Polizei sprengt heimliches „Reichsbürger“-Treffen in Waldorfschule

Der Eingangsbereich der Rudolf Steiner Schule Coburg. Am Samstagabend löste die oberfränkische Polizei ein illegales Treffen von 55 sogenannten Reichsbürgern in der Rudolf Steiner Schule Coburg auf.

Coburg. In Coburg haben sich 55 sogenannte Reichsbürger Zutritt zu einer Waldorfschule verschafft und dort ein illegales Treffen abgehalten. Die Versammlung am Samstagabend sei aufgelöst worden, die Teilnehmer erwarteten Strafverfahren wegen Hausfriedensbruchs, teilte die Polizei am Montag mit. Die „Reichsbürger“ waren demnach aus verschiedenen Teilen Deutschlands angereist. Wie sie in den Saal der Schule kamen, war zunächst unklar.

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Im Gespräch mit der Leitung der Rudolf-Steiner-Schule kam laut Polizei heraus, dass diese nichts von einer solchen Versammlung wusste. Es gebe derzeit keine Hinweise, dass pädagogisches Personal oder Büromitarbeiter beteiligt gewesen seien. Die Schule distanzierte sich in einer Stellungnahme „von jeglichem Gedankengut der Reichbürgerbewegung“. Diese gilt als heterogen. Sie eint, dass Angehörige die Existenz der Bundesrepublik Deutschland und deren Rechtssystem ablehnen.

Schulleiter erstattet Anzeige

Co-Schulleiter Hans-Joachim Döhner sagte, er sei am Abend von der Polizei informiert worden. Wenig später seien er und Co-Schulleiterin Peggy Fruntke in dem Saal mit Polizisten und „Reichsbürgern“ gewesen. Sie hätten vom Hausrecht Gebrauch gemacht und Anzeige wegen Hausfriedensbruchs erstattet.

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Zuerst seien die „Reichsbürger“ aufmüpfig gewesen, berichtete Fruntke. So sei auf die Aufforderung, den Saal zu verlassen, erst einmal Widerspruch gekommen. „Wir beide wurden in dem Moment nicht als Autorität anerkannt.“ Unter den Versammelten waren demnach Männer, Frauen und auch einige wenige Kinder.

Die Stimmung in dem Saal sei aber grundsätzlich unaufgeregt gewesen, schilderte die die Schulleiterin. Die Polizei habe professionell und sachlich gearbeitet. Ein Polizeisprecher sagte, es habe keinen Widerstand gegen die Beamten gegeben. „Es ging alles in geordneten Bahnen.“ Die „Reichsbürger“ hätten sich zerstreut, nachdem die Versammlung aufgelöst wurde. Es wird auch wegen möglicher Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz ermittelt.

Wurde die Schule mit einem Schlüssel aufgeschlossen?

Unklar ist noch, wie die Versammlungsteilnehmer in den Saal gekommen waren. „Wir gehen von keinem Einbruch aus“, sagte der Polizeisprecher. Es werde untersucht, ob die Türen offen waren oder ob sie jemand hineinließ. Nach Angaben der Schulleiterin gab es in dem Saal noch eine Veranstaltung. Danach, gegen 19 Uhr, sei die Tür zugesperrt worden. Die Schule im Coburger Stadtteil Beiersdorf ist auf mehrere Gebäude verteilt, in den Saal führt direkt von außen eine Tür.

Es habe wohl jemand mit einem Schlüssel aufgeschlossen, vermutete Fruntke. Man könne ausschließen, dass es pädagogisches Personal oder Bürokräfte gewesen seien. Es gebe aber noch weitere Personen, die einen Schlüssel haben könnten. Schulleiter Döhner sagte, die Schule liege abgelegen, der Saal sei nicht von außen einsehbar. Er biete sich also an, wenn man etwas heimlich veranstalten wolle.

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Keine Schäden im Schulgebäude

Was die „Reichsbürger“ genau dort machten, blieb zunächst unklar. Laut einem Polizeisprecher war es ein Treffen mit Rednern und Zuhörern. „Es sah aus wie eine Podiumsdiskussion“, sagte Schulleiter Döhner. Demnach wurden auf die Bühne Tisch und Stühle gestellt. Der Schule zufolge wurde nichts beschädigt.

Dass sich „Reichsbürger“ an dem Tag im Raum Coburg treffen wollten, hatte die Polizei bereits vorher ermittelt. Am Samstagabend kristallisierte sich schließlich die Schule als Treffpunkt heraus. Gegen 20 Uhr wurden dann dort die „Reichsbürger“ festgestellt. Laut einem Polizeisprecher gab es zunächst keine Hinweise, dass Coburg ein Schwerpunkt der Szene ist oder prominente Figuren aus der Gegend kommen.

RND/dpa

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