Über 100 Jahre alt

Putzfrau findet Postkarte aus dem Ersten Weltkrieg in Einkaufszentrum

Die Postkarte aus dem Jahr 1915.

Sydney. Eine über 100 Jahre alte Postkarte hat die Internetdetektive in Australien und Neuseeland über Tage beschäftigt. Die Karte, auf deren Vorderseite der Umriss von Malta und eine traditionell gekleidete maltesische Frau zu sehen sind, wurde 1915 von dem neuseeländischen Soldaten Bert Cooke geschrieben.

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Der junge Mann war mit Anfang zwanzig eingezogen worden und musste im Ersten Weltkrieg gegen die Türken kämpfen. Auf der Karte, die er an seinen Schwager Roy Coombridge schickte, der damals gerade mal 14 Jahre alt war und auf einer Farm in Neuseeland lebte, schrieb er, dass er „in ein paar Tagen wieder zu den Türken zurückkehren“ werde. Und: „Es kann lange dauern, bis ich wieder schreiben kann.“

Bert Cooke bei seiner Hochzeit. Er war der Absender der Postkarte.

Bert Cooke bei seiner Hochzeit. Er war der Absender der Postkarte.

Poststempel aus dem Jahr 1915

Als die Australierin Stephanie Schultz die historische Postkarte auf einem Bankautomaten in einem Einkaufszentrum in Townsville fand, dachte sie zunächst, es sei eine Einkaufsliste. „Doch dann schaute ich genauer und las den Satz über die Türken“, sagte sie. Eine Kollegin habe sie dann auf den Poststempel aufmerksam gemacht: 9. August 1915. „Im ersten Moment dachte ich nur: Wie kommt so etwas in ein Einkaufszentrum?“, sagte sie. Denn schließlich würde man so ein Dokument eher in einem Archiv oder einer Bibliothek erwarten.

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Im nächsten Moment habe die Nachricht sie aber nachdenklich gestimmt: Denn da schrieb ein junger Soldat an seinen Verwandten in Neuseeland, dass er wieder in den Krieg ziehen müsse. „Es war traurig, wenn man sich vorstellt, dass er noch ganz jung war.“ Schultz postete schließlich ein Foto der Postkarte auf einer lokalen Facebook-Seite in Townsville – in der Hoffnung, das Rätsel mithilfe der Internetgemeinde zu lösen. Und tatsächlich wurden zwei hilfsbereite Internetnutzer sofort tätig und fanden den Sohn des Mannes, an den die Karte adressiert war, innerhalb von nur 24 Stunden.

Roy Coombridge sollte die Postkarte 1915 empfangen.

Roy Coombridge sollte die Postkarte 1915 empfangen.

„Aus allen Wolken gefallen“

Kevin Coombridge, an dessen Vater Roy die Karte adressiert war, berichtete in einem Videotelefonat, dass er „aus allen Wolken gefallen“ sei, als er von der Postkarte erfahren habe, die inzwischen ihren Weg per Einschreiben wieder nach Neuseeland gefunden hat. Coombridge konnte zumindest das erste Rätsel lösen, denn er kannte die Lebensgeschichte des Absenders wie auch des Empfängers der Karte: So überlebte der Sender Bert Cooke den Ersten Weltkrieg, obwohl er durch einen Senfgasangriff schwer verletzt worden war. Er starb nach einem langen, erfüllten Leben in hohem Alter.

Auch der Vater von Kevin, Roy Coombridge, an den die Karte ging, wurde 85 Jahre alt. Beide pflegten auch nach dem Krieg weiterhin eine enge Beziehung und arbeiteten zeitweise sogar gemeinsam auf einer Farm. Bert heiratete letztendlich Roys Schwester. Von der Karte zu hören rief deswegen viele positive Erinnerungen bei Kevin Coombridge hervor: Im Videotelefonat sagte er, das Ganze sei einfach „eine schöne Geschichte, die uns viel Freude bereitet hat“.

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Zwei weitere Rätsel gelöst

Das nächste Geheimnis konnte dann schließlich dank lokaler Medienbericht­erstattung in Neuseeland geklärt werden. Nämlich: Wie kam die 106 Jahre alte Postkarte in ein Einkaufszentrum in Australien? Das klärte Doris Elphick, die Tochter von Roy Coombridge und die Schwester von Kevin, schließlich auf. Elphick hatte die Karte vor Kurzem zwischen Fotos ihres verstorbenen Vaters entdeckt, wie sie dem neuseeländischen Nachrichtenmedium „Stuff“ berichtete. Sie habe die Postkarte dann an ihre 93-jährige Cousine Shirley McDonald, die Tochter von Bert Cooke, weitergegeben. „Sie hat sie für ihre Familie fotokopiert und beschlossen, das Original einem von Berts Enkeln zu geben, der in der Armee war und in Afghanistan gedient hat.“ Verloren hat die Karte dann aber letztlich dessen Mutter, die in Townsville lebt und die Postkarte in ihrer Tasche hatte, um sie einem weiteren Familienmitglied zu zeigen.

Auch ein drittes Rätsel konnte gelöst werden: So stöberte das lokale Medium den Neuseeländer Bryan Corlett auf, der auf Malta lebt – der Mittelmeerinsel, die auf der Vorderseite der Karte abgebildet ist. Corlett wusste, dass das Land während des Ersten Weltkrieges quasi als „Krankenschwester des Mittelmeerraumes“ fungierte und viele Soldaten sich dort von ihren Verletzungen erholten. Bert Cooke, der bei einem Senfgasangriff schwer verletzt worden war, war dort höchstwahrscheinlich ebenfalls zur Genesung gewesen.

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