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Präsident der Österreichischen Bergrettung zu Lawinenunglücken: „Wir befinden uns gerade dauerhaft in Alarmbereitschaft“

Die Bergretter des ÖBRD befinden sich in dauerhafter Alarmbereitschaft.

Wien. Viele Menschen zieht es bei schönem Wetter zum Wandern oder für den Wintersport in die Alpen. Mehr als ein Dutzend hat der Ausflug in die Winterlandschaft seit Donnerstag das Leben gekostet. In Österreich waren bis Sonntag neun Menschen in Lawinen umgekommen. Ein Tourengeher starb zudem in der Schweiz und ein weiterer in Bayern. Am Montag wurden zwei weitere Tote aus den französischen Alpen gemeldet.

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„Es ist derzeit eine angespannte und heikle Situation in den Bergen“, erklärt Stefan Hochstaffl, Präsident des Österreichischen Bergrettungsdienstes (ÖBRD) gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) am Dienstag. Die aktuelle Situation würde Lawinenabgänge begünstigen. „Der Schneeaufbau ist nicht unbedingt der beste“, führt er aus. Das sonnige Wetter locke viele Wanderer und Wintersportler an. In Niederösterreich und in Wien sind zudem derzeit Ferien. „Dementsprechend sind viele Menschen unterwegs“, sagt Hochstaffl.

ÖBRD-Präsident Stefan Hochstaffl.

ÖBRD-Präsident Stefan Hochstaffl.

Drei schnelle Methoden zur Rettung

Die Rettungsteams des ÖBRD sind jederzeit auf einen Einsatz vorbereitet. „Wir befinden uns gerade dauerhaft in Alarmbereitschaft. Bei einem Lawinenabgang fliegen wir mit einem Hubschrauber zum betroffenen Bereich.“ Darauf folge die Suche mit Rettungshunden und die Suche nach einem Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS), das einen lauten Piepton sendet. Falls der oder die Verschüttete kein Suchgerät dabei hat, können die Retter noch mit Detektoren nach Menschen suchen.

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„Sollten diese drei Methoden nicht erfolgreich sein, sprechen wir oft nicht mehr von einer Rettungsaktion, sondern von einer Bergungsaktion“, sagt der ÖBRD-Präsident. Alle anderen Suchmöglichkeiten würden oft zu viel Zeit in Anspruch nehmen.

Ein Rettungshund des ÖBRD gräbt nach einem Verschütteten.

Ein Rettungshund des ÖBRD gräbt nach einem Verschütteten.

ÖBDR-Präsident: „Wir suchen so lange und so eifrig, wie es geht“

Einen Menschen aufgeben kommt für die Bergretter allerdings nicht infrage. „Unsere oberste Prämisse ist: ‚Wir suchen so lange und so eifrig, wie es geht.‘“. Im vergangenen Jahr habe sich eine lange Suche gelohnt. „Wir haben einen Verschütteten gerettet, der ist nach zweieinhalb Stunden noch lebendig und ohne Folgeschäden aus einer Lawine gekommen.“ In vielen Fällen überleben Menschen aber nicht so lange, denn begraben im Schnee kann nach wenigen Minuten bereits eine Unterkühlung einsetzen.

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Deutsche überlebt Lawinenabgang in Tirol

Wie schnell es oft gehen muss, damit ein Mensch überlebt, zeigt ein aktuelles Beispiel: Am Donnerstag wurde eine 20-jährige Deutsche in den Tiroler Alpen von einer Lawine verschüttet. Die junge Skifahrerin wurde von den Schneemassen völlig begraben. Ihre zwei Mitfahrer und eine weitere Skigruppe machten sich sofort daran, die Wintersportlerin auszugraben. Sie wurde laut Polizei in einer Tiefe von einem bis 1,5 Metern gefunden. Die Frau war zwar bewusstlos, doch ihre Atmung und ihr Kreislauf funktionierten noch. „Auf jeden Fall ist es ein totaler Glücksfall, wenn man 15 Minuten lang überlebt“, sagte ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur. Die Frau, die in Innsbruck lebt, wurde verletzt in ein Krankenhaus geflogen.

Hochstaffl bekräftigt die Aussage des Polizeisprechers: „Da kann man nur zustimmen, dass das ein absoluter Glücksfall war. Jeder Mensch, der überlebt, egal wie lange, hatte das Glück auf seiner Seite“, betont er. „Neben Unterkühlung und Erstickung sind äußere Verletzungen eine große Gefahr. Man stellt sich den Lawinenschnee vielleicht weich und flauschig vor, dabei ist er hart wie Beton. Außerdem kann man durch den Abgang gegen einen Felsen geschoben werden“, erklärt Hochstaffl weiter.

Vorbeugende Maßnahmen erleichtern Bergrettern die Suche

Es gibt Möglichkeiten, um sich auf den Notfall vorzubereiten. Der ÖBRD-Präsident empfiehlt zunächst, sich nur auf gesicherten Wanderwegen und Pisten aufzuhalten. Als weitere vorbeugende Maßnahme gilt der Lawinenairbag. „Der vermittelt aber oft eine trügerische Sicherheit. Der Airbag schützt nicht mit vollständiger Sicherheit“, betont der ÖBRD-Präsident. Ein LVS-Gerät helfe den Rettern bei der Suche enorm. „Dann kann die Person schnell und effektiv geortet werden.“

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Im Notfall sollten Betroffene Ruhe bewahren und falls möglich erste Hilfe leisten und die Verletzten sichern, schreibt der Bundesverband ÖBRD auf seiner Homepage, auf die Hochstaffl für weitere Sicherheitsmaßnahmen verweist. Anschließend sollte der Notruf gewählt (Alpinnotruf 140 oder Euronotruf 112) und das Unfallgeschehen und der Ort möglichst genau geschildert werden. Bis die Bergretter eintreffen, sollten Betroffene den Anweisungen folgen und am Unfallort warten.

mit dpa

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