Rassismusdiskussion in Ingolstadt

Café Mohrenkopf wehrt sich gegen Vorwürfe – Inhaber will Namen nicht ändern

Das Café Mohrenkopf in Ingolstadt wehrt sich gegen vermeintliche Kritik an seinem Namen – und bekommt viel Unterstützung (Symbolbild).

Das Café Mohrenkopf in Ingolstadt wehrt sich gegen vermeintliche Kritik an seinem Namen – und bekommt viel Unterstützung (Symbolbild).

„Der Name bleibt“: Der Besitzer des Ingolstädter Cafés Mohrenkopf hat auf Facebook mit einem Post eine Welle der Zustimmung ausgelöst. Nachdem sich in vergangener Zeit die negativen Bewertungen auf Google gehäuft hätten, sah der Inhaber sich veranlasst, auf Facebook zu bekräftigen, dass er nicht vorhabe, den Namen seines Cafés zu ändern. Innerhalb weniger Tage wurde das Posting mehr als 9000-mal geteilt, mehr als 27.000-mal kommentiert und fast 160.000-mal gelikt (Stand: 22. August, 16.35 Uhr). Der Begriff „Mohr“, eine veraltete Bezeichnung für einen schwarzen Mann, gilt vielen als diskriminierend.

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„In letzter Zeit häufen sich negative Bewertungen auf Google, weil wir Café Mohrenkopf heißen“, schrieb der Betreiber nun. „Damit wird die Arbeit, die wir täglich leisten, schlecht gemacht, obwohl diejenigen nicht vor Ort waren, sondern nur was gegen den Namen haben.“ Weiter lobte er die Arbeit seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Er gedenke nicht, den Namen des Cafés zu ändern.

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Viel positive Resonanz auf Facebook: „Ich finde den Namen hervorragend“

Der Inhaber des Cafés, das eine rege Facebook-Präsenz hat und für gewöhnlich mehrmals täglich postet, traf mit seinen Äußerungen offenbar einen Nerv. Vielfache Zustimmung erhielt er nicht nur auf Facebook. Auch auf Twitter und in den Google-Rezensionen fanden sich Unterstützer für seine Nachricht. „Die ganzen Umbenennungen sind unglaublich. Für mich bleibt alles so, wie ich aufgewachsen bin“, schreibt eine Nutzerin. „Wärt ihr nicht so weit weg, würden wir euch gern besuchen.“ Eine andere schreibt: „Unfassbar, leider gibt es mittlerweile eine Minderheit in unserem Land, die alles bestimmen möchte. Ich finde den Namen hervorragend.“ Beide Kommentare erhielten wiederum Tausende Likes.

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„Ich bin zwar noch nie in diesem Café gewesen, aber alleine für die Standhaftigkeit des Inhabers bezüglich des Namens vergebe ich fünf Sterne“, liest man auch bei Google. Insgesamt 1007 Rezensionen zählt das Café dort, kommt dabei auf 4,5 von 5 Sternen (Stand: 22. August, 16.40 Uhr). „Ich war leider noch nie bei euch, aber das nächste Mal, wenn ich in Ingolstadt bin, komme ich gerne vorbei. Das muss ja wirklich sehr lecker sein, außerdem finde ich es stark, dass ihr euch nicht unter Druck setzen lasst.“

„Rassismus bleibt Rassismus“: Diskussion um „Mohrenkopf“ ruft auch Kritiker auf den Plan

Rezensionen, die den Namen des Cafés bemängeln und vor dem Facebook-Post entstanden, finden sich bei Google nur eine Handvoll. Sie monieren, der Name sei dem 21. Jahrhundert nicht angemessen. Einige Nutzer vermuten hinter den Äußerungen auf Facebook eine Marketingkampagne: „Negative Rezensionen in großer Höhe vorgaukeln, um positive zu bekommen. Cleveres Marketing, wenn auch nicht sehr ehrlich“, schreibt ein User. Auf Facebook finden sich sehr vereinzelt negative Reaktionen: „Es mag egal sein, wie gut Ihr Kuchen ist und wie genial der Kaffee gebrüht wird, denn Rassismus bleibt Rassismus“, befindet jemand. „Ich finde es unakzeptabel. Natürlich verstehen es die meisten nicht. Ihr seid weiß.“

Die Diskussion um die Verwendung des Begriffs „Mohr“ ist nicht neu. Sie traf etwa bereits eine Brauerei, eine U-Bahnhofsstation sowie andere Restaurants mit ähnlichem Namen. Beispielsweise in Kiel, wo das Restaurant „Zum Mohrenkopf“ von Andrew Onuegbu geführt wird, einem Deutsch-Afrikaner, der den Begriff öffentlich vehement verteidigt. Erst kürzlich scheiterte ein Mann mit einer Klage gegen die Umbenennung der Mohrenstraße in Berlin, da er dort nicht selber wohne und daher nicht betroffen sei.

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Auch Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen haben den Begriff „Mohr“ bereits diskutiert – und sind sich nicht einig, woher der Begriff eigentlich kommt. In der Diskussion wird meist das Argument angeführt, dass es sich bei dem Wort um einen Fremdnamen handele, der historisch immer abwertend genutzt wurde.

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