Eltern zur Entführung von Cleo Smith: „Sie ist in den Überlebensmodus gegangen“

Die Eltern von Cleo Smith mit ihrer wiedergefundenen Tochter.

Perth. 18 lange Tage war die kleine Cleo Smith vermisst, bevor die Polizei sie in einem Haus im westaustralischen Carnarvon entdeckte. Die Vierjährige war im Urlaub nachts aus dem Zelt ihrer Eltern entführt worden.

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Jetzt sprachen ihre Eltern zum ersten Mal im australischen Fernsehen über die Horrortage. In einem Interview mit der Channel-9-Sendung „60 Minutes“, für das die Familie zwei Millionen australische Dollar oder umgerechnet 1,24 Millionen Euro erhalten haben soll, sagten Cleos Mutter und ihr Stiefvater, dass die Vierjährige einen Großteil der Entführung aus ihrer Erinnerung „blockiert“ habe. „Sie hat viel von dem verdrängt, was passiert ist“, sagte die Mutter Ellie Smith. „Sie ist irgendwie in den Überlebensmodus gegangen und hat alles weit von sich weggeschoben.“

Entführer erzählte Cleo von ihrer Schwester

Die Vierjährige habe ihnen aber erzählt, warum sie von ihnen weggenommen worden sei. So redete der Entführer, den die Polizei in der gleichen Nacht festnahm, in der Cleo gerettet wurde, ihr ein, dass sie von ihrer Familie weg müsse, da „ihre kleine Schwester krank“ sei. „Und deshalb musste sie uns weggenommen werden, damit wir ihrer kleinen Schwester helfen konnten“, sagte Ellie Smith.

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Die Mutter gestand ein, dass sie und ihr Partner wütend gewesen seien, als sie hörten, wie der Entführer Cleo angelogen habe. Doch sie wollten sich nun darauf konzentrieren, Cleo dabei zu helfen, „zu heilen“ anstatt „unsere Herzen voller Hass zu haben“, wie Ellie Smith sagte.

Über die Entführung selbst berichtete die Mutter, dass wohl ein entscheidendes Detail dazu geführt habe, dass der Verbrecher ausgerechnet ihr Zelt geöffnet und Cleo entführt habe. So veranlasste ihn wohl ein kleines rosafarbenes Fahrrad vor dem Zelt dazu. Dies deutet darauf hin, dass es sich um ein rein opportunistisches Verbrechen handelte.

Keine Albträume mehr

Während des Interviews bemerkte die Channel-9-Reporterin, dass Cleo bei ihrer Rettung gesund und nicht traumatisiert ausgesehen habe. Dies relativierte ihre Familie jedoch und gestand ein, dass es noch immer schlechte Tage gebe, obwohl Cleo tatsächlich viele Fortschritte zeige und auch nachts keine Albträume mehr habe.

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„Ein guter Tag ist für uns, ohne größere Probleme durch den Tag zu kommen“, meinte die Mutter. Aber es gebe auch die Tage, wo alles zusammenbreche. „Unsere schlimmsten Tage sind die, an denen wir am Ende einfach zu Hause bleiben“, sagte die Mutter. Es gehe aber schrittweise voran, immerhin hätten sie die Albträume in der Nacht hinter sich gelassen.

Entführer hat Cleo die Haare geschnitten und gefärbt

Dabei verrieten die Eltern auch ein Detail, das sonst niemandem aufgefallen sein dürfte. So sagten sie, dass der Entführer das Aussehen der Vierjährigen leicht verändert habe. So soll der Mann die Haare des kleinen Mädchens geschnitten und gefärbt haben. „Ich schätze, wir haben irgendwie die kleinen Dinge gesehen, die anderen Leuten nicht aufgefallen sind“, meinte Ellie Smith. Zeitweise soll Cleo sogar rosa Farbe in ihrem Haar gehabt haben, aber die habe sich wieder ausgewaschen. „Ich war nur wütend, dass jemand versucht hat, sie so zu verändern, dass sie seinen Vorstellungen entspricht“, meinte Ellie Smith.

Der Australier, der das junge Mädchen entführt haben soll, hat sich Ende Januar bereits schuldig bekannt. Der 36-Jährige hatte die kleine Cleo aus dem Zelt ihrer Familie entführt und 18 Tage lang in seinem Haus in Carnarvon, einem Ort mit mehr als 4000 Einwohnern, rund 900 Kilometer nördlich von Perth gelegen, festgehalten. Die Polizei hatte Cleo dort Anfang November, kurz vor ein Uhr am Morgen, in einem Zimmer spielend vorgefunden. Berichten zufolge hatte einer der Polizeibeamten das kleine Mädchen hochgehoben und gefragt, wie sie heiße. Daraufhin antwortete sie: „Mein Name ist Cleo.“ Der Satz ging in den Stunden nach ihrer Rettung dann um die Welt – das internationale Interesse an ihrem Fall war immens.

„Erfahrene Polizeibeamte vor Erleichterung weinen sehen“

Vor allem während und nach ihrer Rettung spielten sich emotionale Szenen in Australien ab. Der amtierende Polizeikommissar von Westaustralien, Col Blanch, sagte in einem Radiointerview mit dem lokalen Sender „Perth Radio 6PR“ damals, er habe „erfahrene Polizeibeamte vor Erleichterung weinen sehen“. Auch er selbst sei „sprachlos“, dass die Vierjährige lebend entdeckt wurde. So etwas komme „nur sehr selten“ vor, meinte er. Aber alle hätten „von ganzem Herzen gehofft“, dass es wahr werden würde.

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