Im Süden und im Westen

Deutschlands Rocker­hochburgen: Wo es immer wieder zu Straftaten kommt

Die Rückseite der Westen von zwei Hells-Angels-Mitgliedern.

Die Rückseite der Westen von zwei Hells-Angels-Mitgliedern.

Immer wieder kommt es zu Straftaten durch Mitglieder von Rockergruppen. Zuletzt stand etwa Ex-Rocker-Boss Frank Hanebuth aus Hannover in Spanien vor Gericht, ihm und weiteren Mitangeklagten wurden die Bildung einer kriminellen Vereinigung, Geldwäsche, Bedrohung und illegaler Waffenbesitz vorgeworfen. Es ist nicht der erste Prozess gegen ihn, ein Urteil steht noch aus. Und auch bei dem Mord an einer Bahnhaltestelle in Hannover steht das Opfer offenbar in fernerer Verbindung mit den Hells Angels. Unklar ist noch, ob auch die Tat auf das Rockermilieu zurückzuführen ist. Es könnte sich auch um eine Zufallstat handeln, die nichts mit der Rockergruppe zu tun hat.

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Doch was zeichnet Rockergruppen eigentlich aus und wo in Deutschland haben sie ihre Hochburgen?

Rockergruppen sind laut Bundeskriminalamt (BKA) „ein Zusammenschluss mehrerer Personen mit strengem hierarchischem Aufbau, enger persönlicher Bindung der Gruppenmitglieder untereinander, geringer Bereitschaft, mit der Polizei zu kooperieren, und selbst geschaffenen strengen Regeln und Satzungen“. Die Zusammengehörigkeit der Gruppenmitglieder werde durch das Tragen gleicher Kleidung oder Abzeichen nach außen dokumentiert, heißt es weiter, etwa der vielen bekannten Kutte der Hells Angels mit dem Clubnamen „Hells Angels“ und dem Hells-Angels-Emblem, einem Totenkopf mit Helm und Flügeln.

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BKA: 600 Ortsgruppen sind bekannt

„Polizeilich relevante Rockergruppierungen“ werden laut BKA als sogenannte Outlaw Motorcycle Gangs (OMCG) bezeichnet. In Deutschland werden hierzu demnach neben den Hells Angels auch der Bandidos MC (BMC), der Outlaws MC (OMC) und der Gremium MC (GMC) sowie ihre Unterstützer­gruppierungen (Supporterclubs) gezählt. Sie organisieren sich meist in Ortsgruppen, sogenannten Chaptern oder Chartern. Für das Jahr 2021 seien dem Bundeskriminalamt insgesamt etwa 600 Ortsgruppen und circa 7000 Mitglieder von polizeilich relevanten Rockergruppen gemeldet worden, teilt das BKA dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) auf Anfrage mit.

„Wegen der Kurzlebigkeit vieler dieser Zusammenschlüsse und der personellen Fluktuation unterliegen die Zahlen der existierenden Clubs und zugehörigen Mitglieder einer dynamischen Entwicklung“, heißt es aber auch im „Bundeslagebild Organisierte Kriminalität“ 2021 (der Bericht für 2022 liegt noch nicht vor). Die Zahlen verändern sich also laufend.

Rockerschwerpunkt im Süden und im Westen Deutschlands

Doch wo hielten sich die Rocker zuletzt am meisten auf? Das BKA sieht aktuell bei der Verteilung der Gruppierungen mit den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen einen Schwerpunkt im Süden und im Westen Deutschlands, wie die Behörde dem RND mitteilt, gefolgt von Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen. „Nach Nordosten hin nimmt die Verteilung sukzessive ab“, so der BKA-Sprecher. „Im Vergleich der Großstädte weist Berlin die höchste Verteilungsdichte auf.“

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In Niedersachsen, aus dessen Landeshauptstadt auch der aktuell angeklagte Hanebuth kommt, stehen Dutzende Rockergruppen und rockerähnliche Gruppierungen unter Beobachtung der Polizei. „Aufgrund der vorherrschenden Strukturen ist von einem kriminellen Potenzial dieser Gruppierungen zumindest auszugehen“, sagte ein Sprecher des niedersächsischen Landeskriminalamts (LKA) Anfang Februar der dpa. Ende 2021 waren der Auswertung zufolge fünf polizeilich relevante, international agierende Rockergruppierungen in Niedersachsen aktiv, nämlich Hells Angels MC, Bandidos MC, Gremium MC, Outlaws MC sowie Mongols. Nach Einschätzung des niedersächsischen Innenministeriums gibt es aber keine Anhaltspunkte dafür, dass sich die Lage bezüglich der Rockerkriminalität in Niedersachsen verschärft habe. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist es nicht so, dass die Zahlen besorgniserregend sind“, sagte eine Ministeriumssprecherin Anfang Februar.

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Rocker-Hochburgen: Nordrhein-Westfalen weiterer Hotspot

In Nordrhein-Westfalen, einem der Hotspots laut BKA, waren die Bandidos 2021 der personell größte Rockerclub. Das berichtet etwa die „Neue Westfälische“ mit Bezug auf das Landeskriminalamt. Sie hätten vor allem Chapter (Ortsgruppen) im Ruhrgebiet zwischen Duisburg und Dortmund. Bei den Hells Angels gelte in NRW besonders das Rheinland und primär der Großraum Köln als eine Hochburg.

Im Frühjahr 2022 kam es in Duisburg unter anderem im Rockermilieu zu einer Schießerei mit mehr als 19 Schüssen. 90 an dem Tumult Beteiligte waren identifiziert worden. Zunächst festgenommene 15 Männer mussten wieder freigelassen werden. Die Ermittlerinnen und Ermittler waren auf eine Mauer des Schweigens gestoßen – wie so oft bei Mitgliedern von Rockergruppen. Sie führten die Schießerei auf eine Auseinandersetzung der Rockergruppe Hells Angels mit einem türkisch-arabischen Clan zurück.

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Berlins Probleme mit den Rockern

Auch Berlin hat laut BKA größere Probleme mit kriminellen Rockergruppen. Im vergangenen Jahr ist etwa eine Berliner Ortsgruppe der Rockerbande Hells Angels wegen krimineller Aktivitäten von Innensenatorin Iris Spranger (SPD) verboten worden. Mit einer großen Razzia ging die Polizei gegen die Rockergruppe Hells Angels MC Berlin Central und mehrere Unterorganisationen vor, wie Senatsinnenverwaltung und Polizei mitteilten. Der Club sei demnach eine Ersatzorganisation des früheren Clubs HAMC Berlin City und setze dessen „verfassungswidrige Bestrebungen“ fort.

Der frühere Club hatte sich selbst aufgelöst, nachdem mehrere Mitglieder wegen des sogenannten Wettbüromordes im Jahr 2014 im Gefängnis gelandet oder ins Ausland geflohen waren. „Das heutige Verbot stellt klar, dass wir nicht wegschauen, wenn eine neu geschaffene Organisation an die Stelle eines bereits 2012 verbotenen Vereins tritt und diesen ersetzt“, sagte Innensenatorin Spranger im September 2022 zu dem Verbot.

2017 hatte die Bundesregierung das Vereinsgesetz verschärft

Schon 2017 hatte die Bundesregierung das Vereinsgesetz verschärft und Mitgliedern mehrerer Rockerclubs das öffentliche Tragen ihrer Vereinszeichen an ihren Westen untersagt. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hatte zuletzt am 14. September die rockerähnliche Gruppierung United Tribuns mit knapp 100 Mitgliedern in Deutschland verboten. 1450 Polizistinnen und Polizisten durchsuchten damals mehr als 100 Privatwohnungen und Vereinsräume der Gruppe in neun Bundesländern.

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mit dpa


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