MH370: Suche nach dem vermissten Flieger soll weitergehen

Anlässlich des achten Jahrestages des Verschwindens des Malaysia-Airlines-Fliegers MH370 hat sich eines der Suchteams bereit erklärt, erneut in See zu stechen (Archivbild).

Anlässlich des achten Jahrestages des Verschwindens des Malaysia-Airlines-Fliegers MH370 hat sich eines der Suchteams bereit erklärt, erneut in See zu stechen (Archivbild).

Kuala Lumpur. Es war eine Ankündigung, auf die die Angehörigen seit fast vier Jahren warten: Anlässlich des achten Jahrestages des Verschwindens des Malaysia-Airlines-Fliegers MH370 hat sich eines der Suchteams bereit erklärt, erneut in See zu stechen. Ocean Infinity war eines der Teams, das an der bisher erfolglosen Suche nach dem abgestürzten Flieger beteiligt war.

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Ocean Infinity-CEO Oliver Plunkett sagte im Gespräch mit Angehörigen, dass das Unternehmen sich verpflichtet habe, die vermisste Boeing 777 zu finden. Die Fach-Website Airlineratings.com berichtete zuerst über das Zusammentreffen. Plunkett sagte, dass sein Unternehmen an neuen ferngesteuerten Schiffen ohne Besatzung baue und dass eines davon für die neue Suche eingesetzt werden solle. „Seit 2020 haben wir Klarheit über unseren Plan und unsere Vermögenswerte und wir sind bereit, das Gespräch [mit Malaysia] wieder aufzunehmen“, sagte er.

Suche soll Anfang 2023 oder 2024 beginnen

Die Firma will erneut nur dann eine Gebühr verlangen, wenn die Suche erfolgreich ist. Plunkett ist optimistisch, mit der Suche Anfang 2023 oder spätestens 2024 beginnen zu können. Er wies aber auch darauf hin, dass bis dahin noch viel zu tun sei und brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass sich auch die australischen Behörden daran beteiligen werden.

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Das Verschwinden der Malaysia-Airlines-Maschine MH370 ist eines der größten Rätsel der Fluggeschichte. Zwei Suchaktionen, eine koordiniert von Australien, die andere von Malaysia, konnten die Boeing, die am 8. März 2014 mit 239 Menschen auf dem Flug von Kuala Lumpur nach Peking verschwunden ist, nicht auffinden. Ocean Infinity hatte die zweite Suche geleitet.

Absturzstelle in vier Kilometern Tiefe

Ausschlaggebend für die Entscheidung, eine neue Suche nach dem vermissten Flieger anzustoßen, war die Arbeit des britischen Ingenieurs Richard Godfrey, der Teil einer Gruppe unabhängiger Experten ist, die seit Jahren weiterforschen und immer wieder wichtige neue Erkenntnisse veröffentlichen konnten. „Wir haben uns alle Daten unserer vorherigen Suche und das neue Material von Richard Godfrey und der Independent Group angesehen“, sagte Plunkett. Er bestätigte, dass er die neuen Erkenntnisse des Teams für „glaubwürdig“ halte und es sich lohne, „sich darauf zu konzentrieren“.

Der Luft- und Raumfahrtingenieur Richard Godfrey analysierte zuletzt eine Reihe von Funksignalen, kurz WSPR (Weak Signal Propagation Reporter) genannt. Diese halfen ihm, eine vermeintliche Absturzstelle in vier Kilometern Tiefe im Indischen Ozean zu identifizieren. Laut Godfrey ist das Flugzeug 1993 Kilometer westlich von Perth ins Meer gestürzt. „Der Hauptabsturzort liegt am Fuße des Broken Ridge in einem Gebiet mit schwierigem Unterwassergelände“, heißt es in dem Bericht des Experten. „Dort sind bergige Bereiche und Klippen, ein Unterwasservulkan und eine Schlucht.“ Der mutmaßliche Absturzort befindet sich zudem in einer Region, die auch Charitha Pattiaratchi, ein Professor für Ozeanografie an der Universität von Westaustralien, als wahrscheinlichste Zone identifiziert hat. Pattiaratchi berechnete die Region, indem er die Wrackteile, die von MH370 auf den Inseln La Réunion und Madagaskar sowie an der afrikanischen Küste angespült wurden, anhand der bekannten Meeresströmungen zurückverfolgte.

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Elektronische Stolperdrähte

Die WSPR-Signale, derer sich Godfrey bediente, erstrecken sich über den Globus. Im Interview mit dem australischen Sender ABC verglich der Experte sie einst mit unsichtbaren „elektronischen Stolperdrähten“, die ausgelöst werden, wenn Flugzeuge sie kreuzen. Diese Daten können neben denjenigen des britischen Inmarsat-Satelliten genutzt werden, um die letzte Strecke des Flugzeugs nachzuvollziehen. Für seine Analysen entwickelte Godfrey zudem ein eigenes Luftfahrt-Tracking-System namens GDTAAA (Global Detection and Tracking Any Aircraft Anywhere Anytime), mit dessen Hilfe er die WSPR-Signale für den Zeitraum im März 2014 alle zwei Minuten analysierte.

Auf dem Blog des Experten, auf dem er auch seinen Bericht verlinkte, gab ein Leser jedoch zu bedenken, dass die Absturzstelle, die Godfrey identifiziert hat, bereits während einer der beiden Suchaktionen abgesucht wurde. Darauf erwiderte Godfrey, dass das Schiff „Fugro Equator“, das die Region abgefahren hat, in der Umgebung durchaus eine Reihe von Sonar-Scan-Kontaktpunkten registriert habe. Doch das schwer zugängliche Gelände mache es manchmal schwierig, den Meeresboden abzusuchen, meinte Godfrey. „Es ist gar nicht so einfach, ein solches Unterwassergelände zu scannen“, schrieb der Experte.

Möglicherweise in über 35.000 Teile zerbrochen

Zudem könnte es sein, dass die Wrackteile von Sedimenten bedeckt worden seien. Weiter gab er zu bedenken, dass das durchschnittliche Gewicht der 33 Trümmerteile, die von MH370 oder einer Boeing 777 geborgen wurden, 4,88 Kilo betragen habe. „Dieser Durchschnitt würde bedeuten, dass MH370 in 35.740 Teile zerfiel“, so Godfrey. Er gehe aber davon aus, dass bestimmte Teile wie Elemente des Triebwerks oder des Fahrwerks größtenteils intakt geblieben seien.

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Bereits im Mai hatte Godfrey Analysen veröffentlicht, die den Schluss zuließen, dass das Flugzeug von jemandem gesteuert wurde. So konnte Godfrey aufzeigen, wie es zahlreiche Kurven flog und zudem die Geschwindigkeit änderte. Der Pilot habe kommerzielle Flugrouten gemieden und auf inoffiziellen Routen „falsche Spuren“ hinterlassen, sagte der Experte damals im Interview mit dem Sender ABC. So sei er auf inoffiziellen Flugrouten in der Malacca-Straße, um Sumatra und über den südlichen Indischen Ozean geflogen. „Die Flugroute folgt der Küste von Sumatra und er flog nah am Flughafen von Banda Aceh vorbei.“ Der Pilot habe anscheinend gewusst, dass der dortige Radar nachts und am Wochenende nicht in Betrieb sein würde.

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