Londoner Polizei kämpft nach Mordfall Sarah Everard um Vertrauen: „Werden alles dafür tun“

Kerzen und die Botschaft "We are all Sarah" und Blumen wurden bei einer Mahnwache für die getötete Sarah Everard auf die Stufen des Parkinson Building an der University of Leeds gestellt.

Kerzen und die Botschaft "We are all Sarah" und Blumen wurden bei einer Mahnwache für die getötete Sarah Everard auf die Stufen des Parkinson Building an der University of Leeds gestellt.

London. Nach der Verurteilung eines Londoner Polizisten zu lebenslanger Haft wegen des Mordes an Sarah Everard kämpft die Behörde um das Vertrauen der Bevölkerung. Der Londoner Vize-Polizeichef Stephen House sagte einem Ausschuss des Stadtrats, das Verbrechen bedeute einen groben Verrat an den Werten der Polizei. „Er war einer von uns, und wir müssen uns sehr, sehr genau hinterfragen, um zu verstehen, wie er einer von uns sein konnte und was das über uns als Organisation aussagt“, sagte House.

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Der 48 Jahre alte Mörder war zuletzt zum Schutz diplomatischer Vertretungen in London eingeteilt. Er war am Donnerstag wegen Entführung, Vergewaltigung und Mord zur Höchststrafe verurteilt worden und soll das Gefängnis nie mehr verlassen. Der Mann hatte die 33-jährige Everard am 3. März auf dem Heimweg von einer Freundin gestoppt, indem er sich als Zivilpolizist zu erkennen gab und sie wegen Verstoßes gegen die Corona-Regeln festnahm.

Polizei kündigt erste Schritte an

Polizei-Vize House betonte: „Wir wissen, dass wir daran arbeiten müssen, wieder Vertrauen und Zuversicht herzustellen, und wir werden alles dafür tun, dies zu erreichen.“ Als ersten Schritt kündigte er an, dass Zivilbeamte nur noch in Paaren unterwegs sein dürften. Er räumte aber ein, dass es zu Situationen kommen werde, in denen dies nicht möglich sei. So könne es passieren, dass Polizisten, die nicht im Dienst sind, eingreifen, wenn sie zufällig ein Verbrechen beobachten. Zudem sollten Kontrollanrufe in der Polizeizentrale möglich sein, um die Identität von Beamten zu überprüfen.

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Innenministerin Priti Patel sagte, die Met Police, wie die Londoner Polizei genannt wird, müsse „ernste Fragen“ beantworten. Es sei wichtig zu prüfen, ob der Mörder von Sarah Everard früher hätte auffallen müssen. Derzeit laufen noch Ermittlungen gegen mehrere Beamte, die Anzeigen gegen ihn wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses nicht konsequent verfolgt haben sollen. Forderungen nach einem Rücktritt von Polizeichefin Cressida Dick wies Patel zurück.

Abgeordnete fordert härtere Disziplinarmaßnahmen und strengere Überprüfungen

Die Parlamentsabgeordnete Harriet Harman von der oppositionellen Labour-Partei forderte von Patel Schritte, um das zerstörte Vertrauen von Frauen in die Polizei zu erneuern. Dazu gehöre, Beamte nach Gewaltvorwürfen schneller zu suspendieren. Nötig seien zudem härtere Disziplinarmaßnahmen für diejenigen, die Kollegen nicht melden, und strengere Überprüfungen für neue Rekruten und Versetzungen.

Der Mordfall Sarah Everard hatte einen Aufschrei über Gewalt gegen Frauen ausgelöst. Die Mitgründerin der Organisation Reclaim These Streets, Anna Birley, zog nun dennoch eine traurige Bilanz. Seit Everards Tod habe sich „sehr wenig“ geändert, sagte die Labour-Gemeinderätin der Nachrichtenagentur PA. „Die Regierung muss aufhören, herumzutrödeln und endlich konkrete Maßnahmen ergreifen, um zu verhindern, dass Frauen getötet werden.“ Erst vor kurzem hatte erneut ein Mord an einer jungen Frau in London Wut und Entsetzen ausgelöst.

RND/dpa

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