„Wollen kein Männerzirkel sein“

Seit 169 Jahren ohne Frau an der Spitze: Deutscher Feuerwehrverband wehrt sich gegen Kritik

Präsident Karl-Heinz Banse spricht bei der 69. Delegiertenversammlung des Deutschen Feuerwehrverbandes. Neben ihm sitzt das seit 169 Jahren rein männliche Präsidium.

Präsident Karl-Heinz Banse spricht bei der 69. Delegiertenversammlung des Deutschen Feuerwehrverbandes. Neben ihm sitzt das seit 169 Jahren rein männliche Präsidium.

Berlin. Am 25. Juni hat der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) bei der Feuerwehr- und Rettungskräfte-Messe „Interschutz“ in Hannover sein neues Präsidium gewählt. Dem Präsidium des Verbands gehören neben dem Präsident Karl-Heinz Banse ausschließlich Männer an – und das seit der Gründung im Jahr 1853, also seit 169 Jahren.

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Birgit Kill von der Freiwilligen Feuerwehr Essen ließ sich als einzige Frau aufstellen, wurde aber nicht ins Präsidium gewählt. Die seit langer Zeit frauenlose Verbandsführung und die Nichtwahl von Kill sorgen für scharfe Kritik in den sozialen Netzwerken.

Kritik an „Altherren-Verband“

Janosch Dahmen, Bundestagsabgeordneter der Grünen und Beamter der Feuerwehr Berlin nannte den Verband nach der Wahl auf Twitter einen „Altherren-Verband“ und schrieb: „Eine Feuerwehr nur für alte, weiße Männer braucht keiner! Zeit wird es für Wandel!“ Zahlreiche weitere Kommentare geben ein ähnliches Stimmungsbild.

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Auch Kandidatin Kill teilte den Post von Dahmen auf ihrer Facebook-Seite, äußerte sich aber nicht weiter in den sozialen Netzwerken zu der Wahl.

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DFV-Sprecher: „Es sind nun mal demokratische Wahlen“

Dass die Kritik am DFV nicht auf taube Ohren stößt, erläutert Carsten-Michael Pix, Referent für Facharbeit und Sprecher des Verbands, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) am Montag. „Wir nehmen die Kritik ernst. Das ‚Problem‘ ist nun mal, dass es demokratische Wahlen sind“, sagt Pix.

Der föderal organisierte Bundesverband rufe die Landesverbände zwölf Wochen vor der Präsidiumswahl auf, die Kandidatinnen und Kandidaten zu nennen. Der nordrhein-westfälische Landesverband schickte Birgit Kill ins Rennen. „Nach der Nominierung werben die Kandidatinnen und Kandidaten für Mehrheiten und dann gibt es eine Wahl“, erklärt der Sprecher.

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Verband pocht auf demokratische Wahl

Warum Präsident Karl-Heinz Banse nicht speziell für Kill warb, hatte laut Pix einen Grund: „Es wird oft gefordert, dass der Präsident sagen soll, dass wir eine Frau im Präsidium haben wollen. Aber will die Frau denn überhaupt so hervorgehoben werden? Außerdem ist es gegenüber den anderen Kandidaten, und all den Leuten, die hinter diesen Kandidaten stehen, nicht fair.“

Pix weiß aber auch um die Außenwirkung bei einem Präsidium ohne weibliche Beteiligung. „169 Jahre klingt natürlich gewaltig, gar keine Frage“, sagt er, betont aber zugleich noch einmal, dass es eine demokratische Wahl sei. „Die Landesverbände stellen delegierte Wahlleute, die die Kandidatin oder den Kandidaten wählen, den oder die sie für richtig halten. Was soll der DFV da tun?“, betont Pix.

Das DFV-Präsidium

Das Präsidium des Deutschen Feuerwehrverbandes besteht derzeit aus dem Präsidenten, bis zu vier Vizepräsidenten als Vertreter der Landesfeuerwehrverbände, je einem Vizepräsidenten als Vertreter der Bundesgruppen (Werkfeuerwehr und Berufsfeuerwehr) sowie dem Bundesjugendleiter als Vizepräsident und Vertreter der Jugendfeuerwehren.

DFV engagiert sich für mehr Frauen in der Feuerwehr

Bei den Präsidiumswahlen sind dem DFV nach eigenen Angaben also die Hände gebunden, das Thema Frauen bei der Feuerwehr habe sich der Verband aber schon seit längerer Zeit auf die Fahne geschrieben, wie Sprecher Pix erzählt. „Vor etwa 15 Jahren haben wir die Aktion ‚Frauen am Zug‘ unter anderem mit dem Slogan ‚Frauen an den Brandherd‘ durchgeführt. Das war eine Aktion, die bis heute in der Feuerwehrwelt sehr präsent ist.“

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Ein Plakat der Kampagne „Frauen am Zug“, die von 2005 bis 2008 lief.

Ein Plakat der Kampagne „Frauen am Zug“, die von 2005 bis 2008 lief.

„Diese Kampagne ist witzig, spritzig und zukunftsweisend, wie das wichtige Thema, das sich dahinter verbirgt“, lobte 2007 Ursula von der Leyen, damals Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Aktion des Deutschen Feuerwehrverbandes.

Im Mittelpunkt der bundesweiten Werbekampagne stand nach Verbandsangaben die Verstärkung des Engagements von Frauen in den Freiwilligen Feuerwehren. „Frauen am Zug“ sei ein Wortspiel, mit dem das Ziel plakativ und charmant-irritierend vermittelt werden sollte – sowohl als Aufforderung nach innen als auch als Signal nach außen.

Nur 10 Prozent Frauen in der Freiwilligen Feuerwehr

Die Kampagne habe ihren Sinn und Zweck erfüllt. „Seitdem, natürlich nicht nur wegen dieser Aktion, steigt die Zahl der Frauen in den Freiwilligen Feuerwehren“, sagt DFV-Sprecher Pix gegenüber dem RND. Auch in den Berufsfeuerwehren sei die Tendenz steigend. Dennoch lägen die Zahlen mit einer Frauenquote bei den Freiwilligen Feuerwehren von rund 10 Prozent und den Berufsfeuerwehren bei gerade einmal 3 Prozent immer noch zu niedrig.

„Bei den Jugendfeuerwehren ist der Anteil deutlich höher“, berichtet Pix. Bei den Mädchen liege das Problem meist beim Übertritt von der Jugendfeuerwehr in die aktive Feuerwehr. „Nichtsdestotrotz steigt der prozentuale Anteil der Frauen seit Jahren an. Das ist uns sehr wichtig, weil wir den ehrenamtlichen Brandschutz in Deutschland aufrecht erhalten wollen. Und daraus können und wollen wir keinen Männerzirkel machen. Es ist in unserem ureigenen Interesse, dass alle Bevölkerungsgruppen wie Männer, Frauen, sozial Stärkere und Schwächere oder Migranten in der Feuerwehr ein Zuhause finden.“

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DFV-Sprecher: „Der Bevölkerungsschutz ist gegeben“

Insgesamt habe sich der Zulauf bei den Freiwilligen Feuerwehren stabilisiert. „Es gibt Kreise, da sind wir gut aufgestellt.“ Wiederum gebe es aber auch Problemkreise, die seit längerer Zeit bekannt seien. In denen sei das Wegziehen der jungen Bevölkerung in die Städte ein Grund dafür. „Ich möchte nicht sagen, dass die Welt insgesamt in Ordnung ist, weil sie das mancherorts einfach nicht ist. Der Bevölkerungsschutz ist aber gegeben. Da können wir, wenn auch nicht überall, etwas durchschnaufen“, erklärte Pix.

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