Rund 50 Anzeigen binnen eines Monats

„Pinchazos“: Mysteriöse Nadelattacken auf Partys verunsichern Frauen in Spanien

Partygänger auf der Tanzfläche: Diskos in Niedersachsen sollen wieder öffnen dürfen.

Partygäste auf der Tanzfläche (Symbolfoto)

Madrid. Dutzende junge Frauen sind im Urlaubsland Spanien in den vergangenen Wochen beim Feiern mit Nadeln oder Spritzen verletzt worden. Die mysteriösen Angriffe geschehen vorwiegend auf Musikfestivals sowie in Bars und Tanzclubs. Justizministerin Pilar Llop forderte am Mittwoch jeden, der ohne Zustimmung gestochen worden sei, auf, sich bei den Behörden zu melden. Mit einer Nadel gestochen zu werden, sei ein schwerwiegender Akt der Gewalt gegen Frauen, sagte sie dem Sender TVE.

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Seit Anfang Juli habe es mindestens 50 Anzeigen gegeben, berichtete am Mittwoch die Zeitung „El Mundo“ unter Berufung auf Behörden. Dabei erstatteten viele der attackierten Frauen keine Anzeige, unter anderem weil sie den Piks und die Folgen - wie etwa Übelkeit und Schwindel - erst später bemerkten, hieß es. Festnahmen habe es bisher nicht gegeben.

Betroffen sind zahlreiche Regionen - darunter auch die Balearen mit der bei Deutschen beliebten Urlaubsinsel Mallorca. Die Polizeieinheit Guardia Civil teilte dort am Mittwoch mit, man ermittle in sechs Fällen. Vier hätten sich auf Mallorca und zwei auf Ibiza ereignet.

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Bei einem 13-jährigen Opfer wurde Ecstasy im Blut gefunden

Nach Angaben der Polizei ereigneten sich 23 der kürzlich gemeldeten Nadelattacken in der nordostspanischen Region Katalonien, die an Frankreich grenzt. Solche Attacken mit Nadelstichen wurden bereits von Musikverstaltungen in Frankreich, Großbritannien, Belgien und den Niederlanden gemeldet. Die französische Polizei registrierte in den vergangenen Monaten über 400 Anzeigen und erklärte, das Motiv sei unklar. In vielen Fällen war nicht klar, ob den Opfern eine Substanz injiziert wurde.

Die spanischen Ermittler fanden im Blut eines Opfers, eines 13-jährigen Mädchens in der Stadt Gijón im Norden, die Partydroge Ecstasy. Medien berichteten, das Kind sei von seinen Eltern nach dem Stich rasch ins Krankenhaus gebracht worden.

Die Nadelattacken geben Rätsel auf. Die gestochenen Menschen klagen zwar über gesundheitliche Beschwerden wie Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen. Die nahe liegende Vermutung aber, dass die Täter ihre Opfer unter Drogen setzen, um sie auszurauben oder sexuell übergriffig zu werden, sei bisher in keinem der angezeigten Fälle bestätigt worden, berichteten Medien unter Berufung auf die Polizei. Toxine seien bei den Blutproben bisher in fast allen Fällen nicht gefunden worden. Über die Motive der Täter ist daher bisher nichts bekannt.

Zunächst gab es viele Fälle in Großbritannien und Frankreich

Attacken mit Nadeln oder Spritzen auf Festivals und in Clubs hatte es zunächst in Großbritannien gegeben. Ab Anfang des Sommers wurden dann auch in Frankreich Hunderte Fälle gemeldet. Auch in Deutschland sollen laut Medien einige Nadelattacken (Needle Spiking) verzeichnet worden sein. Vor diesem Hintergrund appelliert etwa der sonst eher verschwiegene berühmte Berliner Techno-Club Berghain inzwischen auf seiner Website an Clubbesuchende, aufeinander achtzugeben.

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In Spanien sei es derweil ein ganz neues Phänomen, schrieben Medien unter Berufung auf Polizeisprecher. Die ersten Anzeigen nach „Pinchazos“, wie die Attacken in Spanien heißen, habe es am Rande der auch von Ausländern besuchten Stierhatz von Pamplona im Juli gegeben. Inzwischen seien Katalonien und das Baskenland am schlimmsten betroffen. In diesen beiden, aber auch in anderen Regionen nahm die Polizei Ermittlungen auf.

„Das löst soziale Besorgnis aus, zumal die Möglichkeit von sexueller Gewalt gegen Frauen besteht, auch wenn das im Moment noch nicht bestätigt ist“, sagte die katalanische Ministerin für Gleichberechtigung, Tània Verge. Die junge Mallorquinerin Lourdes Sosa räumte gegenüber der Zeitung „Última Hora“ ein, die Angst gehe um. „Die Leute bleiben schon fast lieber zu Hause unter Freunden.“

RND/dpa/AP

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