Veranstalter unter Druck

Nachwehen der Pandemie: schwieriger Neustart für die Event-Branche

Alles wie vor der Pandemie? Nicht ganz. Veranstalter spüren die Nachwirkungen und stehen wirtschaftlich unter Druck.

Alles wie vor der Pandemie? Nicht ganz. Veranstalter spüren die Nachwirkungen und stehen wirtschaftlich unter Druck.

Livekonzerte, Festivals am Wochenende – vor der Corona-Pandemie gehörte das zum Alltag vieler Menschen. Im Frühjahr 2020 stellte das Virus alles auf den Kopf. Besonders hart traf es Konzert- und Eventveranstalterinnen und ‑veranstalter. Im März 2020 war die Branche eine der ersten, die ihre Arbeit einstellen musste. Im laufenden Jahr war sie eine der letzten, die sie fast unbeschränkt wieder aufnehmen durfte.

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Für Veranstalterinnen und Veranstalter ist das Wiederanlaufen des Geschäfts nach zwei Jahren Zwangspause ein Segen: ausgebuchte Hallen, volle Stadien, Messen wie gewohnt. „Tatsache ist, dass die Livebranche mit Vehemenz zurückgekehrt ist und eine bisher nie gekannte Folge von Konzerten mit fantastischer Resonanz über die Bühne gegangen ist“, sagte Marek Lieberberg, Geschäftsführer von Live Nation GSA, der Deutschen Presse-Agentur. Als Veranstalter sei man zwar in der Verantwortung, die Entwicklung zu beobachten und gegebenenfalls Test- und Maskenpflicht wieder einzuführen. Doch solange es keine behördlichen Lockdowns gebe, würden Liveveranstaltungen fortgesetzt werden, sagte Lieberberg.

Die Pandemie wirkt nach

Trotz erfolgreicher Musikveranstaltungen in diesem Sommer ist die Lage der Kulturveranstaltungs­wirtschaft aber vielfach noch kritisch. In vielen Fällen handle es sich pandemiebedingt um nachgeholte Konzerte und Veranstaltungen aus den vergangenen beiden Jahren, erklärt der geschäftsführende Präsident des Bundesverbandes der Konzert- und Veranstaltungs­wirtschaft (BDKV), Jens Michow.

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Und Eintrittskarten, die bereits vor einem oder zwei Jahren verkauft wurden, bringen Veranstalterinnen und Veranstaltern aktuell keine neuen Umsätze. Zudem waren nach Branchenangaben die Kosten für die Ausrichtungen von Konzerten und Co. seinerzeit niedriger als aktuell. Derzeit seien daher trotz ausverkaufter Hallen oder Festivals teilweise bereits große Verluste erwirtschaftet worden, sagte Michow.

Es fehlt an Personal

Im Jahr 2019 kam die deutsche Veranstaltungs­wirtschaft noch auf einen Umsatz von rund 6 Milliarden Euro. Viele Veranstalterinnen und Veranstalter hofften, im laufenden Jahr an diese Zeiten anknüpfen zu können. Doch das Umfeld ist schwieriger als gedacht: Die rekordverdächtig hohe Inflation in Deutschland von zuletzt 7,5 Prozent im Juli bremst die Konsumlust vieler Menschen, hinzu kommen Sorgen wegen möglicher wirtschaftlicher Folgen des Krieges in der Ukraine. Zudem hat auch die Veranstaltungs­branche mit Personalmangel und Lieferengpässen bei Material zu kämpfen. „Die Rahmenbedingungen für wirtschaftlich profitable Veranstaltungen sind miserabel“, sagt BDKV-Geschäftsführer Michow.

Nach wie vor sei die Branche auf staatliche Hilfen angewiesen, die sie bis 2019 nie in Anspruch genommen habe, sagt Michow. Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie sind noch erkennbar: Ähnlich wie in der Gastronomie fehlt nach Angaben des Ministeriums auch in der Veranstaltungs­branche qualifiziertes Personal, Veranstaltungs­technikerinnen und ‑techniker oder Bühnenhelfer und ‑helferinnen seien derzeit sehr schwer zu finden.

Was bringt der Herbst?

Die Eventkalender jedenfalls sind voll. Veranstalter Lieberberg meint, man müsse grundsätzlich lernen, mit der Pandemie zu leben, „statt in obsolete Verbote zu flüchten“. Interesse und Nachfrage der Fans seien weiter vorhanden.

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Steigende Corona-Fallzahlen könnten der Branche jedoch einen unruhigen Herbst und Winter einbrocken. „Neuerliche Abstandsregeln und Kapazitäts­beschränkungen wären für das Veranstaltungsgeschäft tödlich“, sagt Branchenverbandschef Michow. Er hofft, dass Lockdowns in diesem Winter ausbleiben: „Da leider davon ausgegangen werden muss, dass Corona oder auch andere Pandemien uns noch lange, wenn nicht zukünftig immer begleiten werden, hoffe ich nicht, dass die Politik immer wieder mit den gleichen Maßnahmen reagiert.“

dpa/RND

 

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