Menschen in Hochwasser­region bereiten sich auf neuen Regen vor

In der Eifel und im Ahrtal hat das Hoch­wasser besonders schlimm gewütet.

In der Eifel und im Ahrtal hat das Hoch­wasser besonders schlimm gewütet.

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Nach den verheerenden Überflutungen blicken die Menschen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen mit Sorge auf die Wetterprognosen fürs Wochenende. „Ich habe im Augenblick keine Hinweise darauf, dass Wasser­mengen drohen, wie das der Fall gewesen ist“, sagte der Innenminister von Rheinland-Pfalz, Roger Lewentz (SPD), am Freitag in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Dennoch trifft der Krisenstab Vorkehrungen. Rückzugs­möglichkeiten für die Bevölkerung sind laut Lewentz ebenso vorbereitet wie mögliche Lauts­precher­durch­sagen für Warnungen. Man beobachte die Melde­situation „ganz, ganz aufmerksam“, ergänzte er.

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Der Leiter des Krisenstabes, Thomas Linnertz, sagte am Freitag in Bad Neuenahr-Ahrweiler, nach den Vorhersagen des Wetter­dienstes bestehe für die Ahr „keine richtige Hoch­wasser­gefahr“. „Das heißt: Es wird keine Evakuierungs­notwendig­keit für das ganze Ahrtal bestehen.“ Es könne aber sein, dass wegen erwarteter lokal begrenzter Stark­regen­ereignisse ab Samstag­nach­mittag in manchen Gebieten die Menschen aufgefordert werden müssten, ihre Häuser zu verlassen. Es gebe ein Problem mit dem Ober­flächen­wasser, das wegen zerstörter oder verstopfter Kanäle möglicherweise dann nicht abfließen könne.

Rheinland-Pfalz will Menschen mit Laut­sprecher­durch­sagen warnen

Noch seien die genauen Bereiche, wo das Ober­flächen­wasser zum Problem werden könne, nicht definiert. Dies sollte im Laufe des Tages geschehen. Die Bevölkerung solle dann in den wohl „sehr begrenzten Gebieten“ mit Laut­sprecher­durch­sagen gewarnt werden. Zusätzlich zu den bestehenden Not­unterkünften werde eine weitere für 1000 Menschen in der Verbands­gemeinde Grafschaft vorbereitet. Der Transport mit Bussen sei vorgeplant. Linnertz zufolge werden mobile Pegel installiert, um Wasserstände besser kontrollieren und ablesen zu können.

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Etwas weiter westlich teilte der Eifelkreis Bitburg-Prüm mit, auch wenn aus derzeitiger Sicht die Wetter­prognose nicht als bedrohlich für den Kreis eingeschätzt werde, könnte es infolge des zurück­liegenden Hoch­wassers vereinzelt kritische Situationen geben. Der Katastrophen­schutz treffe in Abstimmung mit den Feuerwehren Vorkehrungen, insbesondere würden Sandsäcke vorbereitet. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, sich über „zuverlässige Quellen“ in Radio, Fernsehen und Internet oder entsprechende Warn-Apps auf dem Laufenden zu halten.

Zahl der Todesopfer steigt in Rheinland-Pfalz auf 132

Der Präsident des Landes­feuer­wehr­verbandes Rheinland-Pfalz, Frank Hachemer, sagte im Radio­programm „SWR Aktuell“, die Einsatzplaner bereiteten sich auf den angekündigten Starkregen vor. „Im Moment wird gerade massiv schweres Gerät ins Einsatz­gebiet geschickt und auch dort vorgehalten, um alles passierbar zu machen“, sagte Hachemer.

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Tot geborgen wurden in der Katastrophen­region in Rheinland-Pfalz laut Polizei inzwischen 132 Menschen, vier mehr als am Vortag. Vermisst wurden den Angaben zufolge noch 149 Personen, 766 Menschen mit Verletzungen wurden behandelt. Insgesamt hat die Hoch­wasser­katastrophe in Deutschland bisher mindestens 179 Todes­opfer gefordert.

Nordrhein-Westfalen sensibilisiert Einsatz­kräfte für neue Wetterlage

Auch Nordrhein-Westfalen rüstet sich für mögliche neue Stark­regen­fälle. Per Erlass des NRW-Innen­ministeriums würden die Leitstellen von Feuerwehr und Polizei nochmals besonders für die Wetterlage sensibilisiert, teilte ein Ministeriums­sprecher der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf mit. „Die Arbeit in den Krisenstäben der Städte und Kreise wird auch am Wochenende fortgesetzt, um die Lage vor Ort zu koordinieren. Gleiches gilt für die Koordinierungs­gruppe des Krisenstabs im Innenministerium.“

Um künftig besser reagieren zu können, hat sich CSU-Landes­gruppen­chef Alexander Dobrindt während­dessen für einen ständigen nationalen Krisenstab ausgesprochen. „Ein ständiger Krisenstab Natur­katastrophen in Kombination von Bund und Ländern sollte eingesetzt werden“, sagte der CSU-Politiker der „Passauer Neuen Presse“ (Samstag). Er halte die föderalen Strukturen für richtig, aber „auch die Bündelung aller Informationen ist sehr wichtig“, argumentierte Dobrindt.

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Dobrindt: Wiederherstellen der Mobil­funk­netze hat zu lange gedauert

Erkennbar ist aus Sicht des Ex-Verkehrs­ministers, dass das Wieder­herstellen von Kommunikation vor Ort viel zu lange gedauert habe. „Mobil­funk­netze müssen gerade im Krisen­fall funktionieren. Eine mobile Auf­bau­truppe „Kommunikation“ sollte eingerichtet werden und sofort zum Einsatz kommen, zum Beispiel mit Drohnen und mobilen Funkzellen, wenn in Krisenlagen die Handynetze zusammenbrechen“, so Dobrindt.

Der ehemalige EU-Kommissions­präsident Jean-Claude Juncker lobte unterdessen die Hilfs­bereitschaft und Solidarität der Deutschen. In einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) hob er das „unwahrscheinliche Volumen an Solidarität“ hervor. Der Luxemburger fügte hinzu: „Das hat sich schon vor Jahren beim Oder-Hoch­wasser unter Beweis gestellt und zeigt sich jetzt wieder in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.“ Menschen seien bei großen Problemen zu Großem fähig: „Und da haben die Deutschen mit ihrer Hilfsbereitschaft füreinander ein gutes Beispiel abgeliefert. Und das ist doch eine beeindruckende kollektive Leistung der Deutschen.“

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Große Spenden­bereitschaft für Hoch­wasser­opfer

Große Spenden­bereitschaft für die von der Katastrophe Betroffenen zeigte sich am Freitag beim ARD-Spendentag: Die vorläufige Bilanz der ARD-Benefizgala „Wir halten zusammen“ lautete am Abend 6.538.000 Euro. Zusammen mit 10 weiteren Millionen, die im Rahmen des Spenden­tags mit der „Aktion Deutschland hilft“ gesammelt wurden, seien so mehr als 16,5 Millionen Euro für die Opfer der Flut­katastrophe zusammen­gekommen, berichtete Moderator Ingo Zamperoni. Zahlreiche Künstler wie Herbert Grönemeyer, Sarah Connor oder Peter Maffay unterstützten die Spenden­­sammlung.

Auch der Musiker Rea Garvey sprach den Freiwilligen seinen Dank aus. „Ich bin unglaublich stolz auf diejenigen, die morgens aufstehen und sagen: Heute gehe ich dahin, um meinen Nachbarn zu helfen“, sagte der Sänger bei seinem Auftritt in der Gala am Freitag­abend in Leipzig. Diese Menschen seien Helden. Der 48-Jährige sang in der Sendung passend zum Thema seinen Song „Hometown“ (dt. Heimatstadt) und rief dazu auf, die Opfer der Flut­katastrophe nach Möglichkeit zu unterstützen. „Manche gehen hin und helfen, manche spenden, manche machen Musik“, so Garvey. Wichtig sei, weiterzumachen und die Betroffenen nicht zu vergessen.

RND/dpa

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