Natascha Kampusch über Corona: „Ich kenne den plötzlichen Verlust von Freiheit“

Natascha Kampusch ist immer wieder Anfeindungen ausgesetzt.

Natascha Kampusch ist immer wieder Anfeindungen ausgesetzt.

Die Bewegungsfreiheit eingeschränkt, die Freiheit verloren – diese Gefühle kannte Natascha Kampusch schon vor der Corona-Pandemie. Deshalb könne sie damit besser umgehen als andere. „Mit dieser Situation bin ich gut vertraut. Der plötzliche Verlust der Freiheit, die Einsamkeit, die Ohnmacht, wenn das Leben von einem Moment auf den anderen ganz anders ist und die Gedanken kreisen“, sagte die 33-Jährige der österreichischen „Kronen-Zeitung“. Sie könne die Verzweiflung der Menschen gut verstehen.

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Im August sind es 15 Jahre, seit Natascha Kampusch ihre Freiheit wiedererlangt hat. Im März 1998 wurde sie, damals zehn Jahre alt, von Wolfgang Přiklopil auf dem Schulweg entführt. Bis August 2006 lebte sie bei dem Mann, der sie immer wieder misshandelte und folterte, ehe sie fliehen konnte. Seither sei ihr Leben nicht unbedingt einfach, berichtet sie nun in dem Interview. Sie sei oft angefeindet worden, „wahrscheinlich, weil ich kein typisches Opfer bin, sondern mutig und eine eigene Meinung habe. Das wollen die Menschen nicht so sehr.“

Wegen Anfeindungen: Natascha Kampusch fährt nicht mehr mit der U-Bahn

Deshalb fahre sie auch bereits seit 2007 nicht mehr mit der U-Bahn. „Mein Alltag ist sehr beeinflusst durch das ständige Erkanntwerden, das Anemotionalisiert-, Angepöbelt- oder unangenehm Angeflirtetwerden“, sagt die 33-Jährige, die 2019 auch ein Buch über Hasskommentare im Internet geschrieben hat.

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Normalerweise reise sie viel, um Termine wahrzunehmen, die ihr Einkommen sicherten, doch derzeit sei das nicht möglich. Sie lebe alleine in einer „kleinen, gellen gemütlichen Wohnung mit einem Balkon“, lebe vegetarisch, singe gerne, reite bis zu viermal die Woche und nähe und gestalte gerne neue Kleidung. „In Gefangenschaft habe ich nie schöne Kleidung gehabt“, sagt sie. Sie hatte nur das Kleid, das sie am Tag der Entführung trug – und das sei ihr schnell zu klein geworden. „Dann habe ich das Oberteil vom Rock getrennt und ihn immer zu Weihnachten getragen. Da wollte ich trotz allem schön angezogen sein.“

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Einmal im Monat besucht sie das Haus, in dem sie gefangen gehalten wurde

Die Gefangenschaft prägt sie dennoch. Einmal wöchentlich gehe sie zur Therapie, sagt Kampusch gegenüber „Krone“. Manchmal auch öfter, wenn sie etwas belaste, etwa „Zuschreibungen von außen“. Einmal im Monat besuche sie auch das Haus, in dem sie gefangen gehalten wurde und das inzwischen ihr gehört. Dann lüftet und putzt sie. „Ich weiß noch nicht, was ich damit tun werde. Ich will ja auch nicht, dass irgendjemand etwas Komisches damit tut.“

Freunde habe sie zwar, teilweise noch aus Kindheitstagen, mit den Männern sei es aber schwierig. „Meist kennen sie mich, aber ich kenne sie nicht.“ Sie habe aber kein Problem, Nähe zuzulassen. Auf die Frage, ob sie glücklich sei, antwortete Natascha Kampusch: „Ich glaub schon.“

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RND/msk

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