand, den Konsumenten im Norden Europas erschwingliche Früchte auch außerhalb der Saison. Und im Gegensatz zum noch dreimal größeren Gemüsegarten Europas in der Wüstenprovinz Almería gibt es hier auch genügend Wasser. Im Prinzip.

Neben den Erdbeerfeldern liegt der Nationalpark Doñana

Gleich neben den Erdbeerfeldern liegt der gut 50000 Hektar große Nationalpark Doñana, einer der wunderbarsten Naturräume Europas, das größte Feuchtgebiet Spaniens, Rastplatz von Millionen Zugvögeln, ein Paradies auf Erden, zu dessen Schutz sich einst der WWF gegründet hatte.

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Doch Doñana trocknet aus. Ein Video, vor gut einer Woche aufgenommen, zeigt eine Steppe statt Feuchtland. Es hat in diesem Herbst und Winter wenig geregnet. Doch das ist der kleinere Teil des Problems, sagt Felipe Fuentelsaz. Die Hauptursache für die verdorrende Natur sei der Erdbeer- und Heidelbeeranbau in der Nachbarschaft.

Grundwasserspiegel unter dem Nationalpark sinkt

Der Grundwasserspiegel unter dem Nationalpark sinkt. Die zuständige Wasserbehörde erklärte das Grundwasserreservoir vor zwei Jahren für „sobreexplotado“, zu deutsch: überbeansprucht. Das merken auch die Landwirte: Sie müssen ihre Brunnen immer tiefer bohren. „Wenn das Reservoir ein Stausee wäre, wäre das Problem offensichtlich“, sagte Fuentelsaz. Aber so muss man den Blick in die Tiefe richten.

Die Mehrheit der Regionalpolitiker zieht es vor, das nicht zu tun. Don‘t look down. Stattdessen haben die Politiker das Wählerpotenzial der Bauern im Blick, die ihr Land illegal bewässern. Die fühlen sich benachteiligt. Ein Hektar unbewässertes Land ist 5000 Euro wert, ein Hektar bewässertes Land 100.000 Euro.

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Bauern in der Gegend können sehr rabiat sein

Die Bauern in der Gegend, einige von ihnen, können sehr rabiat sein. Beamte auf der Suche nach illegalen Brunnen haben schon körperliche Angriffe erlebt, auch Morddrohungen. Wobei die Schließung der Brunnen – rund 1000, schätzt der WWF – sowieso nicht zu den Prioritäten der lokalen Behörden gehört.

„Die urbanitas verstehen das nicht“, sagt ein sozialistischer Abgeordneter des Regionalparlaments im Gespräch mit der Zeitung „El País“. „Urbanitas“ ist ein eher unfreundliches Wort für Stadtmenschen. „Es gibt einen harten kulturellen Kampf der extremen Rechten auf dem Lande.“ Das ist die Entschuldigung der andalusischen Sozialisten dafür, sich bei der Abstimmung über die Ausweitung des Bewässerungslandes rund um Doñana vergangene Woche der Stimme enthalten zu haben, sehr zum Ärger der nationalen Regierung in Madrid.

Für legal Anbauende ist Konkurrenz der Illegalen keine Freude

„Man kann Doñana nicht in Gegnerschaft zu den Menschen in dessen Nachbarschaft schützen“, sagt der andalusische Sozialistenchef Juan Espadas, was mehr oder weniger die Argumentation der konservativen regionalen Parlamentsmehrheit ist. Wobei nicht ganz so eindeutig ist, was die Doñana-Nachbarn wünschen: Für die legal Anbauenden ist die Konkurrenz der Illegalen keine Freude. Auch deshalb, weil sie das Image der Beeren aus Huelva beschädigen.

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„Die Konsumenten wünschen sich Nachhaltigkeit“, glaubt WWF-Mann Fuentelsaz. Was er sich wünschte, wäre stärkerer Druck der deutschen Supermarktketten auf ihre Lieferanten. „In Deutschland ist das Thema noch nicht durchgedrungen“, ist sein Eindruck. Vielleicht ändert sich das gerade. Doñana ist in Not.

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