Mexiko-Stadt ersetzt zentrale Kolumbus-Statue mit der einer indigenen Frau

Eine Statue von Christoph Kolumbus ragt hinter einem Schutzzaun hervor. Der Seefahrer wird mit einem Denkmal zu Ehren indigener Frauen an der Prachtstraße Paseo de la Reforma ersetzt.

Eine Statue von Christoph Kolumbus ragt hinter einem Schutzzaun hervor. Der Seefahrer wird mit einem Denkmal zu Ehren indigener Frauen an der Prachtstraße Paseo de la Reforma ersetzt.

Fast 150 Jahre stand Christoph Kolumbus in Strumpfhosen mitten in Mexiko-Stadt auf einem Kreisel, er zieht ein Tuch von einem Globus, meist umkreist von Autos. Entworfen und gefertigt in Europa, wurde der in Bronze gegossene Seefahrer nach Mexiko verschifft und 1877 dort aufgestellt. Kolumbus, der Weltenentdecker: Das war die klare Botschaft des Bildnisses. Eine Botschaft, die der kolonialistischen, eurozentristischen Idee entspricht, dass Kolumbus Amerika entdeckt hätte, dass es vorher ein Nichts, eine leere Leinwand gewesen wäre, die die Europäer nur füllen mussten mit ihrem angeblich überlegenen Wissen.

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Schon im letzten Jahr musste Kolumbus vor Protesten im Oktober 2020 zum Jahrestag seiner Ankunft in Amerika seinen Platz räumen, offiziell erst einmal wegen einer Restaurierung, wie damals der Nachrichtenkanal „Al Jazeera“ berichtete. Das Podest blieb seitdem leer – die Kommunalregierung hat die Zeit genutzt, um über das Erbe des Italieners nachzudenken. Mit Ergebnis: Die Statue einer indigenen Frau soll an Kolumbus‘ Platz aufgestellt werden. Das gab die Bürgermeisterin von Mexiko-Stadt, Claudia Sheinbaum, am Sonntag, dem Jahrestag der indigenen Frauen, bekannt.

Bürgermeisterin über Indigene: „Wir sind es ihnen schuldig“

„Wir sind es ihnen schuldig und wegen ihnen existieren wir“, sagte Sheinbaum laut Medienberichten über die indigenen Völker Mexikos. „Es ist die Geschichte unseres Landes und unserer Heimat.“ Tlalli soll die Figur laut der mexikanischen Zeitung „El Universal“ heißen, die beim mexikanischen Bildhauer Pedro Reyes in Auftrag gegeben wurde und eine Frau der Olmeken darstellt. Die Olmeken lebten von etwa 1500 bis 400 vor Christus an der Küste des Golfs von Mexiko. Sie gilt als eine der ersten wichtigen Kulturen auf dem heutigen Gebiet Mexikos. Tlalli bedeutet „Land“ in der Azteken-Sprache Náhuatl.

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Nach dem Tod George Floyds im Mai 2020 regte sich nicht nur in den USA der Protest gegen Denkmäler für weiße Männer, die als Kolonialherren aus Europa nach Amerika kamen. Über 100 Statuen wurden in den USA entfernt. Die Proteste schwappten nach Süd- und Mittelamerika über. In Mexiko-Stadt wurde die Kolumbus-Statue erst einmal vorsorglich vor dem Protest entfernt, um sie vor Vandalismus zu schützen. Schon 1992 wurde sie bei Protesten zum 400. Jahrestag der Ankunft Kolumbus‘ – in Mexiko gilt der 12. Oktober als solcher – beschädigt. Kolumbus (1451–1506) wird häufig als „Entdecker Amerikas“ bezeichnet. Für seine Gewalt gegen die Ureinwohner und -einwohnerinnen und dafür, entscheidend zum transatlantischen Sklavenhandel beigetragen zu haben, steht das Andenken an ihn aber in der Kritik.

Kolumbus-Statuen gibt es aber immer noch

Doch nicht nur in der Hauptstadt gab es Proteste, auch in anderen mexikanischen Bundesstaaten wie Oaxaca gingen Frauen und Männer auf die Straße, um für die Anerkennung der indigenen Völker in der Geschichtsschreibung und heutigen Identität Mexikos zu demonstrieren.

Zwar lässt Sheinbaum eine indigene Frau an dem bisherigen Platz von Christopher Kolumbus setzen – doch auch der Seefahrer bekommt einen neuen Platz. Er soll laut „El Universal“ in der Stadt im Parque América an einem weniger prominenten Platz eine neue Heimat finden. Und es gibt auch noch eine Bruderstatue: An der Avenue Buenavista steht bis heute ein zweiter Kolumbus. Der wurde bei den Protesten im Oktober 2020 von der Polizei geschützt – und die Statue steht bis heute.

RND/goe mit dpa

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